In wie weit die Medienberichterstattung über den Wahlkampf ausgewogen war, kann nicht beurteilen, weil ich mich damit zu wenig befaßt habe. Mein subjektives Empfinden dieses Wahlkampfes ist jedoch, daß CDU und FDP sich zu wenig als "Wadenbeißer" bei Rot-Grün betätigt haben um den WählerInnen einen Wechsel schmackhaft zu machen; sowohl bei den Slogan der Wahlplakate als auch in der öffentlichen Präsenz. Wenn ich am Samstagmorgen zum Brötchenholen zum Bäcker geradelt bin, habe ich in den Wochen vor der Wahl in der durchzufahrenden Einkaufsstaße einen Stand von CDU und FDP (von Grünen und Linken aber auch) höchst selten gesehen, während z.B. die SPD dort am Samstagmorgen zwischen 10 und 11 Uhr regelmäßig präsent war. Für einen beabsichtigen Machtwechsel war das alles (wohlwollen formuliert) etwas halbherzig.
Die Slogans auf den Wahlplakaten waren halbherzig. Das ist etwas, was wir durchaus angemerkt haben. Aber hier wurden auch Fehler in der Wahlkampfvorbereitung gemacht. Zu den Ständen: Das ist Sache der OVe. Mein OV hat in drei Wochen 12 Wahlkampfstände absolviert. Das sind vier Infostände pro Woche. Plakate sind vom LV geliefert aber auch durch die OVe herausgehängt worden. Gleichzeitig haben die OV-Mitglieder die Flyer selbst gesteckt, was nichts anderes bedeutet, dass ich persönlich, aber auch die anderen Mitglieder selbst, mehrere tausend Briefkästen selbst auf und zu gemacht haben. Um es auf den Punkt zu bringen ich war alles zusammengerchnet in meinem Stadtteil allein 22 Stunden zu Fuß unterwegs um die Flyer zu stecken. Meine Frau kam noch mal gut auf acht Stunden mit dem Fahrrad. So etwas können andere mit der Post bzw. über Zeitungsbeilagen machen. Andere OVe aus meinem KV haben das selbst bezahlt. Die finanziellen Mittel standen uns hier leider nicht zur Verfügung.
Dazu kommt, dass viele von uns noch den JuLis im Wahlkampf beigestanden haben, an Podiusmdiskussion mitgewirkt haben oder eben auch bei der organisation von Veranstaltungen angespannt waren. Auch ein Grund warum ich die letzten Wochen hier kaum ein Ton geschrieben habe. War ja zwischendurch froh, dass meine Frau mich noch erkannt hat, wenn ich denn dann mal zu hause war. Du musst dazu wissen, dass in meinem OV nicht ein Mandatsträger sitzt, also die Leute sich Urlaub genommen haben bzw. ihre ganze normalen Tätigkeiten haben schleifen lassen.
Das war jetzt der zweite Bürgerschaftswahlkampf, den ich als Funktionsträger mitgestalten durfte. Vor vieren Jahren als Organisator der JuLis diese Jahr als Voristzender meines OV. Dieser Wahlkampf war um einiges intensiver und besser als der vor vier Jahren. Weshalb ich auch zu dem Schluss komme, dass wir schlicht durch Wahlkampf nicht das ausgleichen können, was in Berlin durch teilweise vermeintliche und eben teilweise wirkliche Fehlentscheidungen in die Binsen gegangen ist. Hinzu kommen die Personalquerelen der letzten Jahre, die sich im Moment wieder zuspitzen. Wobei die Basis der Partei gestern, durch ein paar Basismitglieder zu einer offenen und inoffiziellen Mitgliederversammlung eingeladen hat, um die Partei von grundauf zu reformieren. Kann auch sagen, dass ich mich daran intensiv beteilige. Die FDP hat viel Kredit verspielt. Dies können wir imho nur wieder reinholen, wenn wir uns als eine Bürgerpartei neuerfinden und etablieren. Dabei gehört auch die Öffnung nach Außen. Man die Menschen bei den Inhalten mitdiskutieren lässt. Dies haben wir ja schon bei Wahlprogramm gemacht, die Resonanz war relativ mau. Was aber auch daran liegt, dass sich ein solches Instrumentarium erstmal etablieren muss. Dazu war die Vorlaufzeit von gut einem 3/4 Jahr (inkl. dem Verlust des Fraktionsstatusses in der Bürgerschaft) zu kurz.
Es gibt viele Dinge, die man ansprechen kann, die Schief gelaufen sind. Aber ich kann eben auch sagen, dass sich die Wahlergebnis in OVe, die kaum Stände gemacht haben, sich nicht von denen unterscheiden, die wir in unseren Stadtteilen geholt haben. Die Marke ist verbrannt, sodass dir schon kaum einer wirklich zuhört, welche Inhalte du anzubieten hast. Diese Wahl war für uns keine Bremenwahl, sondern in erster Linie ein Denkzettel in Richtung Berlin. Nur, dass die es nicht merken werden.