Ursprünglich wurde Religion wohl doch dazu benutzt, Dinge zu erklären, die einfach nicht erklärbar waren. In dem Sinne gebe ich maddin Recht. Dass es da in heutiger Zeit immer schwieriger wird, die Leute an die Religion zu binden, die in aufgeklärten Ländern leben, ist nicht wenig verwunderlich (und umso erstaunlicher ist dann die Tatsache, dass das Christentum so groß ist in Ländern wie Spanien, Italien...).
Ich finde das ehrlich gesagt nicht erstaunlich. Gerade die katholische Kirche hat über Jahrhunderte ihre Weltanschauung den damals wenig aufgeklärten Menschen vermittelt, sowohl mit legitimen Mitteln als auch mit Methoden, die heutzutage gegen Menschen- und Völkerrechte verstoßen (Inquisition, Kreuzzüge etc.). Diese fragwürdigen Methoden haben seinerzeit eine Furcht verbreitet, woraus letztenendes eine Gottesfurcht entstanden ist, die wenn auch mit sinkender Tendenz bis in die Gegenwart angehalten hat.
Ein weiterer Aspekt dabei ist die "heilige Allianz" zwischen Kirche und Staat, sprich dem Klerus und den Adelshäusern, die sich ihre Macht und ihren Einfluß in den Bevölkerungen in weiten Teilen Europas über viele Jahrhunderte gegenseitig sicherten, indem die Regentschaft der Herrscher als Gottes Wille "verkauft" wurde. Als exemplarisches Beispiel sei hierfür das
Heilige Römische Reich (ab Ende des 15. Jhd. mit dem Zusatz)
Deutscher Nation genannt, welches vom Mittelalter bis zur Gründung des Deutschen Bundes 1815 existierte.
Der Säkularismus, sprich der Prozess einer Trennung der Verbindung von Kirche und Staat, erfolgte von wenigen Ausnahmen abgesehen in den europäischen Staaten erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Einfluß von Monarchien sank oder sogar komplett zerfiel, wie z.B. in Deutschland mit Gründung der Weimaer Republik 1919. Dadurch ergab sich erst ab diesen Zeitraum für Menschen die grundsätzliche Möglichkeit, sich von den Zwängen der Religion zu lösen, ohne dafür bestraft oder geächtet zu werden. In der "praktischen" Umsetzung sah das natürlich ganz anders aus, denn die Krusten von Jahrhundert alten Traditionen kann man mit einem Federstrich nicht aufbrechen und deshalb ist das Christentum, bzw. der eigene christliche Glaube in den Köpfen vielerorts noch in unterschiedlicher Stärke sehr fest verankert.
Dazu trägt vllt. auch seinen Teil dazu bei, daß die meisten Staaten in Europa den Folgeschritt vom Säkularismus zum Laizismus (die verfassungsrechtliche Trennung von Staat und Kirche) nicht gegangen sind, z.B. sind ihrer jeweiligen Verfassung nach mit Frankreich, Portugal und Tschechien nur 3 von 27 EU-Staaten laizistisch. In den konstitutionellen Monarchien wäre ein Übergang zum Laizismus auch gar nicht möglich weil in deren Verfassungen festgeschrieben ist, daß die Monarchin bzw. der Monarch, also das Staatsoberhaupt, von dem Primaten der jeweiligen Landeskirche (z.B. in Großbritannien vom Erzbischof von Canterbury) gekrönt werden.