Dennoch wird fraglos immer nach Verstärkungen für alle Mannschaftsteile gesucht, wie die Neuverpflichtungen im Winter und im Sommer gezeigt haben. Ein "Weiter so wie bisher" kann ich auch nicht erkennen. Zwar gibt es ein grundsätzliches Konzept, das über Jahre Bestand hat, aber an den Feinheiten ist während der gesamten Zeit immer wieder geschraubt worden.
Das sehe ich mit Verlaub deutlich anders. Vor allem Letzteres.
Dass wir heute eine Mannschaft haben, die nicht zusammenpasst, hat zwar nicht zwingend mit "Konzeptlosigkeit" zu tun, aber meiner Ansicht nach damit, dass KATS es aus unerklärlichen Gründen seit geraumer Zeit nicht mehr schaffen, zu ihrem Konzept/System kompatibles Spielerpersonal zu verpflichten, aus den eigenen Reihen zu fördern oder wie auch immer.
Diese Entwicklung lässt sich in etwa seit 2005 beobachten. Auf Ismael und Ernst kamen Frings und Naldo. Ein Stratege mit hoher Spielintelligenz und ein Abwehrorganisator wurden durch zwei Spieler ersetzt, die drangvoll und zweikampfstark sind, Qualitäten in der Balleroberung sowie in der Offensive haben, aber eben nicht für Ordnung, Organisation, Spielverständnis stehen. Schon hier hatte man Intelligenz durch Spektakel ersetzt, ein Problem, welches bis heute ursächlich für die derzeitigen Probleme ist. Nach Micoud wurde Diego geholt, ein Fussballer mit großartigen, individuellen Fähigkeiten, der für besondere Momente stand und die hängende Spitze mit dem wichtigen Überraschungsmoment hätte sein können, die uns in den Jahren vorher fehlte. Dazu mit Almeida ein reiner Mittel-/Stoßstürmer, mit Rosenberg ein reiner Konterstürmer.
Das waren allerdings drei Spieler für Positionen, die es in unserem flexiblen Rauten-System und in unserer Spielausrichtung nicht gab. Soweit erstmal okay, wenn die Absicht die gewesen wäre, eine Systemumstellung zu forcieren und damit dem veränderten Spielerpersonal Sorge zu tragen. Dann hätte man KATS erneut Weitsicht attestieren können, denn nach so vielen Jahren auf dem zu beharren, was einen noch oben geführt hat, bedeutet auch einen Mangel an Variabilität. Das ist wie in Unternehmen, die nur Leute einstellen, beschäftigen oder fördern, die so denken wie der alte Vorstand /Geschäftsführung. Dann bleiben Innovation und generell Flexibilität und Fortentwicklung vor der Tür, was in der Regel Stagnation und schleichende Rückschritte zur Folge hat.
Doch man hat die Raute und die offensive Spielausrichtung gnadenlos durchgezogen mit dem Ergebnis, dass der einst gefürchtete Kombinationsfussball nach und nach verschwand, die Konteranfälligkeit noch mehr stieg und Werder kontinuierlich schlechteren Fussball spielte.
Weiter verschärft wurden diese Defizite mit dem Baumann-Abgang für den keinerlei adäquater Ersatz geholt wurde. Wobei auch der Marin-Einkauf 2009 gewissermaßen sinnbildlich für diese Politik steht. In welchem unserer Systeme ist er effektiv einsetzbar? Das war schon letzte Saison die Frage und ist es immer noch.
Vergangene Saison waren die Defizite auf unserer zentralen Achse zunächst nicht so offensichtlich, weil Bargfrede im ersten Jahr einen phänomenalen Einstand hatte, Frings noch einmal zur Höchstform auflief aber vor allem, weil eine sehr variable Offensive hinreichend Entlastung schaffte. Offensichtlich wurden die Probleme im DM erstmals während der 5- Niederlagen- Serie, als die Offensive nicht mehr entlastete, weil Özil im (nachvollziehbaren) Tief steckte. Und dieser Offensive wurde nun zu allem Überfluss das Gehirn rausgerissen.
Selbst in der mäßigen Saison 08/09 hatten wir mit Baumann, Özil und Pizarro noch drei Spieler mit der Intelligenz, die uns heute bitter fehlt. Besonders wenn der letzte davon - Pizarro - ausfällt. Darauf hätten KATS mMn reagieren müssen. Die Reaktion waren Wesley und Arnautovic für 15 Mio., die sich beide als nichts von dem erwiesen haben, was uns hätte sofort helfen können und müssen.
Im Ergebnis dieser schleichenden Entwicklung haben wir derzeit eine Mischung aus Kämpfern und Individualisten auf dem Rasen, die als Mannschaft nicht zusammenspielen können, da ihnen das handwerkliche Rüstzeug in Form taktischer Maßgaben oder Schulung fehlt, die Spielintelligenz, dieses selber zu erlernen und umzusetzen sowie die Nebenleute, die es beibringen können.
Und damit haben wir das, was wir Woche für Woche bestaunen dürfen: es wird zu spät gestört, Pässe in die Tiefe werden nicht unterbunden, das Verschieben funktioniert nicht, wodurch unsere Außenverteidiger ständig in Verlegenheit gebracht werden. Offensiv wird ebenfalls nicht schnell nach vorne gespielt oder stümperhaft der Ball verloren, was wiederum mit einer schlechten Abstimmung zu tun hat. Solange wir keine Struktur ins OM bringen und uns zusätzlich einen Frings auf dieser strategisch wichtigen Position leisten/leisten müssen, werden wir in der BL schwerlich wieder nach vorn kommen.
Für mich eine Folge sowohl konfuser Kaderpolitik (Scouting), als auch taktischer Weiterentwicklung. Und dafür erhalten wir gerade brachial die Quittung.