Allgemeiner Politik Thread


:lol:
Heute ist mein Zigarren- und Rotweintag, da verfalle ich manchmal der Förmlichkeit.
:beer:

bin gespannt ob eine Piratenpartei, ähnlich wie es bei den Grünen war, sich selbst im Keim erstickt wenn es um das "reale parteipolitische Tagesgeschäft", Landes- und Bundespolitik gehen wird .. für mich war es fast unerträglich mitansehen zu müssen wie Fischer & Co. diese Partei zur Kriegspartei machten.. ich wünsche den Piraten einen für das Allgemeinwohl des Landes föderlichen Sinn und mehr Rückgrat als es die Grünen hatten. Seit damals bin ich "politikverdrossen" und gebe keinen Cent mehr auf das Geschwätz von Berufspolitikern und solchen die es werden wollen, jeglicher Parteiencoleur. Vermutlich würden eher die Amis hier einmarschieren um der Bundeswehr dabei zu helfen, dass sich an "unserer real existierenden Parteien- und Berufspolitker-Diktatur" nichts ändern kann.. so fatalistisch bewerte ich das (leider).

Kann ich verstehen, sehe ich ganz ähnlich. Das Risiko so zu enden wie die Grünen besteht natürlich. Auch die enormen Zuwachsraten bergen eine Gefahr. Lauter Spinner und Sektierer wittern nun ihre Chance.
Aber das genau ist ja die Herausforderung: komm her, bring dich ein. Begründbare Meinungen werden akzeptiert und es muß nicht ein Landes- oder Bundesvorstand wie Fischer bei den Grünen akzeptiert werden, wenn man als Wähler/Parteimitglied so ungefähr die politische Richtung unterstützen will. Zu allen Themen wird die Meinung der Parteibasis eingeholt. Nicht auf Sitzungen, sondern online. Da kann ich nachts nach der Arbeit meine Meinung abgeben und das Abstimmungsverhältnis sehen. Verglichen mit dem jämmerlichen Versuch der FDP das auf Bundesebene zu kopieren funktioniert das (bisher) ganz gut.

Bis zur Bundestagswahl 2013 hat die Partei allerdings noch viel Arbeit vor sich, auch einen Lernprozess.
 
Sind denn Wähler egoistischer bzw. selbstgerechter veranlagt als welche, die sich wählen lassen? Warum, sofern es sich um "echte Sachzwänge" und nicht um das "Alternativlos-Geschwätz" handelt sollte man nicht mit den Bürgern bzw. den Wählern darüber reden können?

Du schreibst, dass "man" dem Allgemeinwohl verpflichtet sei.. wenn ich eins ganz sicher gelernt habe bzgl. "unserer Parteienlandschaft" dann das auch die Partei FDP und ihre Mitglieder sich erstmal selbst sehr nahe stehen und denen, welche in die Parteikasse spenden.. was Du schreibst Felis klingt aus Deinem Munde gelinde gesagt wie Kindergarten-Geschwätz.

Anhand Deines Posts stellt sich prima dar, wie "anleitende Polit-Kommunikation" funktioniert.. ok, das machen viele so.. schwätzen über Missstände und fast ein jeder der ausgesprochenen Sätze wird der Bürger für richtig bzw. gut befinden.. nur leider hat das mit der gelebten Realität soviel zu tun wie Erdbeertorte mit hungrigen Mondkälbern... es ist die Propaganda die auf den eigenen Vorteil und den der Partei bedacht ist.. nichts weiter :zzz:


Du unterstellst mir etwas, was nachweisbar falsch ist. Daher mag ich dieses Beispiel mit den Ampeln so gerne. Da habe ich nämlich gegen meine eigenen Interessen gestimmt. Für mich persönlich hat sich meine Wohnsituation durch die Reduzierung der Höchsgeschwindigkeit auf dieser Einfallstraße von Tempo 70 auf Tempo 50 und die Installation der Ampelanlagen und die damit verbundene Verringerung der Verkehre eindeutig verbessert, denn ich wohne Luftlinie gerade mal 50 - 100 Meter von der fraglichen Straße entfernt.
Allerdings habe ich mich eben bei dieser Entscheidung, wie bei allen anderen Entscheidungen, die ich während meiner Tätigkeit als Kommunalpolitiker getroffen haben, immer von den Sachargumenten leiten lassen und diese abgewogen.

Du irrst dich glaube ich gewaltig, wenn du alle "Politiker" per se als egositische Karrieristen Brandmarkst!
 
Ich meine Leute mit Job und Familie, Freunden und bestimmten Interessen. Unser politisches System schliesst die Bürger aus der Politik aus; das ist "gute" Tradition des Mißtrauens der Politik et.al. gegenüber dem Bürger - der in diesem Zusammenhang übrigends gerne mit "Pöbel" gleichgesetzt wird.

Wo wird denn irgendjemand ausgeschlossen? Mal davon ab, dass jeder in eine Partei eintreten oder gründen kann, gibt es genügend Möglichkeiten sich auch ausserhalb des Parteiensystems zu engagieren.

Wie gesagt ich weiss in gewisser Weise worauf du hinaus willst. Nur habe ich ja in den vier Jahren, in denen ich Mitglied eines Kommunalparlaments war, erlebt wie "aktiv" die Bürger an sich an den Sitzungen beteiligt haben. Es gab einige Sitzungen, da war dann mal ein bisschen mehr los, weils Thema interessanter war, bei den meisten Sitzungen war recht wenig los. Dabei können sich, wie gesagt in diesen Sitzungen, alle Leute zu Wort melden und selbst Anträge einbringen. Dafür gibt es nicht mal ne Hürde. Jeder Einzelne kann da hingehen und einen Antrag stellen.

