Schön dass trotz aller Emotionen nach diesem Grottenkick noch jemand zu einer nüchternen Analyse in der Lage ist, die sich nicht nur auf Schaaf und Allofs beschränkt, sonder den Blick auf das Gesamte richtet.
Ich habe auch schon öfter angemahnt, dass man künftig nicht nur auf fußballerische Qualitäten achten sollte, sondern auch versuchen sollte den Charakter und vor allem die Teamfähigkeit zu beurteilen. Ich hoffe, dass sich hier bei zukünftigen Transfers etwas verändern wird.
Es spricht sicherlich nichts dagegen, auch mal einen schwierigen Charakter in die Mannschaft einzubauen. Wenn die Mischung im Team stimmt, wird er schon von der Mannschaft zurechtgewiesen. Nur darf man nicht ausschließlich auf solche Spielertypen bauen, weil es die einzige Chance ist, Ausnahmespieler nach Bremen zu lotsen. Dann hat man irgendwann einen Kader voller hochwertiger Individuen, mit denen man aber keinen Blumentopf gewinnen kann. Mit mannschaftlicher Geschlossenheit kann man m.E. wesentlich mehr erreichen als das Augenmerk ausschließlich auf spielerische Klasse zu legen. Wie sagte Otto Rehhagel mal: "Mit 11 Herzogs würden wir kein Spiel gewinnen".
Ich glaube nicht, dass im Sommer die halbe Mannschaft aussortiert wird - und hoffe es auch nicht. Denn ohne die Millionen aus dem internationalen Wettbewerb so viele Lücken zu schließen, ist ein sehr hohes Risiko. Man kann aber den Anfang machen und ein Zeichen setzen, indem man bei den Abgängen keine Rücksicht auf Namen oder langjährige Vereinszugehörigkeit nimmt. Wenn es bei Jensen und Pasanen nicht mehr reicht oder man eine bessere Alternative für Frings hat, dann haben diese halt das Nachsehen. Eine Vertragsverlängerung, weil sie immerhin noch pflegeleichte Alternativen sein können, dürfte an der Situation nichts ändern. Es gilt, bestimmte eingefahrene Strukturen und Mechanismen auch mal aufzubrechen. Man hat manchmal den Eindruck, dass gewisse Gesetzmäßigkeiten des Profigeschäfts am familiären Bremer Umfeld vorbeigegangen sind. Im Sommer hat der Verein die Chance, hier etwas grundlegendes zu ändern. Das Aussortieren von müde wirkenden Spielern und das einkaufen frischen Blutes wäre ein Signal in diese Richtung.
Da sich an der grundsätzlichen Ausrichtung des Vereins nichts ändern wird, halte ich KATS nach wie vor für geeignete Kräfte, diese Veränderungen umzusetzen. Werder wird weiterhin ein "Ausbildungsverein" bleiben, in dem Spieler mit einem gewissen Format heranwachsen sollen. Dies muss innerhalb des uns bekannten Umfeldes passieren, und wer kennt diese Gegebenheiten besser als Schaaf und Allofs? Da hilft uns zumindest kein Trainer oder Manager, der uns in Rekordzeit in der Champions League etablieren will.