In der HR stimme ich dir zu. Da haben wir diverse Spiele gedreht. In der Rückrunde haben wir noch kein einziges Spiel nach Rückstand gewonnen. Wenn wir einmal hinten liegen, erreichen wir zumeist nicht mal ein Unentschieden Spricht nicht gerade für die Moral der Truppe.
Das meine ich damit. Nach einem Gegentor brechen wir auseinander.
Darum ist die derzeitige instabile Spielweise auch weniger ein systematisches Problem der Spielweise, als mehr das Problem instabiler Psychen. Wäre es ein systematisches Problem, würden wir vermutlich auch nicht phasenweise gutes Spiele "anbieten". Es ist eher so, da wir mit gerade entschlüpften Jungfischen spielen, die sich an den rauhen Ozean Bundesliga noch gewöhnen müssen und sich von den anderen furchteinflössenden Artgenossen allzuleicht einschüchtern lassen, sobald ein Hindernis auftaucht.
Egal in welchem System man spielt, glaubt man bei Widerstand nicht an sich selber, wird es brenzlig.
Otto hat es oft bewiesen, dass das Resultat oft in der Psyche der Spieler zu suchen ist. Schaffen dieselben den mentalen Transfer, selbst von sich Außergewöhnliches zu erwarten, dann kann es klappen. Sogar mit veralteten Spielsystemen ala Otto (siehe Griechenland). Auch bei Hertha muss Otto eher die Angst und die Zweifel bekämpfen muss, als denn neue Systeme einzuführen.
Systematische Spielaufstellungen so oder so haben ihren strategischen Sinn (wäre zum Beispiel sicher unklug, ohne Torwart zu spielen).
Der Wirkungsgrad systematischer Maßnahmen ist aber im Vergleich zu einer Transformation von Spielern, die glauben, sie können es reissen, eher gering. Selbst unsere älteren oder wenigstens erfahreneren Spieler haben ja ihren Weg noch nicht so recht gefunden.
Bei Marin und auch bei Hunt immer noch, sieht man was möglich wäre, aber leider nie konsequent abgerufen wird. Sie sind immer noch Suchende ihres optimalen Spiels als Mischung aus System, Individualität und kämpferischen Elementen.
Da lobe ich mir im Kontrast den Sokratis. Sei es leichte Arroganz, der Spirit von Mailand oder schlicht instinktives Spielen ohne zu Denken ala Boris , er glaubt an sich, egal wie die Spielümstände sind.
Die eigene innere Überzeugung spiegelt oft das Spielgeschehen. Da kannst du Konzeptfussball spielen bis du wund wirst, fehlt es den Spielen an dieser mentalen Reife, wird es nichts.
Systeme sind nur die letzte Optimierungs-Krücke funktionierender Spielerseelen. Oder stabilisierendes Korsett für schwächliche Körperstrukturen.
Ein berühmtes Beispiel kommt wieder aus dem Tennis- wo der mentale Teil noch mehr zählt.
Heinz Günthardt, seinerzeit eines der hoffnungsvollsten Jungtalente udn später Trainer von Steffi Graf, wurde systematisch perfekt geschult. Mixen, slice oder topsin, hohe und flache Bälle, nie ausrechenbar sein: das war seinerzeit die Hymne der neuesten moderen Trainingsmethoden und systemaitschen "wissenschaftlichen" Spielmethoden.
Und das klappte ganz gut. Bis Björn Borg kam und stundenlang meterhohe Topsins ins Halbfeld schaufelte, frecher Weise keine Varianten oder stragegischen Ausrichtungen.
Aber ausgestattet mit Seelenruhe und tiefer Überzeugung von seiner Qualität. Ich denke, der Rest der Geschichte ist bekannt. Günthardt äußerte damals im interview wie sehr im das deutlich machte, das jedes System nur so gut ist, wie der Spieler, der es anwendet. Insofern liegt für mich bei Werder auch die Antwort weniger im systematischen Spielansatz, als an der fehlenden mentalen und Wettkampfshärte.
I mean come on, ein Borowka hielt sich immer für den Größten und hat es mit seiner Technik schließlich auch noch zu einem brasilinaischen Tor geschafft. Die aktuellen Spieler sind in sich einfach nicht gefestigt genug mit wenigen Ausnahmen).