Wenn diese Möglichkeit, schon auf der kommunalen Ebene, also bei Dingen, die ich direkt und sofort zu spüren bekomme als Anwohner, schon nicht genutzt wird, dann frag ich mich, was man denn noch alles gemacht werden soll. Mehr als das geht schon kaum noch. Du könntest natürlich den Beirat abschaffen und eine direkte Volksversammlung einberufen. Das ist dann das einzige was an Mehr noch ginge.

Nur zeigen Sie mir mal bitte wer sich in CDU/CSU/FDP/SPD auf einen offenen Dialog mit den Bürgern einlässt.

Ich habe mich immer auf den Dialog eingelassen und mich nicht weggeduckt, auch wenn der "Dialog" mehr ein beschimpfender Monolog des Diskussionspartners war. Ist halt das ärgerliche am Parteiensystem: Man wird irgendwie in Sippenhaft genommen.

Tja, die viel beschworene Schwarmintelligenz ist auch nicht so weise. :rolleyes: Am Ende liegt es an den Bürgern selbst, Verantwortung für ihr Gemeinwohl zu übernehmen. Am Flughafen Schönefeld sieht man das auch ganz gut: Da wurden Grundstücke in der Nähe des Flughafens gekauft und über dessen Ausbau (--> mehr Fluglärm) beschweren sich nun die Anwohner. Letztlich bleibt es wohl ein frommer Wunsch, die Gesellschaft möge aus verantwortungsvollen Individuen bestehen. Doch die bisherigen Verhältnisse zwischen Regierenden und Regierten sind nicht aufrecht zu halten. Die Frage ist, wenn sich Dinge/Verhältnisse/Wünsche etc. schon verändern - und das tun sie unentwegt - wie moderieren wir eine Verbesserung? Ich bin da ganz Utilitarist. Damit stehe ich gegenüber dem klassischen dt. Michel/Bürgertum allerdings recht alleine da. :(

Da sind wir ja offensichtlich gar nicht so weit voneinander entfernt.

Als Bürger kann ich eine Partei wählen die mir eine Liste von mir unbekannten Leuten vorsetzt, die sie dann für mich ins Parlament schickt. [schau mal bei Abgeornetenwatch vorbei, wer da überhaupt Fragen zu sich beantwortet...]
CDU/CSU/FDP waren für mich persönlich nie wählbare Optionen. (Nich vajessen: ick bin Berliner) Die SPD wollte ich nachdem Schröder die Partei überrumpelt (...) hatte nicht mehr wählen. Blieben mir die Grünen. Die jedoch stellten Herrn Ströbele, der für Bürger- und Menschenrechte (...) eintritt, Sicherheitspolitische Reputation erlangt hatte und gegen die Kriegsrethorik der Parteikollegen Fischer &Co. Opposition ergriff, auf Listenplatz 666 - jedenfalls so weit hinten - auf, dass er erst bei absoluter Mehrheit der Grünen ins Parlament gekommen wäre. Ich habe also

- eine Parteistimme für die Liste
- einen Direktkandidaten - in meinem Falle nicht Herr Ströbele sondern eine Quotentürkin.

Einfluss auf die Auswahl der Personen auf der Liste kann ich nur nehmen, wenn ich regelmäßig an den Sitzungen der Partei teilnehme, meine Interessen klar benennen kann und weiß, wer sonst noch in der Partei auf diese Liste will/kommt und was der/die dann vorhat. Soviel Zeit habe ich mit Familie, Job usw. nicht. Dieser Umstand wird seit Ewigkeiten als Demokratiedefizit behandelt. Leute wie Dahrendorf versuchen das zu rechtfertigen, indem sie behaupten, die Leute, die sich nicht darüber informieren und keine Meinung kundtun haben auch keine und wollen nur regiert werden. Angesichts des vollgestopften Alltags ist dies aber eine unhaltbare Behauptung. Angesichts der techn. Möglichkeiten auch änderbar. Liquid Feedback bspw. oder auch Abgeordnetenwatch.de könnten hier einiges bewirken.
Parteiinterne Zirkel, Abhängikeiten und "Kreise" sind allerdings dagegen. Ein weiterer Ausdruck des Verhältnisses zwischen Regierten und Regierenden.
Die Bürger dürfen Klatschvolk und Kulisse sein, kaum mehr.
Wobei ihr Kommunalpolitisches Ampel-Beispiel leider auch ein gutes Argument eben für die Beibehaltung dieses Verhältnisses darstellt. --- Eines, das es zu ändern gilt.

Es gibt unglaublich viel zu verbessern und zu modernisieren an unserem Parteiensystem. Aber ich frage mich immer wie ich das mit der Listenaufstellung besser hinbekommen soll. Soll man dann teure Vorwahlen für jeden einzelnen Listenplatz stattfinden lassen? Das ist kaum praktikabel. Man Ende läuft es halt auf das Abschaffen der Parteiendemokratie hinaus. Kann man befürworten. Allerdings sollte man dann nicht vergessen, dass es gerade vielleicht nich so gut begüterten Bürgern schwerer fallen würde, ihre Anliegen politisch einzubringen bzw. in Parlamente egal welcher Ebene einzuzihen. Sie sind eben auf die "Organisationsmacht" ihrer Partei angewiesen.
 
Du irrst dich glaube ich gewaltig, wenn du alle "Politiker" per se als egositische Karrieristen Brandmarkst!

Die Berufspolitiker, welche ich persönlich kenne und welche, die man in den Medien lesen und hören kann fallen leider in diese Kategorie.

