Dann bitte ich doch auch darum. Einfach eine Behauptung wie "man hat zu klein gedacht" hinklatschen erklärt erstmal so viel wie "man hätte richtige statt falscher Entscheidungen treffen müssen" - nämlich gar nichts. Das ist komplett inhaltsloses Geblubber wenn man nicht ansatzweise aufzeigt, wo das denn genau der Fall gewesen sein soll. Das gleiche gilt, wenn man die Landespolitik in die Pflicht nimmt ohne auch nur ansatzweise anzudeuten, wo die Verfehlungen denn da liegen, ...................
Okay, danke, ist immer eine Gratwanderung, denn mein erster Beitrag wäre nicht mehr auf eine Seite gegangen und dann meckern eben viele und viele andere fangen nicht mit dem Lesen an bzw. überfliegen es nur.
Hatte es ehrlich gesagt schon so weit angerissen, das ich dachte, man käme darauf. Also dann versuche ich es mal in kurzen Stichworten zu schreiben:
Werder war 2004 on top, hatte das Double gewonnen, eingespielte Strukturen mit einem Führungsduo KA / TS das sehr gute Arbeit machte. Für die damals schmerzhaften Abgänge Ailton und Krstajic wurde sehr guter Ersatz geholt (Klose / Fahrenhorst, ein Jahr danach Naldo). Schon diese Transfers, etwa die lächerlichen 5 Mio. für Klose, wurden sehr lange blockiert, es wurde damals schon Stimmung gegen KA gemacht, u.a. von einem gewissen WL.
Ein Fingerzeig dafür, das es bei Werder nicht einfach ist, wenn man konsequent für Erfolg sorgen will.
Wenn das Ziel der dauerhafte Aufstieg auf Stufe 2 (eine unter der Kategorie Bayern München) gewesen wäre, hätte außer der sehr guten Mitglieder-Werbe-Kampagne auch gesehen werden müssen, das die wirtschaftliche Marktmacht für so einen dauerhaften Aufstieg komplett fehlte.
Und das es ein Witz ist, wenn man die Mitgliederzahl erfolgreich bis über die 30.000er Marke bringt, aber nur ein kleines Stadion mit kaum mehr Plätzen in einer verkehrstechnisch kaum beherrschbaren Lage hat.
Dieser Witz gilt doch noch heute: Ein Stadion, das allein durch Mitglieder und Dauerkartenbesitzer fast immer ausverkauft ist und bei dem man bei fast jedem Spiel eine fünfstellige potenzielle Zahl von Interessenten hat, die keine Karte kriegen oder sich erst gar nicht mehr darum bemühen, weil sie wissen, es wird schwierig oder eben auf dem Grau- und Schwarzmarkt sehr teuer.
Seit Jahren könnte Werder ohne diesen Kardinalfehler jede Saison etliche Millionen Mehreinnahmen generieren und damit auch für Sponsoren extrem viel interessanter sein.
Konsequenz hätte also sein müssen, ein neues größeres Stadion auf der grünen Wiese in Autobahnnähe mit guter Anbindung an den Flughafen und in die City zu bauen.
Die Marschwiesen südlich der BAB Abfahrt Hemelingen wäre ein idealer Standort gewesen, zumal man dann weiterhin in Sichtweite der Weser gebaut hätte und es das "neue Weserstadion" gewesen wäre. Wer sich mit Bauplanung auskennt, der weiß, das ein kompletter Neubau meistens viel günstiger ist als ein Abbruch mit Umbau.
Vernetzte Planung hätte die Möglichkeit gegeben, Infrastrukturtöpfe des Bundes und der EU anzuzapfen, außerdem wäre Bremen dann viel eher bei der Vergabe für die WM berücksichtigt worden. Wer sich anschaut, wie schnell eine Arroganz Arena errichtet werden konnte (auch wenn ich dieses Stadion nicht mag) der weiß: Es wäre möglich gewesen.
Dafür hätte aber die Bremer Landespolitik mitziehen müssen, etwa bei der Beschaffung von Bauland, der Planungshilfe, dem Bau von S-Bahn und einer Einbindung in den ÖPNV. Und das weiß man: Großprojekte werden in Bremen erst verschlafen, dann kaputt geredet, dann klein gemacht, um hinterher zu klein, zu schlecht und doch teurer gebaut zu werden oder sie werden komplett zerredet und man gibt nur Millionen für "Machbarkeitsstudien" aus und macht gar nix. Selbst die erfolgreichen Projekte werden vorher verschleppt und dadurch gnadenlos verteuert.
Ein größeres Stadion mit entsprechender Infrastruktur und den erwähnten Beihilfen des Bundeslandes, des Bundes, des DFB, und der EU wäre möglich gewesen, man hat es aber nicht gemacht. Dann muss man sich nicht wundern, wenn man mit einem kleinen Verein und einem kleinen Stadion auch nur kleine Sponsoren als Partner findet und aus dem Spielbetrieb nur kleines Geld verdient. Und dann auch seltenst große Spieler holen kann oder Spieler die man selber groß macht nicht halten kann.
Dann geht es eben so wie bei Werder: Um trotz all dieser "Standortnachteile", die in Wahrheit zum großen Teil Strukturnachteile sind, weiterhin ganz oben mitmischen zu können, muss man bekanntlich sehr hohe Gehälter zahlen. Man kann aber nie soviel durch den laufenden Betrieb erwirtschaften, das man 4 Jahre eine CL Mannschaft bei Misserfolg halten oder sogar noch pro Jahr 15-20 Mio. Euro für Verstärkungen locker machen kann. Nein: Man kann das nicht mal 2 Jahre aushalten und kann dann auch nur in bescheidenem Rahmen Verstärkungen holen, die sofort einschlagen müssen.
Also verpufft so ein Erfolg dann auch. Wie es bei uns gerade geschieht.
Schaut Euch Dortmund und Schalke an: Beide mehrere Jahre überaus risikoreich bzw. unseriös geführt, fast insolvenzreif verschuldet und beide Vereine haben trotzdem nach ca.5 Jahren Konsolidierung ein viel größeres Potenzial. Warum ? Sie haben Stadien mit mehr als 60.000 Zuschauerplätzen und demonstrieren damit schon CL-Tauglichkeit. Das Weserstadion, im Moment sogar kleiner als es schon mal war, ist im Vergleich dazu lächerlich.
Wie reagiert ein Weltklassespieler, wenn Du ihm sagst, Du spielst vor vollbesetztem Stadion mit 37.000 Leutchen oder (wie in Dortmund) vor einer "Wand" mit 80.000 Fans ? Und wie reagiert ein Sponsor auf sowas ?
Wie der DFB auf ein verkehrstechnisch desaströs kleines Weserstadion reagiert, hat man ja vor 2006 gesehen. Wie Sponsoren reagieren sieht man ja daran, das Werder auch hier nur zweitklassig ist, bestenfalls. Hier wurden die Voraussetzungen nicht geschaffen, die man braucht, um einen Götze zu halten und einen Reus zu holen (um nur 2 Beispiele zu nennen).
Der BVB hatte mit dem staatlicherseits schon 1974 bezuschussten Westfalenstadion und der großen Region zwar Standortvorteile. Aber bei Werder hat man nie auch nur entfernt ernsthaft versucht, auf die gleiche Stufe zu kommen. Also wird man diese auch nicht erreichen und dann muss man mit etwas Grips im Kopf analysieren, das schon 1-2 schlechte Saisons mit einer CL-Truppe ausreichen, um so einen Abschwung einzuleiten, den wir gerade schmerzhaft beobachten. M.a.W. das so eine Saison nicht das Desaster ist, für das es gehalten wird, sondern das es auch mit einem guten trainer und einem guten Manager einfach normal ist.
Vor diesem Hintergrund ist das Gemecker, das sich nur am Trainer und ein paar missratenen Transfers, die es überall gibt, völlig unverständlich und viel zu kurzsichtig. Tut mir leid, kürzer hab ich es nicht hin gekriegt.