Nungut, die Bewertung der Verdienste von Daniel Jensen waren stets subjektiver Natur. Ich würde seine Leistung in den vergangenen sieben Jahren zwar insgesamt etwas höher bewerten als Du, räume aber ein, dass es aufgrund vieler kleinerer und einiger größerer Blessuren durchaus so war, dass er recht oft und teilweise auch lange außer Gefecht gesetzt war und so die Bewertung der Gesamtleistung Jensens möglicherweise sehr auf die Saison 2007/08 fokussiert und daher etwas verklärt ist.
Nichtsdestotrotz, und da sind wir uns offenbar einig, war der Abschied im besten Falle unglücklich, in meinen Augen absolut unwürdig, wenn man bedenkt, dass Jensen sieben Jahre für Werder am Ball war.
In Sachen Vranjes und Husejinovic gehe ich mit Dir ebenfalls ziemlich d´accord, muss sogar sagen, dass ich die konsequente Nichtberücksichtigung beider aus rein sportlichen Gründen stets befürwortet habe, während ich mich zumindest im Fall Vranjes des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Entscheidung der sportlichen Leitung auch etwas mit dem Fall Klasnic und der Verbundenheit und Loyalität Vranjes´ zu Klasnic zu tun hat.
Wie dem auch sei, es wäre wünschenswert gewesen, wenn man alles daran gesetzt hätte, sowohl Vranjes, als auch Husejinovic sehr zeitnah von der Payroll zu bekommen - und somit auch aus dem näheren Umfeld der Mannschaft, an der die Sache schließlich auch nicht spurlos vorbei gehen konnte. Unabhängig, wie isoliert ein Spieler insgesamt auch sein mag, irgendwelche Seilschaften in die Mannschaft hinein wird er auch nach seiner Ausbootung noch haben - und wenn es nur die temporär unzufriedenen sind, die in ihm einen Leidensgenossen sehen.
Womit wir auch beim Thema wären: Die Unzufriedenheit schien in dieser Saison recht ausgeprägt zu sein, wie man auch festhalten muss, dass die Mannschaft insgesamt nur selten geschlossen aufgetreten ist.
Hier ist spätestens zu Beginn der letzten Saison etwas aus dem Ruder gelaufen, das weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Saisonverlauf nehmen sollte, schließlich muss man leider festhalten, dass die Disziplinlosigkeiten der vergangenen Saison wohl so quantitativ wie noch nie unter Thomas Schaaf waren.
Aus diesem Blickwinkel bin ich durchaus geneigt, mich auf den von Dir vorgetragenen Standpunkt einzulassen, dass man jetzt wie künftig in Fällen wie dem von Testroet knallhart durchgreifen solle, bzw. müsse - auch, wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass es sich um eine in Ursache und Wirkung unverhältnismäßige Maßnahme ist, die wahrscheinlich nicht jeden mit dieser Wucht getroffen hätte.
Auch, wenn es wie so ziemlich alles, was Werder derzeit betrifft, sehr spekulativ ist, so ist es allerdings auch sehr wahrscheinlich, dass die von Dir angesprochene Autorität des Trainers bereits stark angekratzt ist - und das ein weiterer Grund für einen relativ großen Umbruch ist, wobei es angesichts der Fehlentwicklungen der letzten Jahre eigentlich keiner zusätzlichen Gründe bedarf...
Insofern kann man zumindest nicht ausschließen, dass an Jensen und Testroet ein Exempel statuiert wurde, um die Richtung für die kommende Saison bereits zur ausklingenden Saison vorzugeben.
Unter diesem Aspekt würde ich die Maßnahmen gegen Jensen und Testroet durchaus für richtig erachten - wobei ich noch einmal betonen möchte, dass ich sie in einem funktionierenden Teamgefüge mit einer intakten Autorität des Trainers für unverhältnismäßig halte. Manchmal jedoch heiligt der Zweck die Mittel.