Vlt. treffe ich ja mal einen von der FDP, der nicht ständig verteidigen muss warum es so gut war dem Hotelgewerbe auf Kosten des Staates Geld einzusparen...
.. ich weiss.. ein lächerliches Bsp. wenn man sich die Gesamtsituation der etablierten Parteien bzgl. Spenden, Lobbyismus den "Hang zur Transparenz" der agierenden Akteure ansieht... wo wir wieder bei dem unsäglich dummen, unfähigen und von einem Hr. Maschmeyer (einem ausgewiesenen Gauner bzw. Betrüger, der seit Jahren mit der Hilfe einer top bezahlten Anwaltflotte mehr od. weniger erfogreich seine geprellten Kunden mundtot zu machen sucht) gesponserten (bestechlichen) Hr. Wullf wären.

mE sieht es in der EU noch schlimmer aus als in Deutschland.. und dort wurde "OLAF" installiert.. leider nicht unabhängig und geschützt genug, fast wertlos.
 
Vlt. treffe ich ja mal einen von der FDP, der nicht ständig verteidigen muss warum es so gut war dem Hotelgewerbe auf Kosten des Staates Geld einzusparen...

Wieso auf "Kosten des Staates"? Ist es nich eher umgekehrt, dass der Staat sich auf Kosten der Bürger und Unternehmen bereichert!?
Habe da eben, das habe ich glaube ich auch schon des öfteren gesagt, ein anderes Staatsverständis. Verdientes Geld, gehört zunächst einmal demjenigen, der es verdient hat und nicht dem Staat!
 
Wieso auf "Kosten des Staates"? Ist es nich eher umgekehrt, dass der Staat sich auf Kosten der Bürger und Unternehmen bereichert!?
Habe da eben, das habe ich glaube ich auch schon des öfteren gesagt, ein anderes Staatsverständis. Verdientes Geld, gehört zunächst einmal demjenigen, der es verdient hat und nicht dem Staat!

Ach so.. deshalb hat Herr Schöder mit seinem Buddy Maschmeyer die Riester Rente vorangetrieben.. ein treffendes Bsp.. Hat jemand gestern den Riester Bericht in der ARD gesehen? Dagegen ist der bisherige Fall Wulff ein Kindergeburtstag. Systematisch wurde hier mit Hilfe der Versicherungswirtschaft und damals vor allem Ex-Kanzler Schöder und Herrn Riester, Olaf Scholz.. etc. ein Vermögensumverteilungs Mechanismus in Gang gesetzt, der einzig und allein der Versicherungswirtschaft dazu dient für sich selbst auf den Kapitalmärkten gute Gewinne rauszuholen.. und noch immer bekommen Bank- bzw. Versicherungskunden diesen "Dreck" verkauft.. da sollte mal eine öffentliche Debatte geführt werden.. und da schliesst sich der Kreis.. wer bei Bescheissern wie Herrn Maschmeyer Urlaub macht, der in höchstem Masse von der Politik Schöders & Co. profitiert hat.. sollte einfach abtreten und "sein Maul halten". Ich finde, dass es hier in diesem Lande eine Politikerhaftung geben sollte.. wie schon ab und zu aufgeführt hier im Fred.. aber es wird nicht mal daran gedacht soetwas ernsthaft zu etablieren.. so haben die Poliker Narrenfreiheit und nutzen diese auf Kosten der Bürger brutal aus... und ganz ohne schlechtes Gewissen... vom Staat gesponserte Versicherungspolicen kreiert.. wertlos für die Käufer, mit dem Erfolg für die private Versicherungswirtschaft Milliarden Gewinne einzufahren.
 
Wo wird denn irgendjemand ausgeschlossen? Mal davon ab, dass jeder in eine Partei eintreten oder gründen kann, gibt es genügend Möglichkeiten sich auch ausserhalb des Parteiensystems zu engagieren.

Der Ausschluß findet da statt, wo ich so viel Zeit in polit. Meinungsvertretung investieren muß, dass ich anderes dafür aufgeben muß. Die Wenigsten "opfern" ihre Freizeit um dicke Bretter zu bohren. Entweder ganz dabei oder nur alle paar Jahre ein Kreuz machen um die ungefähre Richtung mitzubestimmen - das sind die Wahlmöglichkeiten. Doch dieser Entscheidungszwang ist eigentlich nicht (mehr) notwendig.

Wie gesagt ich weiss in gewisser Weise worauf du hinaus willst. Nur habe ich ja in den vier Jahren, in denen ich Mitglied eines Kommunalparlaments war, erlebt wie "aktiv" die Bürger an sich an den Sitzungen beteiligt haben.* Es gab einige Sitzungen, da war dann mal ein bisschen mehr los, weils Thema interessanter war, bei den meisten Sitzungen war recht wenig los. Dabei können sich, wie gesagt in diesen Sitzungen, alle Leute zu Wort melden und selbst Anträge einbringen. Dafür gibt es nicht mal ne Hürde. Jeder Einzelne kann da hingehen und einen Antrag stellen.

Die Beobachtung* ist wohl leider richtig. Nur ist sie eben auch Konsequenz des politischen Prozesses insgesamt. Es herrscht nicht nur das tradierte Verhältnis "die-da-oben-vs.-die-da-unten" - was im Angelsächsischen Raum immer wieder verwundert zur Kenntnis genommen wird - sondern eben auch eine Politikverdrossenheit vor. Nicht zu verwechseln mit einer generellen Ablehnung langwieriger demokratischer Prozesse, sondern Ausdruck der begrenzten Mitsprachemöglichkeiten.

Kommunales Beispiel: Die DB-AG fragte die Berliner, wie denn wohl der große neue Bahnhof am Kanzleramt heissen solle. Er hieß "Lehrter Stadtbahnhof". Die Beteiligung war überrachend groß und die absolute Mehrheit stimmte für die Beibehaltung des Namens. Er wurde dann, wie von der DB-AG favorisiert, in "Hauptbahnhof" umbenannt. Nach Protesten in der lokalen Presse ließ man sich dazu herab "erstmal" die alte Bezeichnung klein drunter zu schreiben. Mittlerweile ist auf den Schildern nur noch "Hauptbahnhof" zu lesen. Wenn selbst bei so nichtigen Fragen die Meinung der absoluten Mehrheit übergangen wird, vergeht einem die Lust, sich zu engagieren oder zu äußern.


Wenn diese Möglichkeit, schon auf der kommunalen Ebene, also bei Dingen, die ich direkt und sofort zu spüren bekomme als Anwohner, schon nicht genutzt wird, dann frag ich mich, was man denn noch alles gemacht werden soll. Mehr als das geht schon kaum noch. Du könntest natürlich den Beirat abschaffen und eine direkte Volksversammlung einberufen. Das ist dann das einzige was an Mehr noch ginge.

Da bin ich wie du auch etwas ratlos. Aber ich glaube, dass diese Mitsprache erst eingeübt werden muß. Sie gehört bislang nicht zur Tradition der politischen Auseinandersetzung in BRD. In BBC-Sendungen bspw. stellen sich Politiker häufig den Fragen der Studiogäste, die als Durchschnittsbürger durchaus in der Lage sind ihre Meinung zu artikulieren. Das ist auf der Insel einfach demokratische Tradition. Es geht also nicht darum, immer mehr direkte Demokratie einzuführen, sondern ein gewisses Maß davon einzuüben. Das dauert leider. Aber auch der dt. Michel wird lernen, die Verantwortung für sich und sein Umfeld selbst übernehmen zu müssen. Das wird ihm seitens der Politik ja auch seit ~20 Jahren zunehmend abverlangt. Nur, wie so oft, liegen "fordern und fördern" hier in krassem Mißverhältnis. Aber es wird, es wird.

Ich habe mich immer auf den Dialog eingelassen und mich nicht weggeduckt, auch wenn der "Dialog" mehr ein beschimpfender Monolog des Diskussionspartners war. Ist halt das ärgerliche am Parteiensystem: Man wird irgendwie in Sippenhaft genommen.

Ich hoffe mal, das gilt nicht mir!
Dass du als FDPler gerade nix zu lachen hast ist sicher nicht schön. Dass sich die FDP seit Guido W. und auch J. Möllemann, aber auch schon durch den Scheckbuch-Außenminister Genscher von ihren ordoliberalen Traditionen entfernt hat und zu einer - vor allem auf Bundesebene - reinen Lobbypartei (mit Leutheusser-Schnarrenberger und einigen anderen als rühmliche Ausnahmen) geworden ist, liegt sicher auch an der Praxis der Personalentscheidung innerhalb der Partei. Da schlägt der Vorsitzende jemanden für Posten X vor und wenn die Basis den nicht abnickt, sägt sie gleich den Vorsitzenden mit ab. Damit werden freie Entscheidungen zur vorgeschlagenen Person verhindert.
[Dazu ein kleiner Seitenhieb auf unsere tolle Medienlandschaft: auf Parteitagen wird die Dauer des Applaus' für Person X gemessen und mit der Länge/Intensität des letzten Parteitags verglichen. Auch der ÖR macht sowas! Sekundenweise Abweichungen werden schon als Zeichen des Mißtrauens oder der gestiegenen Zustimmung gewertet. Was soll das denn!?]
Dass die Piratenpartei unter anderem von der Presse als "neue FDP" beschrieben wird ist gar nicht so weit hergeholt. Die SPD hat ihre Prinzipien vor allem unter Schröder verraten und hat nun DIE LINKE am Hals. Die FDP hat ähnliche Probleme und wird nun von der Piratenpartei überrollt - allerdings auch von der sich liberalisierenden CDU und der opportunistischen SPD aufgerieben. Die FDP hat aber bis heute nicht begriffen, was da passiert. Der Wahlkampf in Berlin hat es deutlich gezeigt. Auch der Auftritt von Christoph Lauer bei Anne Will, wo sich Martin Lindner lächerlich machte, zeigte es deutlich.
Link1 Link2


Da sind wir ja offensichtlich gar nicht so weit voneinander entfernt.

:tnx: WIR beide wohl nicht, nein... ;)

Es gibt unglaublich viel zu verbessern und zu modernisieren an unserem Parteiensystem. Aber ich frage mich immer wie ich das mit der Listenaufstellung besser hinbekommen soll. Soll man dann teure Vorwahlen für jeden einzelnen Listenplatz stattfinden lassen? Das ist kaum praktikabel. Man Ende läuft es halt auf das Abschaffen der Parteiendemokratie hinaus. Kann man befürworten. Allerdings sollte man dann nicht vergessen, dass es gerade vielleicht nich so gut begüterten Bürgern schwerer fallen würde, ihre Anliegen politisch einzubringen bzw. in Parlamente egal welcher Ebene einzuzihen. Sie sind eben auf die "Organisationsmacht" ihrer Partei angewiesen.

US-Amerikanische Verhältnisse sind wirklich keine gute Alternative. Die Öffnung der Parteien allerdings schon.
Gabriel - der übrigends "Pop-Beauftragter der SPD" ist :lol: - machte entsprechende Vorschläge. Die Basis solle bei Personalentscheidungen mitstimmen dürfen. Allerdings schlug er gleichzeitig vor, dass auch Nicht-Parteimitglieder abstimmen dürfen sollten. (Nicht, dass sein populistischer Vorschlag am Ende noch durchgeht...)
Dialog, dialog, dialog! Die Zeiten der Basta-Politik sind vorbei. Welches Ei sich die CDU in 2011 mit Wehrpflichtabschaffung, Atomausstieg und (noch-was-drittem---hab-ich-vergessen) gelegt hat wird sie im Wahlkampf 2013 noch merken. Die Parteibasis bei der Umwerfung jehrzehntelanger Prinzipien binnen Tagen vor vollendete Gegenteile zu stellen war schon ein starkes Stück. --- Wobei Gabriel und Nahles das sicher wieder versaubeuteln werden. Da wäre ein Christian Lindner hilfreich gewesen; nun muß es wohl der Bosbach und wird es ganz sicher auch die Piratenpartei in Erinnerung rufen.
 
