Wenn man sich die Beiträge so durchliest ist eine Menge Frust herauszulesen. Mir ging es Anfangs nicht anders aber es gibt eine gute Methode sich seinen Seelenfrieden zu erhalten. Vorausgesetzt man hat nicht einfach nur Spaß dran sich ständig aufregen und andere zur Sau machen zu dürfen. In so einem Fall müsste ein Arzt ran.
Als erstes sollte man in einem klaren Moment (Nüchtern, ausgeschlafen...vielleicht morgens nach der kalten Dusche) die Fakten betrachten.
Mir erschließen sich da nur 2 wesentliche Tatsachen:
a) Unsere Mannschaft besteht durchweg aus Spielern die leider nicht mehr die Qualität eines Werder-Kaders von z.B. 2009 haben . Sie selber können am wenigsten dafür.
b) Es gibt definitiv keine Möglichkeit diesen Kader durch Einkäufe wesentlich zu verbessern. Die die gekauft worden sind wurden mit Sicherheit nach besten Wissen und Gewissen gekauft.
Diese 2 Punkte muss man sich nun beim Kaffee und Frühstücksei so lange wiederholen bis man sie akzeptiert hat. Wenn man danach beim Kacken ist kann es natürlich trotzdem sein das man versucht, wenn man schon bei Scheiße ist, damit zu hadern und zwanghaft irgendeinen oder mehrere Schuldigen für diese Situation zu finden. Das ist zwar legitim aber gemessen an den wenigen Möglichkeiten die man auf so einem Klodeckel hat, wenig zielführend. Es geht ja jetzt hier darum seinen Seelenfrieden zu finden.
Hat man also die bereits in Mllionen von Beiträgen diskutierte Schuldfrage erfolgreich ausgeklammert und sich auf diese beiden Fakten konzentriert geht es weiter.
Die Frage stellt sich nun welche Möglichkeiten Eichin und Dutt haben hier etwas zu bewegen.
Eichin ist ja in Transferfragen nicht völlig handlungsunfähig. Ich persönlich finde seine bisherigen Verpflichtungen gemessen an den Möglichkeiten durchaus für gelungen. Hier muss und kann er im Prinzip nur darauf hoffen das ein junger billiger Spieler irgendwann voll einschlägt und/oder ein billiger ausgemusterter Spieler hier wieder zu alter Stärke findet. Beide Varianten sind reine Glückssache.
Ein Trainer kann fertige Spieler, technisch, nicht besser machen. Das hat Klinsmann schon gemerkt und Dutt weiß das Gott sei Dank schon. Spieler lernen Fußball in ihren Jugendmannschaften und sind, je älter sie werden, immer weniger fähig sich weiterzuentwickeln. Aber der Schlüssel liegt auch vielmehr in der Teamfähigkeit der Mannschaft. Dutt kann lediglich ein Motivator und ein Taktiker sein. Er muss einen Weg finden seine Mannschaft zu motivieren, teambildende Maßnahmen durchzusetzen und seine Spieltaktik seinen Spielern anzupassen bzw. umgekehrt. Daran würde ich ihn messen und bisher habe ich in taktischen Dingen keine groben Fehler gesehen. Ob es falsch ist einen bestimmten Spieler zu einer bestimmten Zeit einzuwechseln zeigt dann der jeweilige Spieler hinterher. Das Thema Selbstvertrauen ist hier offensichtlich ein Problem. Wir alle haben das Team schon relativ gut spielen sehen um dann nach einer knappen Niederlage einen völligen Zusammenbruch der Spielkultur zu beobachten. Es sollte klar sein das wir mit diesem Team niemals um einen internationalen Platz spielen können. Es geht hier selbstverständlich um den Nichtabstieg. Dieser sollte aber mit diesem Team möglich sein.
Wenn man das auch akzeptiert hat und diesen zwanghaften Drang mit Tränen in den Augen und geballter Faust alle zu verfluchen die Geld verbrannt, gute Spieler in die Wüste geschickt und von Fußball sowieso keine Ahnung haben, dann kann man sich mit klarem Kopf (ja leider immer noch nüchtern) fragen was man denn selbst machen könnte um die Mannschaft zu unterstützen.
Ich würde generell nicht ausschließen das Pfiffe und die Mannschaft zusammenscheissen helfen können. Sowas hilft aber z.B. nur sehr gut bei Bayern-Spielern. Ich bezweifle aber das wir in unserer Situation damit weiterkommen. Offensichtlich haben wir ein Problem mit Selbstbewusstsein und Erwartungshaltung. Haben wir die Punkte vorher akzeptiert, können wir uns Frustfrei auf einen spannenden Abstiegskampf als Grunderwartungshaltung einstellen. Diese Einstellung wird uns viele schöne Momente bescheren. Immer dann wenn die Mannschaft besser spielt als wir es erwartet haben, was dann ja öfter vorkommen müsste. Desweiteren können wir es besser mit uns selbst vereinbaren das Team auch in schlechten Spielphasen, Nibelungentreu und dummdämlich, bedingungslos zu unterstützen. Keine Angst, dadurch wird sie nicht schlechter spielen. Sie kann gar nicht schlechter spielen. Sie könnte aber irgendwann den Druck loswerden und befreiter aufspielen. Ein Versuch ist es wert.
Das ist nämlich oft das was Mannschaften die den Abstieg verhindert haben ausgezeichnet hat. Den Rückhalt der Fans. Mich mit Werder zu identifizieren bedeutet für mich mehr als einfach etwas für mein Geld zu erwarten. Ist die Mannschaft am Boden bin ich auch am Boden. Ich gucke nicht von Oben auf sie herab. Auch wenn die Fehler offensichtlich sind. Dieses destruktive und ideenlose Rumgemeckere wird gar nix bringen. Wir werden auch nicht bessere Leute wie Eichin oder Dutt kriegen.
Tatsache ist einfach das man als Fan nur zwei Entscheidungen treffen kann. Den Verein zu unterstützen oder ihm den Rücken zuzukehren. Das ist beides in Ordnung. Nur sollte man wenn man ihm den Rücken zu wendet es nicht auch noch schlimmer machen indem man pöbelt, stört und miese Stimmung verbreitet wo man nur kann. Vergessen wir vorerst die Vergangenheit und packen alle an einem Strang. Das heisst nicht das man nicht kritisieren darf aber bitte überlegt und konstruktiv. Am besten mit seriösen Vorschlägen und Alternativen.
Alle anderen dürfen gerne schmollen und sich melancholische shadiego-videos reinziehen. Die Zeiten sind aber voerst erst mal vorbei.