Ich muss an dieser Stelle, was die Partie in Sinsheim angeht, mal ein dickes Lob an unseren besten Mann loswerden.
Zunächst meine Eindrücke zum Spiel:
Wir hatten in der ersten HZ spielerische Defizite, weil die rechte bis halbrechte Seite sowie zentral vor der Abwehr kreativ nicht funktionierte. Bargfrede und Fritz sind defensiv wertvoll, auch Samstag mit guten Balleroberungen, aber eben keine Verteiler oder Spieleröffner-/ und beschleuniger, da fehlt es an Übersicht und Handlungsschnelligkeit, was im Übrigen auch in der Umkehrbewegung nach Ballverlust die ein oder andere Unsicherheit nach sich zog. Ähnlich im Deckungszentrum Mertesacker/ Wolf. Und Sokratis ist ein Kraftfussballer, der seine Seite dicht hält und ggflls. rustikal anschiebt, aber offensiv-kreativ nur bedingt zum Außenspieler taugt. Eben kein Rechtsverteidiger.
Was demzufolge nach wie vor fehlt, ist ein strukturierter Aufbau von hinten heraus, der aber für eine sinnige Umsetzung der Raute offensiv unabdingbar wäre. Es fehlt mindestens die Station zwischen Abwehr und Marin/ Pizarro. Wenn da in irgendeiner Form was kam, dann von Hunt, der allerdings öfter nach innen zog, um dort Entlastung zu schaffen. Marin hat dies gelesen und sich ebenfalls öfter Richtung Hunt orientiert, um zu kreuzen und Platz zu schaffen. Nur entstanden dadurch in der Rückwärtsbewegung Lücken, die ein taktisch kluger Spieler wie bspw. Beck zu nutzen versteht. Schmitz wurde dort in HZ 1 bisweilen defensiv überfordert, weil er a) mit dem Spiel vor sich zu Kombinationen in der Lage, einen Blick für Räume hat, so dass es ihn auch noch nach vorne zieht und b) Not hatte, den Abstand zu Hunt nicht zu gross werden zu lassen.
Wir hatten ein Kreativspiel, welches versuchte, sich von links auf zentral zu verlagern mit der Folge von taktischen Defiziten über die linke Seite.
Dem wirkte Schaaf in der zweiten HZ entgegen, indem er Hunt auf rechts und Fritz mehr über links kommen ließ, so dass wir eine gesündere Mischung Papasthotopoulos/ Hunt und Fritz/ Schmitz in den Halbräumen hatten. Dadurch bekamen wir in HZ 2 taktisch und spielerisch Zugriff auf das Spiel und ein leichtes Übergewicht.
Erster Punkt: Richtige Umstellung als Reaktion auf den Spielverlauf und die Taktik des Gegners.
Im Kontext vertrete ich jedoch die Ansicht, dass wir aufgrund obigen Kreativ-Defizits nicht umhin kommen, Ekici und/ oder Ignjovski früher oder später einzubauen, andernfalls fehlt es noch zu sehr an strategischem Spiel und Kreativität. Irgendwie glaub ich, dass TS das ähnlich sieht, wie die Testspiele zeigen. Gleichzeitig sind beide wohl noch nicht weit genug, zudem zeigen andere, die evtl. dafür rausfallen würde, insgesamt gute Leistungen. Zurzeit ein Luxusproblem, aber solange wir Spiele gewinnen, weil wir sicher stehen, soll`s mir recht sein.
Zweiter Punkt: Spieler werden behutsam ran geführt, die künftig wichtig sein könnten, aber noch Eingewöhnungszeit brauchen. Ohne die Ergebnisse zu gefährden.
Desweiteren ist diesmal mMn eine korrekte Reaktion auf das Freiburg-Spiel erfolgt. Die Unsicherheiten der Anfangsminuten waren zwar dem Freiburg-Spiel geschuldet - Hoffenheim hat sich das angesehen und wollte es nutzen und Werder hatte nicht die nötige Sicherheit. Dennoch schienen die schaafschen Vorgaben diesmal anders gewichtet. Die Mannschaft hat sich nach und nach in die Partie gekämpft, allerdings – auch nicht nach dem Ausgleich – völlig Werderuntypisch nie die nötige Geduld vermissen lassen oder ist in blinden Eifer verfallen. Sondern sie hat beharrlich auf die Chance gewartet und dabei stets versucht, die Ordnung zu halten (was natürlich nicht immer gelang, aber trotzdem…..).
Dritter Punkt: Richtige Einstellung und Auswärts-Spielausrichtung auf einen motivierten Kontrahenten mit Selbstvertrauen.
Gibt es an der Aufstellung was auszusetzen? In meinen Augen völlig korrekt der Wechsel Arnautovic – Rosenberg, weil klar war, dass wir dort nur mit einem 4er Mf bestehen werden, wenn wir Pressing auch mit den beiden Spitzen entgegensetzen. Und dann hat Schaaf obendrein noch richtig gewechselt, auf Marin und Arnautovic, beide mit ansprechender Partie aber läuferisch abbauend mit Ekici und Rosenberg a) positionsgebunden (wie es beim Stand von 1:1 sein sollte) und b) die sinnvollsten Alternativen auf den Rasen gebracht.
Vierter Punkt: Nachvollziehbare Aufstellung (immer noch mit Abstrichen, da mMn die Raute personalbezogen eher nicht das richtige System ist) und richtige Wechsel.
Alles in allem Reaktionen, die nach dem schlimmen Spiel gegen Freiburg so nicht zu erwarten waren.
Also TS in Hoffenheim:
1+ Ohne Wenn und Aber. :thumb:
:svw_applaus::svw_applaus::svw_applaus: