So, jetzt habe ich es endlich geschafft, mich durch die elendig vielen Seiten der letzten Tage durchzuwühlen. Ich musste schon schmunzeln, dass ausgerechnet ein User mit dem Namen "Zyniker" in der Lage war, mit einem sehr sachlichen Post die sehr ins Lächerliche abdriftende wieder in vernünftige Spuren zu bringen.
Mich wundert sehr, wie von beiden Lagern in dieser Diskussion, immer wieder dem anderen Lager vorgeworfen wird, nur zu spekulieren, um dann als Argumentationshilfe selbst wieder Spekulationen in den Ring zu werfen.
Keiner weiß, was wirklich passieren wird und in diesem Geschäft gibt es so viele Unwägbarkeiten, dass Entscheidungen immer wieder aufgrund von Annahmen getroffen werden. Manchmal treffen sie zu - manchmal nicht. Dementsprechend darf man KA einzelne Fehleinschätzungen nicht vorwerfen, da sie einfach passieren und auch jedem anderen BL-Manager passieren. Kritisch wird es, wenn die Anzahl der Fehleinschätzungen überhand nimmt und die Quote einfach nicht mehr stimmt. Und meiner Einschätzung nach hat sich bei KA diese Quote in den letzten Jahren stetig verschlechtert. Ihn deswegen vom Hof zu jagen würde ich als nicht angebracht halten, aber das blinde Vertrauen darauf, dass KA schon wissen wird, was er macht und dass alles gut wird, will sich bei mir auch nicht mehr so einfach einstellen.
Aus meiner Sicht empfinde ich den Verkauf von Almeida zum jetzigen Zeitpunkt als falsch. Ich weiß natürlich auch nicht, wie er in der RR für Werder gespielt hätte und werde es auch nicht mehr erfahren, aber wenn er nicht verkauft worden wäre, hätte es wenigstens die Möglichkeit gegeben, dass er weiterhin so gut spielt, dass er Werder aus der Abstiegszone herausschießen kann. Diese Möglichkeit hat man sich jetzt verbaut. Dafür hat man ca. 2 Mio mehr auf dem Konto.
Die Frage ist nun, was Werder macht. Auf der einen Seite hat man die Möglichkeit, noch im Winter einen Ersatz zu holen. Dieser sollte meiner Meinung nach am besten noch bis zum Beginn der Vorbereitung präsentiert werden, damit überhaupt die Chance besteht, dass er sich schnell in die Mannschaft einfügen kann und möglichst mit Rückrundenstart eine Verstärkung darstellt. Je später dieser Ersatz kommt, desto weniger glaube ich dran, dass er Werder in dieser Rückrunde wirklich helfen kann (und ich sehe diese Rückrunde als unheimlich wichtig für Werders Zukunft der nächsten Jahre an - sollte Werder absteigen, so befürchte ich, dass es sich um weit mehr als nur einen Betriebsunfall handelt, der schnell wieder repariert werden kann).
Die andere Möglichkeit ist die, dass man bei Werder auf die vorhandenen Spieler setzt, ohne jetzt einen Ersatz für Almeida zu verpflichten. Das kann gut gehen (wenn Pizza gesund bleibt und Arno dazu in der Lage ist, konstanter seine Klasse zu zeigen). Dann hat KA alles richtig gemacht und hat im Sommer 2,x Mio (Ablöse plus einespartes Gehalt) mehr zur Verfügung. Wenn es aber schief geht (sprich: Werder absteigt), dann wird nicht nur ein KA sicher einiges zu erklären haben. Und ich mache mir Sorgen, dass genau das passiert.
Ich habe gerade den
Artikel in der Kreiszeitung gelesen, in dem es um die Nachfolge von Almeida geht:
Gute Spieler und nur so einer kann Werder wirklich weiterhelfen sind teuer. Sie hängen nicht als Schnäppchen am Tannenbaum. Diesen Wunderstürmer gibt es nicht, der jetzt kommt, eine Torgarantie und auch noch zu bezahlen ist, sagte Sportchef Klaus Allofs, der einen Megadeal von vier und sechs Millionen Euro Ablöse ausschließt.
Wenn 4-6 Millionen schon ein "Megadeal" sind, wo man gerade 2 Mio eingenommen hat, dann mache ich mir echt Sorgen um die finanzielle Lage bei Werder. Wie schon von anderen erwähnt wurde, so erinnere auch ich mich an die Worte von KA aus dem letzten Sommer, nämlich dass die CL-Einnahmen nicht ausgegeben werden, bevor die Quali in trockenen Tüchern ist, und dass selbiges auch für die Einnahmen aus dem Verkauf von Özil gilt. Wenn ich mich recht erinnere, dann ist nach der Quali und dem Verkauf von MÖ nur noch Silvestre dazugestoßen. Wo ist also das ganze Geld? Natürlich können wir nicht erwarten, dass KA der Presse (und damit uns) immer die reine Wahrheit erzählt, aber wenn er hier nicht die Wahrheit gesagt hat, dann frage ich mich, wo er evt. noch nicht die reinen Fakten auf den Tisch gelegt hat. Ich für meinen Teil denke da sehr stark an den Stadionumbau ...
In dem gleichen Artikel findet sich übrigens auch noch folgendes:
Lakic schon in der Winterpause zu verpflichten, dürfte nahezu ausgeschlossen sein. Lauterns Trainer Marco Kurz stellte im kicker unmissverständlich klar: Eine Trennung im Winter ist überhaupt kein Thema. Für uns wird die Rückrunde schwer genug da wollen wir keine Qualität verlieren.
Ich frage mich, warum man eine solche Aussage nicht von KA gehört hat. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Kaiserslautern finanziell so viel besser dasteht als Werder, als dass die leichter auf eine evt. Ablösesumme verzichten könnten. Und wenn doch, dann würde mir erst recht Angst und Bange vor Werders finanzieller Situation.
Eine Anmerkung noch zu dem Argument, dass HA von Werder weg wollte und recht wahrscheinlich keine Leistung mehr gezeigt hätte oder sogar ein Unruhefaktor wäre, wenn Werder nein gesagt hätte: ich frage mich, was ihr für eine Einstellung zu Verträgen und eurer Arbeit habt. Wer - wie es als Argument gekommen ist - bereits dreimal vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen wurde, weil er ein neues Angebot hat, der sollte sich mal eher Gedanken darüber machen, wieso seine jeweiligen Arbeitgeber so locker auf ihn verzichten können. Natürlich ist es legitim, mal anzufragen und es ist immer möglich, dass es zu einer solchen Vereinbarung kommt, wenn es für beide Seiten von Vorteil ist (Win-Win-Situation), aber wenn einer der beiden Vertragspartner auf Erfüllung des Vertrages besteht, dann ist es eine Selbstverständlichkeit, dass dieser Vertrag dann auch vernünftig erfüllt wird. Nur, weil es Beispiele von unprofessionellem Verhalten gab, kann man doch nicht davon ausgehen, dass es eine Selbstverständlichkeit ist. Wenn hier schon so viel von Beleidigungen und Unterstellungen schwadroniert wird, dann kommt es in meinen Augen tatsächlicher einer Beleidigung nahe, einem Arbeitnehmer so ein Verhalten zu unterstellen, ohne dass es dafür einen konkreten Ansatz dazu gäbe. Wer so etwas behauptet, sagt sehr viel mehr über seine eigene Professionalität, als ihm lieb sein dürfte.