Vielleicht auch ganz interessant!

Wobei ich allgmein sagen muss, dass ich den §90 StGB, genauso wie das gesamte Amt des Bundespräsidenten, als unnützes Überbleibsel der Kaiserzeit empfinde. Gilt übrigens auch für die Schaumweinsteuer.

Holla! Wenn ich den einen dreiten Lügner nenne, kann ich bis zu 5 Jahren Gefängnis bekommen!? Den Richter, der das entscheidet, möchte ich sehen. Aber schon interessant. Wusstet ihr übrigends, dass die Beschädigung eines Polizeifahrzeugs (laut Gesetzestext) deutlich härter bestraft wird als die Körperveletzung an einem Polizeibeamten im Dienst? :confused:
 
Wieso auf "Kosten des Staates"? Ist es nich eher umgekehrt, dass der Staat sich auf Kosten der Bürger und Unternehmen bereichert!?
Habe da eben, das habe ich glaube ich auch schon des öfteren gesagt, ein anderes Staatsverständis. Verdientes Geld, gehört zunächst einmal demjenigen, der es verdient hat und nicht dem Staat!

Das stimmt. Gemeint war wohl "auf Kosten der Allgemeinheit" wird dem Hotelgewerbe eine Milliarde € geschenkt. Bei der Finanzlage der Bildungseinrichtungen usw. ein naheliegender Gedanke. Stichwort Mövenpick. ;)

Übrigends würde mich mal deine, Felissilvestris, Meinung zu meiner Antwort auf die Meldung der BTZ (s.o.) interessieren.
 
Ach so.. deshalb hat Herr Schöder mit seinem Buddy Maschmeyer die Riester Rente vorangetrieben.. ein treffendes Bsp.. Hat jemand gestern den Riester Bericht in der ARD gesehen? Dagegen ist der bisherige Fall Wulff ein Kindergeburtstag. Systematisch wurde hier mit Hilfe der Versicherungswirtschaft und damals vor allem Ex-Kanzler Schöder und Herrn Riester, Olaf Scholz.. etc. ein Vermögensumverteilungs Mechanismus in Gang gesetzt, der einzig und allein der Versicherungswirtschaft dazu dient für sich selbst auf den Kapitalmärkten gute Gewinne rauszuholen.. und noch immer bekommen Bank- bzw. Versicherungskunden diesen "Dreck" verkauft.. da sollte mal eine öffentliche Debatte geführt werden.. und da schliesst sich der Kreis.. wer bei Bescheissern wie Herrn Maschmeyer Urlaub macht, der in höchstem Masse von der Politik Schöders & Co. profitiert hat.. sollte einfach abtreten und "sein Maul halten". Ich finde, dass es hier in diesem Lande eine Politikerhaftung geben sollte.. wie schon ab und zu aufgeführt hier im Fred.. aber es wird nicht mal daran gedacht soetwas ernsthaft zu etablieren.. so haben die Poliker Narrenfreiheit und nutzen diese auf Kosten der Bürger brutal aus... und ganz ohne schlechtes Gewissen... vom Staat gesponserte Versicherungspolicen kreiert.. wertlos für die Käufer, mit dem Erfolg für die private Versicherungswirtschaft Milliarden Gewinne einzufahren.

Was haben bestimmte Branchen begünstigende Gesetze mit der Senkung oder Abschaffung von Steuern zu tun?

Denke da werden zwei Dinge völlig durcheinander geworfen. Es ist das eine, ob ich Maßnahmen oder Gesetze beschließe, die dazu führen, dass bestimmte Branchen Vorteile erlangen. Eines der schönsten Beispiele ist das EEG. Es sorgt für eine direkte Umlage vom kleinen Stromkunden, der gesetzlich gezwungen ist für die nötigen Renditen in der Bereich Erneuerbaren Energien zu sorgen.

Das Abschaffen/Senken von Steuern und Abgaben sorgt für das genaue Gegenteil. Das Geld wird demjenigen belassen, der es verdient hat und eben nicht über staatliche Umverteilung einem anderen zugeführt, der dadurch einen Vorteil erlangt.


Das ist wiederum die sehr umstrittene Frage der Parteienfinanzierung. Wir haben in Deutschland ein Mehrsäulenmodell bei dem jede Säule Kritik ausich zieht. Ob es nun die staatliche Wahlkampfkostenerstattung, die Möglichkeit der Parteispenden ist oder eben die unternehmerische Tätigkeit von Parteien. Sicher dürfte nur sein, dass sich eine Partei nicht alleine durch Mitgliedsbeiträge und das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder am Leben erhalten lässt.
 
