Muss?
Es wird niemand dazu gezwungen, zu verzichten. Diese Leute wollen verzichten, das macht sie wie alle anderen Asketen suspekt. Wenn jemand sagt, er ist nicht gerne Fleisch oder nicht viel davon und er liebt andere Nahrung, dann finde ich das merkwürdig, aber verständlich. Wenn aber jemand sehr gerne Fleisch mag und sich selbst bestraft, indem er keins isst, dann ist mir solch ein autoaggressives Verhalten zutiefst suspekt.
Muss, weil er sonst kein Vegetarier per Definition ist. Und wenn man etwas per Definition sein will,
muss man bestimmte Dinge tun. Ich sag nicht, dass man ins Gefängnis kommt, wenn man sich nicht daran hält...
Du kannst das merkwürdig finden, dass Menschen kein Fleisch mögen. Ich find's auch merkwürdig, dass manche Menschen gerne Flugzeug fliegen oder Achterbahn fahren. Aber wenn jemand aus moralischen Gründen kein Fleisch essen möchte, sollte man diese Person (sollte sie anderen Leuten ihre Überzeugung nicht aufdrängen wollen) doch einfach in Ruhe lassen.
Man hört immer wieder diese Argumente: "Ja, aber Schuhe...", "Ja, aber Tierversuche...". Mein Gott, Vegetarier sind nicht selbst erklärte Retter der Erde. Wenn jemand kein totes Tier essen möchte, dann ist das kein autoaggressives Verhalten, das man suspekt finden muss, sondern dann hat dieser Mensch nun mal eine Entscheidung getroffen, etwas, das er als falsch ansieht, nicht mehr zu tun. Und das ist auch völlig okay. Nur weil es nicht in das Konzept der meisten Leute passt, ist dies noch lange nicht falsch. Wenn ich immer machen würde, was die Mehrheit macht, huiuiui, bei dem Gedanken wird mir ganz anders...
Und auf lebenswichtige Medikamente mit wenn auch geringem Anteil an tierischen Produkten verzichtet ein Vorzeigevegatarier natürlich auch. Nee, is klar.
Es gibt auch Vegetarier, die müssen Fleisch oder Fleischprodukte essen, da kenne ich Fälle, weil es gesundheitlich nun einmal so sein muss. Wohl oder übel müssen diejenigen da dann durch. Es wird sich niemand tothungern, so doof ist wohl kaum einer. Man kann es trotzdem falsch finden, und es trotzdem machen, weil die Alternative nun mal nicht wirklich rosig ist. Unangenehme Dinge muss allerdings jeder von uns mal in seinem Leben tun. Ich bin zum Beispiel absolut nicht von der katholischen Kirche angetan und finde viele Aspekte dieser Organisation moralisch äußerst verwehrflich. Wenn meine Freunde aber kirchlich heiraten, oder meine Oma vorne in der Kirche im Sarg liegt, werde ich auch in das Haus gehen, und nicht rumbrüllen, wie scheiße das alles ist. Und das sind nur soziale Normen, während dein Medikamentenbeispiel nochmal eine Wichtigkeitsstufe höher ist, wenn es um Leben und Tod geht.