Im vergangenen Sommer hat man hier in Bremen einen großen Schnitt gezogen, einen Umbruch vorangetrieben, vorwiegend auf junge, talentierte und entwicklungsfähige Spieler mit Potential gesetzt. Während der Saison kam dann noch der Abgang des Geschäftsführers Allofs' hinzu, der ebenfalls für Unruhe sorgte. Trotz dieses radikalen Schnitts bin ich mit der Hinrunde aber weitesgehend zufrieden. Natürlich spiegelt die Tabelle im Enddefekt aber nicht das wieder, was Werder gezeigt hat. Denn im Enddfekt hat Werder die ganze bisherige Saison über, trotz der komplett neuformierten Mannschaft nach Abgängen von Leistungsträgern und der Systemumstellung und trotz der Tatsache, dass der zweitälteste Spieler gerade einmal 26 Jahre alt ist, gute Leistungen gezeigt. Das Team (und ich schreibe bewusst Team, da Werder für mich wieder ein Team ist, das Leidenschaft und Zusammenhalt verkörpert, was in den vergangenen Jahren zu vermissen war) wirkte von Beginn an unheimlich eingespielt, viele Automatismen griffen sofort, was auch der intensiven Vorbereitung zu verdanken ist. Ein Lob geht an dieser Stelle an unseren Trainer, der es nochmals geschafft hat, Werder eine neue Philosophie einzuimpfen, das Team zu einer Einheit zu formen, etwas aus der Mannschaft herauszuholen, was ich so vorher nicht erwartet hatte. Natürlich gibt es hier und da noch Probleme - bspw. die Effektivität, die Laufwege. Aber man konnte vor der Saison auch nicht erwarten, dass Werder sofort an die starken Leistungen der Vergangenheit anknüpfen kann. Werder durchläuft momentan einen schleichenden Prozess, der auf Dauer zu dem führen kann, was Dortmund momentan ist. Dieser Prozess wird aber noch andauern, auf gute werden schlechte Partien folgen, auf Licht Schatten. Denn genau das war ja bisher auch das große Problem - Werder konnte an Leistungen aus siegreichen Spielen nicht oder nur selten anknüpfen, war zu unkonstant, was aber mit der Unerfahrenheit der Mannschaft zu begründen ist. Zumal man sagen muss, dass die Tabelle täuscht. Werder ist nicht nur wieder ein Team geworden, das in der individuellen Einheit ebenso groß wie in der individuellen Klasse ist, in welchem sich Persönlichkeiten wie Arnautovic entwickelt haben, reifer geworden sind und welches wieder das anbietet, wofür es schon immer stand: den Spaß am Fußball. Nein, Werder ist momentan auch ein Team, das sich einfach nicht belohnt. Werder hat in der Hinrunden sowohl gegen Bayern, als auch gegen Schalke, Dortmund und Hannover, sehr anständige Leistungen gezeigt, taktisch gut agiert, konnte am Ende jedoch keine Punkte einfahren, weil man entweder zu unkonzentriert wurde oder verpfiffen worden ist. Hinzu kommen die verschenkten Punkte gegen Stuttgart, Fürth, Augsburg, jüngst Nürnberg, die man eigentlich ebenso hätte mitnehmen müssen. Hätte man hier über all gepunktet, sähe es auch in der Tabelle anders aus. Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Hat man nicht. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man in der Rückrunde mehr Punkte sammeln, sich öfter belohnen und Ergebnisse halten können wird. Und eben, weil ich einen Prozess, eine Entwicklung bei Werder sehe, ist die Hinrunde für mich mehr als solide verlaufen und rechne ich uns, Werder, gute Chancen auf die Qualifikation zumindest für die Europa-League aus.