Genau das sage ich über einen Trainerwechsel.
Ein neuer Trainer bringt vielleicht neue Ideen mit, vielleicht aber auch nur bedingt. Selbst wenn er einschneidende Veränderungen durchziehen will, braucht er dafür anderes Spielermaterial als es jetzt vorhanden ist. Insofern können wir uns schnellen Erfolg durch einen Trainerwechsel schonmal von der Backe putzen. Nötig wäre dann ein Umbruch, der Zeit braucht. Da muss sich was entwickeln, weil man hier nicht eben so 5 Leute auf Champions-League-Niveau holen kann, zumal sie dieses Mal auch endlich mal charakterlich passen sollten. Ein langwieriger Umbruch mit jungen Spielern wäre die Folge.
Das erste Problem würde schon darin bestehen, dass viele dem neuen Trainer diese Zeit gar nicht geben würden. Ein paar Jahre als graue Maus wären wahrscheinlich, und der Verein müsste sich vermutlich heftig gegen den öffentlichen Druck wehren, wenn man nicht einigermaßen schnell wieder oben mitspielt.
Und wenn sich dieser sportliche Erfolg wieder einstellt, ist doch die Frage wie er aussieht. Mit Sicherheit wird man auch dann kein zweites Bayern München sein. Bei Werder müsste weiterhin alles passen, um unter die ersten 3 zu kommen, da man nicht vergessen darf dass die Spitzengruppe in den letzen Jahren gewachsen ist. Dass man seit 2004 nicht mehr Meister geworden ist, liegt eben nicht allein an Werder. Was seitdem passiert ist: Platz 3 (CL-Quali), Platz 2 (CL), Platz 3 (CL-Quali), Platz 2 (CL), Platz 10 (Pokalsieg und UEFA-Cup-Finale), Platz 3 (CL-Quali).
Daran müsste sich ein neuer Trainer messen lassen.
Und: er hätte es einfacher als Schaaf 1999, denn jetzt ist unser Kader mit Nationalspielern gespickt und es sind eben keine Spieler wie Trares, Flock, Benken oder Wojtala für den sportlichen Erfolg zuständig. Insofern kann ich nur den Kopf schütteln wenn uns jemand in der gleichen Situation wie damals sieht.
Verschleißerscheinungen nach 11 Jahren sind in meinen Augen übrigens auch ein konstruiertes Argument, da bei einer permanenten Fluktiation von 3-4 Spielern pro Saison der gesamte Kader innerhalb weniger Jahre umgewälzt ist. Das sieht man ja auch daran, dass vom Double-Team bis heute niemand ohne Unterbrechung im Kader geblieben ist.
Und das stimmt mich auch positiv, dass KATS es am ehesten schaffen können, den Karren aus dem Dreck zu ziehen - wenn man aus vergangenen Fehlern lernt! Dazu gehört für mich, in Zukunft bei Neuzugängen eben nicht nur auf fußballerische Qualitäten zu achten, sondern auch versuchen sollte, Dinge wie Charakter und Identifikation möglichst genau zu beurteilen. Man kann lieber leichte Qualitätsabstriche machen, wenn man es stattdessen einfacher hat ein funktionierendes Team zu formen.
Und genau das fehlt im Moment. Genau dieses Problem hätte auch ein neuer Trainer. Deshalb wäre ein Trainerwechsel für mich blinder Aktionismus und bestenfalls ein kurzfristiges Wegwischen der wirklichen Probleme.