Wir bleiben da vermutlich unterschiedlicher Ansicht.
Weil
. ..da liegt auch für mich der Kasus knacktus.
Die Voraussetzungen für die Vorbereitung des Spieles in Gladbach waren doch klar gegeben:
1.) Die Systemfrage.
Veranschaulicht an zwei naheliegenden aktuellen Beispielen:
Gegen Köln nach den Wechseln Bargfrede und Rosenberg für Ekici und Schmitz Umstellung mit drei Spitzen Arnautovic, Rosenberg und Pizarro, wobei Arnautovic und Pizarro ständig wechselten. Dreierkette dahinter Bargfrede, Fritz, Hunt. Erst dadurch und schon vor der Überzahl haben wir es geschafft, die große Schwäche in Solbakkens System endlich entschiedener zu nutzen, nämlich dessen Verzicht auf Doppeln der Außenpositionen. Plötzlich hatten wir jede Menge Torchancen. Vorher allerdings wurde dem FC excellent in die Karten gespielt.
In Augsburg hatte Luhukay sogar mit drei Dreierketten im 3-3-3-1 agiert, um die Schwächen unserer Raute mittels Überzahl im Mf + statisches Positionsspiel aussen zu nutzen. Was solange sehr gut klappte, bis Schaaf mit der Wagner-Einwechslung auf 4-3-3 umstellte. Danach spielte Werder Augsburg an die Wand.
Wir sind also zweimal klar besser ins Spiel gekommen als wir mit definierten Dreierketten auf Höhe spielten.
2.)Eigene Verfassung/ Spielerpersonal.
Hängt eng mit 1.) zusammen. Werder erreichte in der Saison mit der Raute erwiesenermaßen zu wenig Kompaktheit, entweder in Gegner` s Hälfte, also offensiv, wodurch dann die Durchschlagskraft fehlte oder eben defensiv, wenn die Bemühungen forciert werden, über Ball- und Spielkontrolle zu dominieren. Zu Lasten eines von beiden ging es immer, weil das Umschalten gerade mit der Raute 6-10 in dieser Besetzung nicht passt. Bargfrede ist weder ein Lenker/Organisator, noch defensiv ein guter Spielleser, kurz kein Stratege. Wie man immer wieder auf die Idee kommen kann, ihn auf dieser strategisch wichtigen Position agieren zu lassen, wo er a) die Halbräume mit Stellungsspiel und Laufwegen mit organisieren und b) das Spiel verlagern muss. Warum wir wie in Gladbach eine IV, in der nicht nur der beste Mann fehlt, sondern auch der Organisator, mit dieser Ausrichtung unter Druck setzen (ohne Merte und Naldo übrigens das letzte Mal in Heidenheim). Warum Fritz, der seit geraumer Zeit auf seiner Rolle nicht mehr zurechtkommt, weil er im System, in dem er ohnehin nur notbehelfsmäßig funktionierte, zusätzlich mit einer Spielausrichtung, die auf Ball- und Spielkontrolle zielt, überfordert wird. Dann ist das, was wir da zu sehen bekommen, bei Nicht-Strategen wie Bargy oder Fritzchen mMn die logische Folge. Als wir zu Saisonbeginn tiefer standen und zumindest versuchten, die Abstände zu halten, kamen beide besser klar. Oder eben zuletzt im 4-3-3, weil da Zuordnungen und Aufgaben gegeben sind.
Gerade, wie Du so schön sagst, Maddin, wenn es im Mittelfeld hapert, sollte ein Trainer bestrebt sein, ein einfacheres Spielsystem zu forcieren. Ausserdem haben viele Partien dieser Saison, bspw. zuletzt das Spiel in Hannover, wo Du, Maddin, genau das kritisiert hast, uns aufgezeigt, dass es falsch ist, Iggy als LV Schmitz vorzuziehen (Spielaufbau, Erfahrenheit) und obendrein mit Bargfrede in Kombination den Rautensechser spielen zu lassen.
3.)Der Gegner.
Gladbach kam bisher mit tiefstehenden, kompakten und scheinpassiven Gegnern nicht zurecht, konnte aber stets dann die eigenen Stärken gut ausspielen, wenn es gelang, selbst Scheinpassivität, mit kontrollierendem Verschieben den Gegner rauszuziehen und geschicktem Ausloten der Schwachstellen die Lücken zu schaffen, die sie für die Steilpässe und das Spiel mit Reus & Co. aus der Tiefe benötigen.
Und, um mal auf Firedangerboy zurückzukommen, es ist ja zumindest irgendwie erklärbar, was Schaaf in Gladbach vorhatte. Werder wollte offensichtlich mit dieser Spielausrichtung lange und diagonale Bälle sowie das gezielte Ausschwärmen im Konter im Ansatz verhindern. Nur kapiere ich nicht, wie wir angesichts obiger Erkenntnisse dies mit Raute, Bargfrede als Sechser etc. und hochstehendem Pressing/ vorgeschobenen Mannschaftsteilen erreichen wollten. Vielleicht wär`s gut gegangen, wenn Ekici` s Freistoß sitzt. Oder wir vorne den Ball erobern und Pizza/ Arno vorher einen versenken. Letztlich aber ein total unnötiger Tanz auf der Rasierklinge unter Vernachlässigung eigener Schwächen und Stärken des Gegners.
Nur mal nebenbei angemerkt: 2009/2010 hat Schaaf die Raute, die einhergehend mit Özil` s Formtief und der zunehmenden Instabilität (wohlgemerkt Bargfrede-Ausfall und Tempoverlust) aufhörte zu funktionieren, solange durchgezogen, bis 10 Spiele mit nur einem Sieg und am Ende 5 Niederlagen in Folge zu Buche standen. Exakt mit der Änderung auf 4-2-3-1 gegen Hertha (die nebenbei gesagt in der damaligen Rückrunde fast kein Auswärtsspiel mehr verloren) kam die Serie, die noch zu Platz 3 führte.
Bei alledem fällt` s mir eben schwer, auf individuelle Fehler oder generell mangelnde Klasse zu reduzieren oder das Ganze gar unabhängig von Schaaf zu betrachten.