Ich kann mich opalo im großen und ganzen nur zustimmen. Politik lässt sich aus den Stadien nicht vertreiben. Versucht man es, erreicht man nur, dass die rechten das als Chance sehen und das Stadion als Bühne nutzen. Fußball ist in Deutschland die Sportart Nummer 1. Von etwa 80 Millionen Deutschen haben geschätzte 70 Millionen schon einmal ein Fußballspiel im Fernsehen gesehen. Geschätzte 50 Millionen tun das regelmäßig. In den Stadien stehen geschätzte 15 TV-Kameras, die nicht nur das Spielfeld, sondern auch die Tribünen zeigen. Für Leute, die groß Meinung machen wollen, ist das ideal. Neonazis wollen groß Meinung machen. Sie können ihre Ziele nur durchsetzen, wenn eine Mehrheit oder wenigstens eine große Minderheit sie unterstützt. Dies ist derzeit noch nicht der Fall. Die Nazis haben inzwischen einige intelligente Leute in ihren Reihen. Diese Nutzen Wege aus, ihre Meinung publik zu machen, gegen die der deutsche Rechtsstaat zurecht nichts unternehmen kann. Also kann man ihnen nur mit Protest begegnen. Da die Neonazis die Stadien als Bühne nutzen, muss der Protest auch da stattfinden. Das, was DFB, DFL, UEFA und FIFA veranstalten ist von der Idee her gut, von der Umsetzung her lächerlich. So, wie die Ultras das machen, ist das im Grunde genommen gut. Aber, wie opalo schon mehrmals angeführt hat, zu viel ist eben auch nicht gut. Man muss die breite Masse der unpolitischen und politisch links eingestellten Menschen ansprechen. Dazu muss man durchaus in den Stadien aktiv werden. Aber wenn das zu viel wird, nervt man zunächst die unpolitischen und am Ende sogar die links eingestellten. Von letzteren ist dann zu erwarten, dass sie die Füße stillhalten. Problematisch sind die unpolitischen. Die können durch so ein zu viel an Protest politisiert werden. Und zwar nicht gegen die Neonazis, sondern gegen diejenigen, die in ihren Augen nerven. Also gegen die Ultras. Zum Teil geschieht dies schon. Wie sieht also in meinen Augen der richtige Protest aus? Die Saison ist lang und zählt jeweils 17 Heim- und Auswärtsspiele. Die Ultras sollten sich jeweils vier Spieltage markieren. An den Heimspielen kann ein großer Protest, unter Umständen sogar in Form einer Choreo (sowas aber nur einmal im Jahr) veranstaltet werden, an den Auswärtsspielen könnten im kleineren Rahmen Banner präsentiert werden, evtl. auch in Absprache mit den Heimultras. So bleiben die Aktionen im Kopf und erzielen ohne zu nerven genau die gewünschte Wirkung: Die Leute werden wachgerüttelt gegen Rechts und dabei nicht genervt. So wird eher sogar die Zahl der Unterstützer steigen.