So, mit etwas Abstand und nicht mehr der Wut des Augenblicks im Bauch , aber versehen mit einer gehörigen Portion Fassungslosigkeit will ich mich noch mal zum Trainer äußern. Vor kurzem schrieb ich, dass ich trotz allem ein Fan von Thomas Schaaf bin, habe ihn aber trotzdem kritisiert. Mittlerweile hat sich meine Einstellung sehr geändert und ich muss feststellen, dass ich eindeutig für einen Trainerwechsel bin. Bevor das Geschreie kommt, nein ich weiß keine Alternative und mir sind die Verdienste der Vergangenheit sehr wohl bewusst. Aber so wenig das Leben im Konjunktiv stattfindet, so wenig tut es das im Präteritum. Nur, so geht es einfach nicht weiter!
Es ist ja nicht nur das Spiel gestern in Stuttgart und das Ergebnis. Es ist die Chronologie der letzten Jahre. Seit gut vier Jahren schlittert Werder jedes Jahr in eine mittelschwere bis schwere Krise. Da kann man die Uhr nach stellen. Am Ende geht es zwar immer wieder gut aus, aber dass dieses in der Vergangenheit so war, kann und darf kein Freibrief für die Zukunft sein. Das Muster der Krisen ist nämlich in jedem Jahr gleich und genau das ist das beängstigende. Dazu kommt, dass es bei mir mittlerweile eigentlich auch nicht zum Freudensprung kommt, wenn die CL erreicht wurde, da man davon ausgehen kann, dass wir dort eh nur zum auffüllen der jeweiligen Gruppe dienen. Die Bilanz in der CL ist jedenfalls absolut erschreckend.
Darüber hinaus ist es mir ein absolutes Rätsel, wie ein Trainer es über Jahre nicht schaffen kann die augenscheinlichen Mängel im Defensivspiel seiner Mannschaft zu beseitigen. Das ist entweder Ignoranz oder einfach Inkompetenz. Jede Fünftligamanschaft weiß wie man gegen Werder Spielen muss und tut es auch. Das kann mal passieren, aber man darf das doch auf Dauer nicht einfach hinnehmen!!
Was ich aber insbesondere nicht verstehen kann ist dieser Personenkult der hier bezüglich TS herrscht. Warum steht bei vielen die Unantastbarkeit des Trainers hier über allem? Bevor jetzt Einwürfe kommen, ich bin seit über 30 Jahren Werder-Fan und ja, ich habe die Zeit zwischen Rehhagel und Schaaf in Erinnerung. Sehr gut sogar. Das war Horror! Aber es heißt doch nicht, dass es wieder so kommen müsste. Das Management war in dieser Zeit (zumindest was die Trainerfrage anging) konstant überfordert und überhaupt nicht informiert genug um gute Entscheidungen zu treffen. Rehhagel hat in den Jahren davor die gesamte sportliche Kompetenz des Vereins dargestellt und danach mit seinem Abgang ein absolutes Vakuum auch in der Frage seiner Nachfolge hinterlassen. Ich denke, dass man heute professioneller reagieren würde. Nur eine Vermutung.
Trotzdem kann ich nicht nachvollziehen, dass hier von einigen das Schicksal der Person Thomas Schaaf höher gestellt wird, als das des Vereins. Das geht soweit, dass man hier lesen muss, man würde lieber in die zweite Liga gehen, als sich von TS zu trennen! Das ist doch absurd! Werder ist doch kein TS Fan Club sondern ein Fußballverein. Solchen Untergangs- oder Kadavergehorsam hat man zuletzt in Deutschland wohl in den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts gehört.
Am Schluss noch eins: Ich bin und bleibe für einen Trainerwechsel. Egal ob wir am Ende noch Meister werden oder die CL gewinnen. Ich glaube, die Ära Schaaf ist einfach vorbei und wird nur künstlich am Leben gehalten. Ist schade, aber es ist mMn so.