Ein anderer Linksverteidiger würde wenig bis nichts an der aktuellen Situation ändern!
Wer diese Saison intensiv verfolgt hat, der wird neben vielen grauen Haaren und erlittenen Wutausbrüchen vor allem eines entdecken: Mikael Silvestre ist in der Entstehung oder der Vollendung von Gegentoren sehr präsent. Wer aber genauer hinschaut, dem sollte vor allem in den letzten Spielen etwas aufgefallen sein, dass es jedem Linksverteidiger dieser Welt unmöglich macht, eine gute Figur im Werdertrikot abzugeben. Nicht genug, dass die Abstimmung sowieso aufgrund diverser Verletzungen und dadurch Formschwäche dank, bzw. inklusive mangelnder Alternativen nicht gut funktioniert, sondern auf Links sieht sich der Verteidiger Situationen ausgesetzt, bei denen man nur schlecht aussehen kann. Wie oft sah sich der als langsam bekannte Silvestre in den letzten Spielen Gegenspielern ausgesetzt, die aus einem völlig freien Raum mit gefühlten 60 Metern Anlauf auf ihn zurannten? Wie oft durften die sich dann noch aussuchen, ob sie lieber direkt vorbei gehen oder noch einen schönen Doppelpass mit einbauen, schließlich war die Innenverteidigung samt defensivem Mittelfeld ebenfalls passiv und ließ sehr gerne eine Anspielstation frei.
Natürlich bringt Clemens Fritz auf seiner rechten Seite überdeutlich bessere Leistungen als Silvestre. Trotzallem profitiert er aber auch von einer immensen Eingespieltheit, er ist selbst bei den Fehlern seiner Vorderleute sowohl in der Lage, die Katastrophe noch zu verhindern, als auch durch seine jahrelange Erfahrung im Werder-Katastrophenschutz wissenden Auges ob der Vorderleute unterwegs. Heißt: wenn er aus einer Straße mit Vorfahrt kommt und von links einen Wagen auf die Kreuzung zukommen sieht, dann bremst er mittlerweile vorrausschauend und wartet erstmal, um zu sehen, ob der ankommende Wagenführer denn die Verkehrsregeln nicht nur kennt, sondern auch beachtet.
Silvestre hat weder die Abstimmung, noch hat er die Qualität eines Ausputzers. Und es erscheint nahezu lächerlich, dass die gesamte Mannschaft offensichtlich nicht sieht, was die ganze Fußballwelt weiß: Silvestre ist ziemlich langsam. Wie unachtsam, nein: wie dumm muss das Team inklusive Trainer sein, dass es immer und immer wieder zu solch großen Lücken auf Silvestres Seite kommt? Da steht dann der selbstgetaufte Französe wie ein langsames Paddelboot, sieht vor sich das offene Meer und auf einem Jetski kommt dann der Gegenspieler aus der Ferne angerauscht. Das defensive Mittelfeld macht derweil eine Party mit flotten Mädels auf der Yacht im Hafen gegenüber, die Verteidigerkollegen sind in ihren Fischerbooten damit beschäftigt, beim Wellengang nicht abzusaufen und die offensiven Mittelfeldspieler stehen kilometerweit entfernt am Strand und sonnen sich. Wer sich als Erster bewegt, der verliert. Und da wundert sich noch jemand, wenn die Werderjolle schiffbrüchig wird?