Sieht man seine Leistungen im Vergleich zu seinen Teamkollegen, ist eine Beurteilung wie "er bringt es nicht mehr" in meinen Augen zu vernichtend. Gerade in der aktuellen Situation ist er trotz fallender Formkurve einer der wichtigsten Bestandteile, weil er die oben genannten Tugenden vorlebt.
Er steckt momentan genauso in einem Loch, wie der Rest. Dass er es generell "nicht mehr bringt" halte ich für Quatsch, denn grade erst ím Spiel gegen die Bayern zeigte er, daß er immer noch in der Lage ist, einen Schweinsteiger bspw kpl. aus dem Spiel zu nehmen.
Ich wiederrum halte die These für gar nicht so weit her geholt, wenngleich der Ausdruck "nicht mehr bringen" immer etwas zu hart erscheint.
Er ist gelernter Stürmer, das hat er auch bis Anfang 20 gespielt. Wenn Du als solcher die Jugendmannschaften durchläufst, lernst Du nicht wirklich, mit welcher Dynamik sich ein Spiel vor Dir entwickelt/entwickeln kann, lernst kaum, taktisch korrekt zu reagieren und antizipieren, Räume zu erkennen, die es zu "bereinigen" gilt usw. Eine "Umschulung" in einem bestimmten Alter ist dann schon schwierig, besonders wenn nicht ausreichend Spielintelligenz vorhanden ist.
Frings Qualitäten liegen und lagen schon immer vor allem im physischen Bereich. Hohe Laufbereitschaft gepaart mit ungemeiner Zweikampfstärke - wann hat TF denn früher mal einen Zweikampf verloren? Und wenn doch, hat er sich die Pille vom Gegner zurückgeholt. Und bei allen Mängeln in der Spieleröffnung, die es berechtigterweise bei ihm zu kritisieren gibt, ist er doch öfter derjenige, der den langen Diagonalball zum Mann bringt. Zwar den langen Ball, aber trotzdem. Funktioniert das nicht, spielt(e) er den Sicherheits-Quer- oder Rückpass. Das ist nicht überragend, aber im Idealfall einer funktionierenden Mannschaft immer noch ein gutes, weil sicheres Mittel. All diese Fähigkeiten waren Anlagen, die ihn qualifizierten zu einem flexiblen Mittelfeldspieler internationaler Klasse, einem ballerobernden Antreiber mit Tordrang. Schaaf hat das damals erkannt und ihn daher zügig zum Mf-Spieler umfunktioniert. Einzig die Gestalterqualitäten und das strategische Gespür fehlten ihm einst zur Weltklasse. Als zentralen DM habe ich ihn allerdings nie gesehen.
Es ist aber nunmal (leider) so, dass die Physis im Alter abnimmt und da TF fast alle seine Stärken in diesem Bereich hat, verlagern sich diese Stärken eben zu ungunsten der Schwächen. Ihm ist der Wille, zu laufen und zu kämpfen immer anzusehen, aber er vermittelt den Eindruck, dass sein Körper es schlicht nicht mehr hergibt. Das in Kombination mit den alten Schwächen, ein Spiel von hinten heraus lesen und ordnen zu können, ist geradezu das Fatale. Früher hat er Räume, die er nicht erkannt hat, einfach zugelaufen oder Bälle dann eben im direkten Zweikampf zurückgeholt und dann gings mit Dampf nach vorne. Heute kann er ersteres nur noch sehr bedingt leisten, aber versucht letzteres trotzdem - natürlich auch, um der Truppe offensiv zu helfen. Aber genau das ist das Problem und das sehe ich anders als Sascha79. Naja, und erschwerend hinzu kommt dann eine unstrukturierte, wenig spielintelligente Mannschaft, die die Defizite des Kapitäns in keinster Weise ausgleichen kann.
Ich denke, TF hat letzten Sommer den Zeitpunkt verpasst, die Schuhe an den Nagel zu hängen. Er hatte noch einmal alles rausgeholt und eine gute Rückrunde gespielt, obwohl auch im Verlauf der letzten Spielzeit schon deutlich zu sehen war, dass es immer schwieriger wurde. Und letztlich hatte der Bundes-Jogi bereits bei der EM 08 erkannt, dass der N11 mit dem Duo Ballack/Frings im zentralen DM das Quäntchen taktische und spielerische Fähigkeiten fehlte zur Umsetzung seiner Spielidee.