Holla! Wenn ich den einen dreiten Lügner nenne, kann ich bis zu 5 Jahren Gefängnis bekommen!? Den Richter, der das entscheidet, möchte ich sehen. Aber schon interessant. Wusstet ihr übrigends, dass die Beschädigung eines Polizeifahrzeugs (laut Gesetzestext) deutlich härter bestraft wird als die Körperveletzung an einem Polizeibeamten im Dienst? :confused:

Majestätsbeleidigung war ein ganz übles Verbrechen. Bei Einführung des StGB im Deutschen Reich (1871) stand darauf noch lebenslange Haft. Nur in minderschweren Fällen gab es eine zeitlich begrenzte Strafe. :ugly:
 
Das ist wiederum die sehr umstrittene Frage der Parteienfinanzierung. Wir haben in Deutschland ein Mehrsäulenmodell bei dem jede Säule Kritik ausich zieht. Ob es nun die staatliche Wahlkampfkostenerstattung, die Möglichkeit der Parteispenden ist oder eben die unternehmerische Tätigkeit von Parteien. Sicher dürfte nur sein, dass sich eine Partei nicht alleine durch Mitgliedsbeiträge und das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder am Leben erhalten lässt.

:tnx:

Auch hier sind US-Amerikanische Verhältnisse keine gute Alternative. Ich habe durch meine berufliche Tätigkeit erlebt, wie die Bundes-SPD mit Geld um sich schmeißt. Man macht sich gar keine Vorstellung! :ugly: Es gibt dazu recht interessante Vorschläge, aber ganz ehrlich: mir fehlt momentan die Zeit, mich auf diese Diskussion einzulassen. Das können wir sicher ein andermal besprechen.
 
Der Ausschluß findet da statt, wo ich so viel Zeit in polit. Meinungsvertretung investieren muß, dass ich anderes dafür aufgeben muß. Die Wenigsten "opfern" ihre Freizeit um dicke Bretter zu bohren. Entweder ganz dabei oder nur alle paar Jahre ein Kreuz machen um die ungefähre Richtung mitzubestimmen - das sind die Wahlmöglichkeiten. Doch dieser Entscheidungszwang ist eigentlich nicht (mehr) notwendig.

Ob sie noch notwendig sind oder nicht, da bin ich mir noch nicht so sicher. Sicherlich ist vieles durch die "neuen" Medien einfacher geworden, allerdings setzt eine strikte politische Beteiligung über diese Form voraus, dass du allen Bürgern einen entsprechenden Zugang zur Verfügung stellst und jeder Bürger in der Lage ist damit entsprechend umzugehen.

Wie gesagt es kostet Freizeit. Und gerade, wenn man sich nicht auf Landes- oder Bundesebene bewegt kostet sie neben Zeit auch sehr viel Geld. Da sind selbst die lächerlichen Aufwandsentschädigungen von 20 Euro pro Sitzung nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man denn überhaupt irgendein öffentliches Mandat bekleidet.

Auf der anderen Seite kann man viele Entscheidungen auch nicht übers Knie brechen. Vieles benötigt eben eine gewisse Zeit, um sich eben, die für die Entscheidung notwendigen Informationen zu besorgen und dann diese dann entsprechen zu beurteilen.


Die Beobachtung* ist wohl leider richtig. Nur ist sie eben auch Konsequenz des politischen Prozesses insgesamt. Es herrscht nicht nur das tradierte Verhältnis "die-da-oben-vs.-die-da-unten" - was im Angelsächsischen Raum immer wieder verwundert zur Kenntnis genommen wird - sondern eben auch eine Politikverdrossenheit vor. Nicht zu verwechseln mit einer generellen Ablehnung langwieriger demokratischer Prozesse, sondern Ausdruck der begrenzten Mitsprachemöglichkeiten.

Wobei ich das eher als gesellschaftliches Überbleibsel, der in Deutschland immernoch sehr stark ausgeprägten Untertanenmentalität sehe. Die angelsächsischen Länder sind strukturell eben auch sehr viel liberaler, weil sie eben keinen so starken Staat mögen. Während man in Deutschland doch noch häufig das Phämomen antrifft, dass die Leute sich doch gerne "führen" lassen. Das nimmt aber zunehmend ab.

Zur Politikverdrossenheit im allgemeinen, so kann ich das Gefühl sehr gut nachvollziehen. Derzeit "leide" ich von zwei Seiten. Zum einen weil ich von Diskussionspartnern aufs Brot geschmiert bekomme wie dumm wir doch alle in der FDP sein, was eben häufig völlig unrefektiert geschieht, zum anderen weil ich einfach mit sehr vielem, was die FDP im Bund macht auch nicht einverstanden bin und es eben nicht dem entspricht wofür ich Wahlkampf gemacht habe und meine freie Zeit geopfert habe.

Da bin ich wie du auch etwas ratlos. Aber ich glaube, dass diese Mitsprache erst eingeübt werden muß. Sie gehört bislang nicht zur Tradition der politischen Auseinandersetzung in BRD. In BBC-Sendungen bspw. stellen sich Politiker häufig den Fragen der Studiogäste, die als Durchschnittsbürger durchaus in der Lage sind ihre Meinung zu artikulieren. Das ist auf der Insel einfach demokratische Tradition. Es geht also nicht darum, immer mehr direkte Demokratie einzuführen, sondern ein gewisses Maß davon einzuüben. Das dauert leider. Aber auch der dt. Michel wird lernen, die Verantwortung für sich und sein Umfeld selbst übernehmen zu müssen. Das wird ihm seitens der Politik ja auch seit ~20 Jahren zunehmend abverlangt. Nur, wie so oft, liegen "fordern und fördern" hier in krassem Mißverhältnis. Aber es wird, es wird.

Die Beiräte in dieser Form bestehen in Bremen nun schon über 20 Jahre. Sie zuletzt vor zwei Jahren nochmals reformiert worden, um den Entscheidungen dieser bürgernahen Parlamente noch mehr Gewicht zu verleihen. Aber wenn du viele Bremer fragst, dann wissen die nicht einmal, was so ein Beirat ist.




Nö. Und den Diskussionspartnern in dem Thread ohnehin nicht.

