Ich habe fast permanent die latent immer vorhandenen Worte bzw. Warnungen, wenn es um die Personalie TS ging, in den Ohren, die mit mahnendem und erhobenem Zeigefinger an die Nach-Otto-Zeit erinnerten, in der ja alles so grausam war. In der der Fußball quasi nicht zu ertragen war. Preiset dem Herrn, daß diese Zeiten vorbei sind...
Nunja, wenn man allerdings den oftmals künstlich am Leben gehaltenen TS-Hype zur Seite schiebt und fernab der Frage, wer bei uns an der Seitelinie steht, nüchtern auf das blickt, was derzeit geboten wird (oder vielmehr nicht), dann liegt der größte Unterschied für mich aktuell lediglich darin, daß wir seinerzeit Puma statt Nike trugen.
Das Match Samstag war seit meiner knapp 30-jährigen "Spielverfolgung" eines der ersten, bei dem ich regelmäßig aufstand, diverse Kleinigkeiten erledigte und dabei nie den Hauch einer Angst verspührte, evtl. etwas sehenswertes verpassen zu können. Selbst übelste Auswärtsspiele in der Osteurop. Pampa in den 80/90ern fesselten mich dann doch noch längerfristiger vor dem TV, als das uninspirierte, hilf- und planlose Stückwerk, was sich bei uns "System" nennt.
Ich kann mich kaum daran erinnern, daß wir spielerisch jemals so lethargisch, absehbar, berechenbar und ideenlos unser Spiel aufzogen, wie derzeit. Das die Abstimmung nicht nur zwischen Mannschaftsteilen, sondern auch zwischen den Spielern, so mies und fehlerhaft ist.
Es sind auch für mich nicht mal mehr die Umrisse eines Konzeptes zu erkennen, bestenfalls aus reiner Theorie zu erahnen. Und das zuletzt gegen Gegner wie Freiburg oder nun gegen alles andere als angsteinflößende Hoffenheimer.
Unser MF ist ein einziges überfordertes Konstrukt, was auf mich den Eindruck macht, als hätte man es 5 Min. vor Spielbeginn "gecastet" und man hätte sich erst in der Kabine das erste MAl gesehen. Keinerlei Abstimmungen, keinerlei Abstimmung auf den Mitspieler, geschweige denn eine Art Eingespieltheit. Jeder läuft vogelfrei grade dort hin, wo er meint dem ball am nächsten sein zu können. Löcher zwischen den Mannschaftsteilen, die oftmals fast die größe des halben Platzes einnahmen.
Kurz: der spielerische und fußballerische Tiefpunkt ist für mich derzeit absolut erreicht. Viel weniger Ideen, Spielwitz und Esprit geht nicht.
Und der Regisseur dieser Darbietung steht gewohnt stoisch an der Seitenllinie und glänzt nach Schlusspfiff mit Phrasen und Augenwischerei. "...sind noch nicht ganz da, wo wir hin wollen...". Ahhja.
Tja, bleibt zunächst die Frage, WO wir überhaupt hinwollen, bzw KATS?!
Wenn es die Bedeutungslosigkeit der BL-Grauzone, gepaart mit fußballerischer Magerkost sein soll, dann sind wir zumindest "auf einem guten Weg". Hauptsache der Altersdurchschnitt stimmt...
Womit ich bei einem entscheidenden Punkt unserer fragwürdigen Entwicklung bin. Es wir oft und gerne der Eindruck erweckt, daß wir zu diesem radikalen Umbruch und dieser Verjüngungskur quasi gezwungen wurden, bzw. waren, was für mich der größte Irrwitz überhaupt ist. Weder sind wir derart unattraktiv oder verschuldet, daß alle anderen Möglichkeiten der Kaderzusammenstellung von vornherein unmöglich waren, noch war es uns seitens der fifa bspw meines Wissens nicht untersagt worden, auch gestandenere Spieler zu verpflichten, die die Probezeit ihrer Fahrerlaubnis schon überstanden haben!
Daher ist die gebetsmühlenartige Ausrede, man müsse bei dieser jungen mannschaft doch bitteschön Nachsicht walten lassen, nichts weiter als ein Totschlagargument, mit welchem man letztlich versucht, die fehlerhafte Transferpolitik der letzten Jahre zu kaschieren, bzw zu (v)erklären.
wurden wir gezwungen, eine Art U20 zusammenzustelen?? Nein, nicht wirklich, das war und ist hausgemacht.
Dieser radikale Schnitt geschah aus eigenen, freien Stücken, da man fast blind und einseitig nur noch nach dem Beuteschema loszog "jung und hoffnungsvoll" verpflichten zu wollen. (die Ausnahme AW war die sprichwörtliche Ausnahme, die die regel bestätigt und letztlich aus der Not geboren)
Dazu eine fast schon Trotzreaktion seitens TS, dem nicht selten vorgeworfen wurde, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu wenig zu integrieren. Untypisch für ihn, macht er dies nun in derart hochdosierter Form, als wolle er zeigen, "so da hab ihr sie."
Unser Mannschaftsgefüge ist mittlerweile keines mehr, Hierachien sind fast kpl. weggebrochen und unser Captain ist derzeit jemand, der sportlich wohl selten so ersetzbar war, wie momentan. Kurzum, die Mischung in dieser Truppe ist, vorsichtig formuliert, mehr las zweifelhaft.
Dabei sollte grade TS doch wissen, wie man eine sportlich erfolgreiche Mannschaft bildet und formt, hat er es doch 2003 eindrucksvoll bewiesen.
