@Arno: Erstmal: Bis jetzt erkenne ich noch keinen eigenen Stil von dir. Das ist auch nicht schlimm, weil du den erstmal finden musst. Wie vor einigen Posts anklang, schreibst du solche parodistischen Texte ja noch nicht lange. Ein eigener Stil ist das Ergebnis eines längeren Prozesses. Comedians, Poetry-Slamer oder Kabarettisten müssen meistens ordentlich Vorarbeit leisten. Deswegen: Unbedingt weiter ausprobieren.
Der Text über die Dummheit ist um einiges stärker als der vorherige Hippie-Text. Aber ein Grundproblem wiederholt sich: Du argumentierst zu dünn. Du wiederholst permanent in allen Formen und Farben, wie dumm diese Leute doch sind. Da fallen dir auch viele Bilder für ein. Aber warum sind sie das?
Der Punkt ist der: Die Leute müssen in gewisser Weise überzeugt werden. Einerseits sollen die lachen, andererseits aber auch über die Message nachdenken, die du mitgeben möchtest. Nur Leute zu Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

ist der Humor von Olli Pocher. Tiefgang humorvoll zu gestalten und dabei eine gewisse Katharsis zu bewahren, das machen Eckardt von Hirschauen, Volker Pispers, Hagen Rether oder andere Kabarettisten oder Poetry Slamer.
Deswegen: Beleidigungen raus aus dem Text. Die sind nicht lustig. Zweitens nutzen sie sich ab. "Die sind so dumm, dass...." kommt bestenfalls einmal gut an. Werden die wiederholt, erst recht mit wenig Argumentation, entsteht der Eindruck, dass du nur Hasstiraden runterbretterst statt keute unterhalten zu wollen. Das möchtest du aber bestimmt nicht. Unterhaltung ist positiv - nicht andere negativ machen. Auch Gesellschaftskritik funktioniert nicht so, dass man sagt, wie blöd doch unsere Gesellschaft ist, sondern eher "hintenrum". Widersprüche aufzeigen, das Publikum selber denken lassen. Die Pointe ist das Verhalten der Gesellschaft und nicht das, als was du sie deklarierst. Wenn du intelligenten Humor machen möchtest, musst du auch das Publikum zur Intelligenz anregen und diese fordern.
Wenn du überzeugen möchtest, musst du sympathisch sein, also anbinden. Das hängt dann an deinem Auftreten was ich hier natürlich nicht sehe, aber auch am Inhalt. Ob du das mit dissen erreichst, ist natürlich subjektiv. Du wirst aber spalten.
Zweitens muss das Publikum den Eindruck haben, dass du absolut den Plan hast, wovon du redest. Kompetenz ausdrücken.
Pointen leben vom Überraschungseffekt. Der darf sich aber nicht abnutzen. Irgendwann gewöhne ich mich an deinen Text, weil der "dissende Humor" berechenbar wird. Abwechslung rein. Und wenn du abwechseln möchtest ohne den Stil zu vernachlässigen. Entweder hast du einen eigenen Stil, der sich auf eine Richtung beschränkt, oder du mischt. Und du versuchst zu mischen. Du hast Sarkasmus und Ironie ja drin. Arbeite da mehr drin, und motze noch etwas auf. Mehr Wortspiele, Reime, Ironie, Bilder, Vergleiche. dafür weniger Gedisse. Bedien dich doch rhetorischer Mittel. Mit der Zeit kannst du dann den nächsten Schritt gehen und darauf achten, dass diese nicht offensichtlich rüberkommen. Möglichst viel ausprobieren - dann findest du auch, was dir am besten liegt und was du im Stil einfließen lassen möchtest.
Bist du jemand, der viel liest? Lesen, aber auch das Angucken anderer Comedians/Kabarettisten/Poetry Slamer bilden bei sowas ungemein. Praxis statt Theorie. Du nutzt stattdessen aber eine Forensprache. Das ist teilweise noch nichtmal umgangssprachlich, sondern eher chatsprachlich. Kann man als eigenen Stil natürlich machen, aber es wirkt nicht so, als wäre das die Absicht. Wirkt eher wie gewollt und nicht gekonnt. Nochmal: Dein Ziel ist es aber auszudrücken: Ich kann.
Beispiel: Ich habe vor ein paar Monaten Christoph Schulte-Richerings "Schnick,schnack,schnuck" gelesen. Das ist eine satirische Chronik der Weltgeschichte in kurzen Kapiteln, die jeweils einen Aspekt bedienen. Schulte-Richtering hat z.B. auch schon Moderationskarten für Stefan Raab geschrieben. Ich fand das Buch gut, weil es unterhält, aber trotzdem fachliches Niveau hat. Das ist historisch echt brauchbar, obwohl es natürlich keine wissenschaftliche Arbeit ist. Er bringt aber Basiswissen und weitere Annahmen pointiert rüber: Kompetenz mit Humor. Dann macht es auch nicht, wenn in einem Buch mit mehr als 200 Seiten (?) manche Pointen berechenbar sind. Ein paarminütiger Vortrag ist ja deutlich zusammengekürzter und ein thematisches Best-Of.
Edit: ... und die Protagonisten bei "Mitten im Leben" sind sehr wohl Schauspieler.
