Dazu kommt ein Trainer, der augenscheinlich seine Mannschaft weder taktisch und psychologisch noch im Griff zu haben scheint. Die ständige Wiederholung gleicher taktischer Fehler, muss doch mal irgendwann abgestellt werden können. Das fällt doch jedem Idioten auf, dass wir unsere Spiele immer nach dem gleichen Schema verlieren.
Mit dem Wort "immer" liegst Du eindeutig falsch. Ich würde sagen "immer wieder mal". Denn Schaaf ist sehr wohl in der Lage, eine Mannschaft taktisch und auch psychologisch hervorragend einzustellen und hat das desöfteren bewiesen. Wenn er denn will - und vielleicht auch
muss. Er
muss bei Werder bloß selten, denn hier steht er praktisch nie unter Druck.
So sind es die Spiele wie gestern, bei denen auch ich den Trainer nie verstehen werde. Nachdem ich das taktische Vorgehen in der zweiten Halbzeit von München (darüber schrieb ich bereits - aus gutem Grund), gestern vor dem Spiel die Aufstellung und zu Beginn die Ausrichtung gesehen habe, war mir eigentlich klar, was kommt.
a) mit den vier Offensiven - wahlweise zwei Außen und Doppelspitze hat bei uns noch nie funktioniert
b) Almeida ist und bleibt ein Stoßstürmer, in solch einem System wie gestern ist er und war schon immer verschenkt
c) Frings und Bargfrede sind keine spielintelligenten Strategen, sondern Staubsauger, Zweikämpfer, Läufer und Antreiber. Aber genau in dieser Funktion mannschaftlich unheimlich wichtig. In solch einem System wie gestern werden sie, und das vollkommen unnötig, weil unerzwungen, überfordert.
a), b) und c) sind Erkenntnisse, die wir nun schon so oft gewonnen haben, mir fallen ad hoc das erste Spiel letzte Saison gegen Frankfurt, das in Dortmund oder Teile der Hinrunde 08/09 ein. Daraus wird auch gelernt, umgestellt und wieder erfolgreich gespielt- deswegen stimmt Deine These schonmal nicht. Scheinbar widerstrebt das unserem Trainerstab aber dermaßen, dass sie immer mal wieder in diesen Spleen zurückfallen. Auf diese Weise wird eine ohnehin unsichere Mannschaft unnötigerweise wieder verunsichert, die gerade begann, sich über Ergebnisse Selbstvertrauen zu holen.
Aber wie hieß es hier noch nach dem Spiel in München "die Dinge sind längst abgestellt" oder "Parallelen sind nicht erkennbar".
Ich denke jedoch, das Gesamtpaket "Schaaf" wird auch in dieser Saison positiv ausfallen. Deshalb wird auch die Diskussion schnell wieder verhallen.
Trotzdem stelle ich mir manchmal ernsthaft die Frage, was Trainer wie Dutt, Skibbe, Klopp oder Tuchel mit dieser - zweifelsohne hochbegabten - Belegschaft anstellen würden. Also Trainer, deren primäres Gebot es ist, Respekt vor Stärken und Schwächen des Gegners sowie vor den Stärken und Schwächen der eigenen Mannschaft zu haben und nicht in 90% der Partien den eigenen Stiefel runterzuspielen und fast ausschließlich auf die eigene, individuelle Klasse zu setzen. Schaaf ist unereicht in seiner Fähigkeit, die Individualität einzelner Spieler zu fördern und zu fordern, daher werden wir früher oder später wieder erfolgreich sein. Nur steht die Bundesliga nicht mehr auf dem Stand von 2008. Inzwischen gibt es eine Reihe von Trainern, die auf taktisch-strategischem Gebiet verdammt gut und daher im Vergleich zu den anderen, herausragenden Fähigkeiten Schaaf`s mindestens ebenbürtig sind. Schaaf kann das "andere" auch, ohne Frage. Aber will und muss er es? Wird er es wenigstens so weiterentwickeln, dass wir nicht auf dem gleichen Status stehenbleiben? DAS ist es, was mir Sorgen macht.