Dass du als FDPler gerade nix zu lachen hast ist sicher nicht schön. Dass sich die FDP seit Guido W. und auch J. Möllemann, aber auch schon durch den Scheckbuch-Außenminister Genscher von ihren ordoliberalen Traditionen entfernt hat und zu einer - vor allem auf Bundesebene - reinen Lobbypartei (mit Leutheusser-Schnarrenberger und einigen anderen als rühmliche Ausnahmen) geworden ist, liegt sicher auch an der Praxis der Personalentscheidung innerhalb der Partei. Da schlägt der Vorsitzende jemanden für Posten X vor und wenn die Basis den nicht abnickt, sägt sie gleich den Vorsitzenden mit ab. Damit werden freie Entscheidungen zur vorgeschlagenen Person verhindert.
[Dazu ein kleiner Seitenhieb auf unsere tolle Medienlandschaft: auf Parteitagen wird die Dauer des Applaus' für Person X gemessen und mit der Länge/Intensität des letzten Parteitags verglichen. Auch der ÖR macht sowas! Sekundenweise Abweichungen werden schon als Zeichen des Mißtrauens oder der gestiegenen Zustimmung gewertet. Was soll das denn!?]

Das ist ohnehin auch so ein Ding. Da wird aus jeder inhaltlichen oder personellen Diskussion in den Medien gerne ein Streit stilisiert. Was in den meisten Fällen völlig abwegig ist. Das wiederum sorgt natürlich wie du zurecht bemängelst zu einer "falschen" Disziplin. Kontroverse Diskussionen verlagern sich dadurch gerne mal aus der Öffentlichkeit weg. Ich halte das für falsch und habe da auch schon diverse Anregungen gemacht, wie man ggf. mehr Öffentlichkeit auch für eigentlich parteiinterne Diskussionen herstellen könnte.
 
Das stimmt. Gemeint war wohl "auf Kosten der Allgemeinheit" wird dem Hotelgewerbe eine Milliarde € geschenkt. Bei der Finanzlage der Bildungseinrichtungen usw. ein naheliegender Gedanke. Stichwort Mövenpick. ;)

Das sind wir wieder bei der grundlegenden Frage, ob der Staat nun zu wenig oder zu viel Geld hat oder eher überlegen sollte wie sich vorhandenes Geld besser gezielter (richtiger) ausgeben lässt.

Übrigends würde mich mal deine, Felissilvestris, Meinung zu meiner Antwort auf die Meldung der BTZ (s.o.) interessieren.

Du meinst den aus der taz? Also ich kenne einen Betreiber eines kleinen Hotels und einen, der eine Pension betreibt. Beide sagen, dass sie so gut ausgebucht sind wie noch nie. Wobei das natürlich nicht Repräsentativ ist. Man muss dazu aber auch sagen, dass in den letzten Jahren drei neue große Hotels (Atlantic Grand Hotel, Swissotel, Courtyard) in Bremen geöffnet haben. Das kann natürlich zu lasten der Kleineren gegangen sein. Auch geht aus dem Artikel nicht hervor, ob die kleineren Hotels "nur" anteilsmäßig an Übernachtungen verlieren oder an tatsächliche Übernachtungen.

Edit: wenn sich das auf den Zeitraum seit 2001 bezieht, dann müssten das sogar noch mehr Häuser sein.
 
Ob sie noch notwendig sind oder nicht, da bin ich mir noch nicht so sicher. Sicherlich ist vieles durch die "neuen" Medien einfacher geworden, allerdings setzt eine strikte politische Beteiligung über diese Form voraus, dass du allen Bürgern einen entsprechenden Zugang zur Verfügung stellst und jeder Bürger in der Lage ist damit entsprechend umzugehen.

Über alle Formen der Beteiligung, nicht nur online. Aber daran arbeiten wir.

Wie gesagt es kostet Freizeit. Und gerade, wenn man sich nicht auf Landes- oder Bundesebene bewegt kostet sie neben Zeit auch sehr viel Geld. Da sind selbst die lächerlichen Aufwandsentschädigungen von 20 Euro pro Sitzung nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man denn überhaupt irgendein öffentliches Mandat bekleidet.

:tnx:

Auf der anderen Seite kann man viele Entscheidungen auch nicht übers Knie brechen. Vieles benötigt eben eine gewisse Zeit, um sich eben, die für die Entscheidung notwendigen Informationen zu besorgen und dann diese dann entsprechen zu beurteilen.

:tnx:


Wobei ich das eher als gesellschaftliches Überbleibsel, der in Deutschland immernoch sehr stark ausgeprägten Untertanenmentalität sehe. Die angelsächsischen Länder sind strukturell eben auch sehr viel liberaler, weil sie eben keinen so starken Staat mögen. Während man in Deutschland doch noch häufig das Phämomen antrifft, dass die Leute sich doch gerne "führen" lassen. Das nimmt aber zunehmend ab.

:tnx:

Zur Politikverdrossenheit im allgemeinen, so kann ich das Gefühl sehr gut nachvollziehen. Derzeit "leide" ich von zwei Seiten. Zum einen weil ich von Diskussionspartnern aufs Brot geschmiert bekomme wie dumm wir doch alle in der FDP sein, was eben häufig völlig unrefektiert geschieht, zum anderen weil ich einfach mit sehr vielem, was die FDP im Bund macht auch nicht einverstanden bin und es eben nicht dem entspricht wofür ich Wahlkampf gemacht habe und meine freie Zeit geopfert habe.

