Das zeigt deutlich auf das es nicht nur an der Verletztenmisere liegt,sondern auch am Konzept.
Deckt sich absolut mit meiner Einschätzung. Wenn man z.B. einfach sagt, dass Allofs zu viele schwache Spieler eingekauft hat, macht man es sich meiner Meinung nach zu einfach. Werder hat ein strategisches und struktuelles Problem und zwar nicht nur auf dem Platz, sondern im ganzen Verein. Hier fehlt es einfach an einer Idee, einem klaren Konzept, welches man verfolgt. Wo wollen wir hin, mit welcher Art des Fußballs wollen wir das erreichen? Die Philosophie, die der Verein nach außen vertritt ist eigentlich deutlich. "Unser System ist die Raute", haben KATS vor dieser Saison unisono zum besten gegeben. Dazu ist man an der Weser der Meinung mit offensivem Fußball, der sich nicht nach dem Gegner richten muß, den größtmöglichen Erfolg einfahren zu können. So viel zur Idee. Nur, was wird dafür getan, um diese Art des Fußballs auch spielen zu können? Werder hat auch in den letzten Jahren viele gute Fußballer verpflichtet: Marin, Arnautovic, Ekici, Sokratis, Ignjovski, Schmitz, Wesley, Juzunovic (wobei ich bei dem noch nicht so ganz genau weiß, wo ich dran bin). Aber was hatte man mit diesen Spielern vor? Marin ist ein dribbelstarker Außenspieler, für den in einem Rautensystem aber kein Platz ist, ähnliches gilt für Arnautovic, der in seiner besten Zeit bei Twente vor allem mit seinem druckvollen, temporeichen Spiel über die Seiten überzeugte. Ekici hat durchaus strategisches Geschick, aber vor allem dann, wenn er das Spiel vor sich hat (auf der 6 oder 8) und nicht im Rücken (auf der 10). Sokratis besticht durch viel Einsatzwillen und Zweikampfhärte, aber er ist kein Aufbauspieler, wie es zum Beispiel Hummels in Dortmund oder Badstuber bei den Bayern sind. Ignjovski hat durchaus ein gutes Auge für Situationen und Räume, ich habe viele Spiele von ihm in seiner Zeit bei den "Löwen" verfolgt, aber bis jetzt ist nicht wirklich klar, für welche Rolle KATS ihn eigentlich eingeplant hatten, ähnliches gilt für Wesley, der schon wieder weg ist. Bei Schmitz war bekannt, dass er ein guter Fußballer, aber kein guter Verteidiger ist. Was hat man sich bei seiner Verpflichtung gedacht, wenn man nun überrascht ist, dass er genau das zeigt? Juzunovic hat in Österreich auf der 10 gute Leistungen gezeigt und nimmt nun auf der Außenbahn kaum am Spiel teil. Was ich damit sagen will ist folgendes: Es gibt nur zwei Möglichkeiten auf Dauer wieder erfolgreicheren und besseren Fußball anzubieten, als momentan, nämlich entweder man bleibt bei seiner Philosophie mit der Raute und möglichst spektakulärem Fußball, dann muß man aber auch die entsprechenden Leute dafür holen und dann den Weg, auch wenn es mal Rückscläge geben sollte, konsequent verfolgen. Oder: Man sieht ein, dass man für diese Art des Fußballs nicht die richtigen Leute hat und wählt einen anderen Weg, sprich. Man passt die fußballerische Vereinsphilosophie an den vorhandenen Kader an. Hier gilt dann das gleiche wie bei Weg 1: Man muß Rückschläge mit einplanen. Dortmund und Hannover sind beste Beispiele dafür, was auf Strecke mit etwas Geduld möglich ist, wenn man eine klare Idee hat, an der man auch festhält, wenn es mal nicht so läuft, Gladbach ist ebenfalls auf einem guten Weg, Stuttgart auch. Bei Werder fehlt mir ein Konzept. Und zwar nicht eins, an dem man nur aus Sturheit bedingungslos festhält, sondern eins, von dem man so überzeugt ist, dass man ihm alles unterordnet und alles dafür tut. Da fehlt einfach eine klare Struktur, neben dem Platz und dadurch natürlich letztlich auch auf dem Platz. Ich habe schon vor der Saison gesagt, das eine individuell stark besetzte Mannschaft gegen 11 durchschnittliche Systemfußballer immer wieder größte Probleme bekommen wird. Werder Bremen, dass aus den letzten 15 Spielen gerade einmal zwei Siege und 13 Punkte einfahren konnte, hat diese These eindrucksvoll bestätigt. Es gibt mehrere Wege, um in Zukunft wieder an alte Erfolge anknüpfen zu können. Nur sollte man sich an der Weser langsam mal für einen entscheiden und diesen dann auch gehen, und zwar geradeaus und bis zum Ende und nicht im Zickzack oder auf halber Strecke umkehren und doch wieder irgendwo anders abbiegen.