Ganz falsch.
Abgesehen davon bin ich von der Taktikdiskussion hier ein wenig enttäuscht. Es wird immer noch viel zu viel rumgetan mit "wir brauchen einen Zehner" oder mit statischen Betrachtungen zum Rauten-System.
Die beste Antwort darauf hat vor ein paar Seiten schon Maddin gegeben, aber er wurde leider ziemlich ignoriert.
Klar ist, um das noch mal zu wiederholen, das Werder natürlich besser da steht, wenn bessere Individualspieler da wären. So schlecht ist das aber jetzt schon nicht, was bei uns spielt und das müßte man doch sehen können.
So wie Schaaf spielen lässt, wären wir jetzt wieder da, wo wir in der letzten Saison waren, wenn die Spieler nicht gut wären. Weil das, was Schaaf spielen lässt, relativ kompliziert ist.
Und damit wäre ich mittendrin in meiner Kritik. Den Spielern werfe ich nur vor, das sie aus den guten Möglichkeiten in Berlin nix gemacht haben. Dem Trainer werfe ich diesmal viel mehr vor und sehe jetzt leider auch einiges von der Kritik bestätigt, die ich vor ein paar Wochen noch von Mick gelesen und bestritten habe.
Von einigen Dingen war ich schockiert:
Es werden die Standards immer noch verschenkt. Absolut ungefährliche Ecken und Freistöße. Schaaf lässt sie nicht üben. Vielleicht sollten die Spieler hier mal Eigeninitiative ergreifen. In meinen Augen ein Kardinalfehler, denn über dieses Mittel kann man am einfachsten Tore und Punkte holen. Deshalb heisst es ja auch standard. Weil das jeder können muss, der mit dem Sport Geld verdienen will.
Zweitens: Die vielen Konzentrationsmängel im Spiel. Mir völlig unerklärlich, wieso es Spieler schaffen, im dichtesten Gewusel den Ball zu behaupten und kontrolliert in den eigenen Reihen zu halten (fussballerisch sind sie also gut bis sehr gut ausgebildet) aber das am Samstag viele Spieler den Ball unbedrängt kaum über 3-5- mtr. an den eigenen Mann brachten. Hier kann man nur wil spekulieren, woran das liegt. Ein Ansatz wäre das komplizierte Spielsystem von TS, das den Spielern sehr viel Aufmerksamkeit abverlangt. Jeder Spieler hat aber nur einen gewissen "Vorrat" an Aufmerksamkeit. Wird der aufgebraucht, kommt es dann eben zu den leichten Fehlern. An fehlender KOndition liegt es jedenfalls nicht.
Drittens: Die als Grundformation (im Spiel variiert das öfter) gewählte Raute hat den großen Vorteil, das man damit schnell das Mittelfeld überbrücken und ein schnelles "vertikales" Offensivspiel aufziehen kann.
Genau das tut Werder aber nicht. Man spielt kaum (viel zu wenig) vertikal in die Spitze. Damit ist der größte Sinn und Zweck dieses Spielsystems verschenkt und es fragt sich, warum man es dann spielt. Tatsächlich sieht man im Spiel soviele komplizierte Variationen, das man sich fragt "wofür der Aufwand" und man eine sehr wahrscheinliche Begründung für die vielen Unkonzentriertheiten der Spieler sieht.
Viertens: Der Gegner. Wer bei unserer Spielweise mal sieht, wie schlecht wir zB. gegen Nürnberg damit aussahen obwohl wir absolut dominant waren und dann mal Nürnberg gegen Gladbach beobachtet kommt sehr wahrscheinlich zu dem Eindruck, das gegen uns alle besser spielen. Das stimmt so natürlich nicht. Nur ist es für gute gegnerische Trainer offenbar viel leichter, ihre Mannschaften gegen uns einzustellen mit dem Resultat, das unser Spiel noch komplizierter und das gegnerische Spiel einfacher, simpler aber gefährlicher wirkt (wenn es dem Gegner gelingt, vor unser Tor zu kommen).
Fünftens: Was mich gegen Hertha noch schockierte war die Tatsache, das unser Spiel so absolut einfallslos war: Immer der gleiche Ball raus ins linke Halbfeld und dort das Gewusel, was uns im besten Fall in die Zone schräg außerhalb des gegnerischen Strafraumecks auf der linken Seite bringen sollte. Es fehlte jedes Überraschungsmoment und es sah so aus, als würde die Mannschaft nur einen Spielzug kennen und diesen krampfhaft über 90 min. wiederholen nach dem Motto: "Irgendwann muss es doch mal klappen".
Diese ganzen Fehler und Widrigkeiten muss der Trainer doch sehen und er muss doch gegensteuern. Die vorhandenen Spieler sind gut genug, wir brauchen keinen Messi, Iniesta oder Schweinsteiger, um besser zu spielen. Nur muss vom Trainer die richtige Ansage kommen und an der fehlt es offensichtlich.
Der Trainer scheint zu unbeweglich und zu dickköpfig, Fehler abstellen zu lassen und die Dinge zu ändern, die besseren Ergebnissen im Weg stehen. Gegen Nürnberg und Hertha hätte es ja auch so klappen können. Nur eben gegen die besseren Gegner in der Liga klappt es so nicht bzw. man verschenkt zu viel vom eigenen Potenzial.