Aus meiner Sicht als Erkrankter.
Meine Depressionen haben ich schon mindestens seit meinem 16 Lebensjahr. Das erste mal über das, was es für mich bedeutet habe ich erst gesprochen, als ich vielleicht 22, 23 oder so war. Zuvor habe ich da vieles auch Grundsätzlich nicht als Krankheitsbild wahrgenommen. Für mich war es eben so wie es ist, was eben auch daran lag, dass mir dieses Krankheitsbild weitestgehend Fremd war. Zudem mag man ja auch weniger zugeben, dass man nen "Dachschaden" hat.
Für mich wurde es erst so mit 24, 25 wirklich schlimm. Ich kann jetzt dirverse Symptome aufzählen. Antriebslosigkeit, vermeintliche Müdigkeit, aber das schlimmste waren häufige Panikattacken. Wie viele wissen bin ich ja politisch aktiv und für mich war es eigentlich nie ein Problem vor Menschen zu reden. Plötzlich setzte es ein, dass ich regelrechte Panikattacken selbst in kleinen Runden bekam. Das äußerte sich in unkontrollierten Schweißausbrüchen, Herzrasen, Unsicherheitsgefühlen, Blackouts.
Wenn meine Frau nicht an meiner Seite gewesen wäre, wüsste ich auch nicht, was mit mir passiert wäre. Ich bin dann, weil die Schwelle eben niedrig war, zur Psychologisch Therapeutischen Beratungsstelle der Uni gegangen und habe dort einen Termin vereinbart. Ich habe einen recht langes Gespräch geführt und erst da habe ich eigentlich eingesehen welche Schritte ich tatsächlich unternehmen muss. Dankbar muss ich tatsächlich sein, dass die Schwelle zur PTBS der Uni zu gehen im Vergleich zu einem Gang zu einem "normalen" Psychologen wesentlich einfacher war.
Das Problem ist häufig, dass selbst bei einem Eingeständnis der Krankheit man weiter vor Hürden steht. Ich habe meinen ersten Examensversuch in den Sand gesetzt. Reize jetzt die zwei Jahre aus, die ich habe um mich zu einem erneuten Versuch anzumelden, weil ich mir die Zeit geben wollte, das in aller Ruhe zu lernen. Habe immer ne Gewisse Angst da ne Frist versäumt zu haben. Dazu kommt, dass ich relativ alt bin und als Lanzeitstudent durchgehe. Das ist ein äußeres Erscheinungsbild, was einem das Leben auch nicht immer einfacher macht. Man stößt halt auf Ablehnung. Und jedem "Fremden" will man seine Erkranung bei den Vorurteilen, die ich ja auch hier aus einige Posts lese, auch nicht auf die Nase binden. Man tut sich auch mit entsprechender Hilfe und Behandlung im Leben schwer. Und manchmal sitzt ich auch da und denke einfach, dass ich am besten das Studium hinschmeiße, weil man auch Konzentrationschwierigkeiten hat und das eh keinen Sinn hat, man dann eben etwas anderes macht.
Ich hatte für meinen Teil noch keine Suizidgedanken, aber ich kann mir durchaus vorstellen wie schnell man an irgendeine Grenze stoßen kann, die einem scheinbar keinen Ausweg lässt. Und ganz ehrlich, man ist schweren depressiven Phasen auch so sehr mitsich selbst beschäftigt, dass man häufig an die Menschen in seinem Umfeld nicht denkt.