Da ist dein Einfluß als Parteisoldat absichtlich gering. Dies soll bei den Piraten eben nicht passieren. Denn die Leistungsbereitschaft motivierter Mitglieder, die für ihre eigene Partei arbeiten extrem effektiv ist. (In div. Vorschlägen zur Arbeitnehmer-Mitbestimmung werden solche Ideen aufgenommen: Anteile, Gewinnbeteiligung...) Mit zunehmender Mitgliederzahl stößt man da vielleicht auch an Grenzen. Mal sehen, was dann passiert.

Die Beiräte in dieser Form bestehen in Bremen nun schon über 20 Jahre. Sie zuletzt vor zwei Jahren nochmals reformiert worden, um den Entscheidungen dieser bürgernahen Parlamente noch mehr Gewicht zu verleihen. Aber wenn du viele Bremer fragst, dann wissen die nicht einmal, was so ein Beirat ist.

Tjaja, meckern kann der dt. Michel wie kein Zweiter...:rolleyes:



Nö. Und den Diskussionspartnern in dem Thread ohnehin nicht.

:beer:

Das ist ohnehin auch so ein Ding. Da wird aus jeder inhaltlichen oder personellen Diskussion in den Medien gerne ein Streit stilisiert. Was in den meisten Fällen völlig abwegig ist. Das wiederum sorgt natürlich wie du zurecht bemängelst zu einer "falschen" Disziplin. Kontroverse Diskussionen verlagern sich dadurch gerne mal aus der Öffentlichkeit weg. Ich halte das für falsch und habe da auch schon diverse Anregungen gemacht, wie man ggf. mehr Öffentlichkeit auch für eigentlich parteiinterne Diskussionen herstellen könnte.

:thumb:

Das Schlagwort "Kampfabstimmung" in einer demokratischen! Partei habe ich nie verstanden. Meines Gefühls nach ist gerade die CSU in diesem Punkt schlichtweg schizophren.
Zur falschen Disziplin: Die Berliner Piraten haben 100%ige Transparenz angekündigt, sind aber schon nach Tagen an die Grenzen der Machbarkeit gestossen. Parteiinterne Abstimmungen sollten offen sein, es sollte also nachvollziehbar sein ob einer öfffentlich Wasser predigt und intern für Wein stimmt. Da sind die Piraten derzeit ganz vorne. Wobei das auch nicht nur Vorteile hat...
 
Das sind wir wieder bei der grundlegenden Frage, ob der Staat nun zu wenig oder zu viel Geld hat oder eher überlegen sollte wie sich vorhandenes Geld besser gezielter (richtiger) ausgeben lässt.

Sieht man sich die Summen an, die für Sozialpolitik ausgegeben werden und betrachtet die mageren Erfolge - vergleicht man dieses Verhältnis mit der Politik in anderen, vergleichbaren Systemen, muß man feststellen, dass die Parteien den Staat gekapert haben. Rundfunkräte, Posten in den Versicherungen usw. lehren mich, dass der Staat deutlich zu umfangreich geworden ist. Diverse Kommissionen sind an der Aufgabe gescheitert, heraus zu bekommen, wer in diesem Staat wen mit wieviel Geld finanziert. Man weiss es einfach nicht. Aber Geld umverteilen zu können sichert Einfluß. DAS sollte nicht Ziel politischen Handelns sein. Ein gewisses Maß an Re-Amateurisierung täte der Politik sicher gut. (Derzeit haben wir es doch eh mit Amateueren auf Ministerposten zu tun. Oder wieso ist Schäuble erst für Inneres, dann für Finanzen - Rösler erst für Gesundheit, dann für Wirtschaft - verantwortlich? Können die alles? Bei anderen Parteien sieht's allerdings keinen Deut besser aus!)


Du meinst den aus der taz? Also ich kenne einen Betreiber eines kleinen Hotels und einen, der eine Pension betreibt. Beide sagen, dass sie so gut ausgebucht sind wie noch nie. Wobei das natürlich nicht Repräsentativ ist. Man muss dazu aber auch sagen, dass in den letzten Jahren drei neue große Hotels (Atlantic Grand Hotel, Swissotel, Courtyard) in Bremen geöffnet haben. Das kann natürlich zu lasten der Kleineren gegangen sein. Auch geht aus dem Artikel nicht hervor, ob die kleineren Hotels "nur" anteilsmäßig an Übernachtungen verlieren oder an tatsächliche Übernachtungen.

Der Erfolg des Steuergeschenks - in Punkto Beschäftigungszuwachs und Steuerrückfluss - muß aber doch arg bezweifelt werden.


Das war eine sehr interessante Unterhaltung. Für heute muß ich mich nun aber verabschieden.

:beer:
 
Inwiefern? Was macht die Piraten angeblich zur neuen FDP? Eine inhaltliche Ähnlichkeit kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen, denn die Piraten mögen vieles sein, aber ganz sicher nicht liberal.

Der Begriff liberal ist extrem weit gefächert und lässt sich auf dem Parteienspektrum von rechts nach links nicht einordnen. Nicht umsonst gab es in der Geschichte links- und rechtsliberale, die sich gegenseitig gern haben konnten.

Deswegen können Parteien, die eigentlich nicht liberal denken, trotzdem in einzelnen Unterthemen liberale Ideen haben. Die Grünen sind keine liberale Partei, haben aber in manchen Gebieten durchaus liberale Züge. Linke Parteien mit rechten Gedanken treten selten auf, linke Parteien mit liberalen Gedanken können jederzeit vorkommen. Der Begriff der Liberalität ist davon losgelöst.

Demnach sollten Parteienkonzepte wie die der Piraten auch in Teilen untersucht werden, wenn man deren Liberalität beurteilt. Themen, wie eine öffentliche Zugänglichkeit des bisher privatgeglaubten Gedankenguts ist ein (fast schon radikaler, aber trotzdem-) liberaler Gedanke, um nur ein beispiel zu nennen.
 
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