Erfahrene Haudegen, wie Davala, Reinke, Micoud, garniert mit junger unbekümmertheit a la Ernst, Boro, Klasnic, etc. Eine Mixtur, die im Grunde nich wirklich neu erfunden werden muß und die Grundlage bei fast jedem erfolgreichen Club darstellt. Von dieser gesunden Mischung hält man nur leider scheinbar nicht mehr viel und wenn ich heute beiläufig davon lese, daß man an einem weiteren Jungspund aus Saarbrücken interessiert ist (natürlich mit wahnsinnigem potenzial, wie bei eigentlich allen, an die man sich heute oft kaum noch erinnert), dann bekommt das fast schon eine humoristisch-sarkastische Note!
Und auch das Argument, das man aufgrund finanz. Durststrecken, durch fehlende CL-Einnahmen, fast gezwungen ist, auf eben jenen Typus zurückzugreifen, ist im Grunde zu billig und fadenscheinig, denn grade vor 2003 waren wir noch weniger in der finanz. Lage, gestandene, TEURE Spieler zu verpflichten. Wir schafften es nur in beeindruckender Form, den Fokus auch auf Charaktere zu lenken, die den 30. schon planten oder bereits hinter sich hatten und andernortes unzufrieden waren, ohne die zwanghafte Frage nach dem imaginären und letztlich sehr wagem "Wiederverkaufswert" zu stellen.
Erfahrung ist oftmals ohnehin nicht zu bezahlen und wiegt häufig jeglichen Wiederverkaufswert auf. Spontan schiest mir dabei aus jüngster Vergangenheit nur der Name Hypiä in den Kopf.
Fairerweise muß man in diese Diskussion natürlich nicht minder KA mit ins Boot nehmen, der im Austausch mit TS wohl zu gleichen Teilen die Verantwortung tragen dürfte.
Ich will jetzt gar nicht auf jeden Fehlgriff der letzten Zeit explizit eingehen, der uns auch nicht selten ein beträchtliches Sümmchen kostete, ich denke nur, daß die insgesamte Quote, der Spieler, die uns tatsächlich halfen, weiterbrachten und die vorhandene Qualität evtl. erhöhten, aber zumindest HIELTEN, äußerst gering ist, wohin gegen die Quote derjenigen, die in ihrer Entwicklung stagnierten, ihre Vorschußlorbeeren nie rechtfertigen konnten und ihr Talent auch aktuell noch im Verborgenen schlummert, den größten Part einnimmt!
Neben der einseitigen Einkaufpolitik nassfroscher Spieler, ist die Zahl der Fehleinschätzungen mancher Spieler und ihrer Qualität für mich der zweite, große Kritikpunkt. Transfers, für die man uns ligaweit beneidete, gehören schon seit längerem der Vergangenheit an. Südam. Spieler wie Wes, CA oder Moreno floppten bei uns allesamt recht schnell und deutlich. Spieler wie Marin und Ekici bspw holten wir zu Preisen, die alles andere als Schnäppchen waren und aufgrund mangelnder und nachhaltiger Beweise ihrer Klasse, hielten sich potenzielle Mitbewerber auch aufgrund der Ablöse in Grenzen. Spielern wie Iggy bspw, die selbst in der zweiten Liga nicht derart auffielen, daß sie unbedingt eine Klasse höher rutschen müssten, bürdet man eine Aufgabe im DM auf, die mMn im modernen Fußball zu wichtig ist, als das man sie einem Spieler, der, mit Verlaub, in meinen Augen nicht wirklich viel mehr als ein Zweitligagrätscher ist, besetzt und ich habe Zweifel, ob er je zu mehr fähig sein wird.
Was unsere vorderste Front betrifft, sind die in der letzten zeit getätigten Verpflichtungen von Stürmern in der regel mehr oder minder gescheitert, so daß die Wahl, wer den Part neben Pizza einnimmt, eine Wahl auf verdammt dünnem Niveau ist, da keiner der Bewerber es schafft, sich auch nur im Ansatz dauerhaft als qualitativ akzeptable 2. Spitze zu etablieren.
Wie dem auch sei, ich weiß, daß in Kürze die üblichen Verdächtigen mir pflichtbewusst ihre grün-weiße Durchhaltepropaganda um die Ohren hauen werden und mich vermutlich der Nestbeschmutzung bezichtigen werden. Wegen mir, gerne. Last es raus.
Mir geht es lediglich darum, daß ich die fast schon selbstverständliche Vertragsverlängerung KATS mitsamt der mitklingenden Hymnen auf verblasste Erfolge nicht erst seit heute sehr kritisch sehe. Gründe dafür sind manigfaltig und zum Teil habe ich zumindest versucht, sie darzulegen. Ich verliere ganz einfach mehr und mehr die zum Teil nur noch erzwungene Hoffnung darauf, daß die beiden dem Großen Ganzen hier noch derartige Impulse geben werden können, daß am Ende mehr rauskommen wird, als das was aktuell sichtbar ist. Auch wenn es womöglich noch die ein oder andere Entwicklung geben könnte, glaube ich ganz einfach nicht mehr daran, da zum einen TS mir nicht den Eindruck vermittelt, als würde er in naher zukunft die Dinge in den Griff bekommen, die Fehler abstellen, die er in der letzten Zeit schon nicht abzustellen wusste und zum anderen scheint mir bei KA der Sinn, das Gespühr, für Transfers der besonderen Art abhanden gekommen zu sein. Warum auch immer. Viele der Verpflichtungen der letzten Jahre waren jedenfalls nichts mehr, was nicht auch andere Manager hätten bewerkstelligen können.
Ich habe sicher noch eine Resthoffnung, daß das tatsächlich nur eine mehr oder minder "kurze" Durststrecke werden könnte, allerdings überwiegt bei mir immer mehr der Eindruck, daß das "Schiff" Werder Bremen eine neue Crew benötigt, die frischen, neuen Wind mit sich bringt, um bei der Metapher zu bleiben.