Ja und genau das ist der Punkt, wo sich links von rechts unterscheidet. Der rechte Teil der Bevölkerung will, dass die Einkommensschere weiter auseinander geht und die, die (ihrer Meinung nach) viel leisten, auch viel Geld kriegen. Und dass überall maximaler Wettbewerb herrscht.
Will mal sagen, dass ich als Liberaler mich nicht zum "rechten Teil der Bevölkerung" zähle, auch wenn die FDP in manchen Parlamenten rechts vom Redner sitzt.
Und mein Menschenbild geht davon aus, dass ich jedem zutraue ein möglichst hohen Wohlstandsstandard für sich zu erreichen. Das hat auch etwas mit Leistung zu tun.
Linke streben eine gerechtere Gesellschaft an, in der jedem Teilhabe ermöglicht wird.
Will es mal ein bisschen provokant ausdrücken. Der Linke, der es ehrlich meint, strebt eine Utopie an, die es nie geben wird, weil sie der menschlichen Natur zu wieder läuft. Der Mensch braucht eine Motivation, um nach höherem zu streben.
Der Beweis, dass das marktwirtschaftliche demokratische System das bessere ist, ist historisch belegbar. In allen marktwirtschaftlich und demokratisch verfassten Gesellschaften ist das Wohlstandsniveau der "Ärmsten" wesentlich höher als in jeder anderen Gesellschaftsordnung. Der Sozialismus/Kommunismus erreichte bisher immer nur folgendes: Eine Bevölkerung, die insgesamt auf einem vergleichsweise sehr niedrigem Wohlstandsniveau verharrte und eine Kaste von Regierenden, denen es ums zigfache besser ging. Es gibt Statistiken die belegen, dass es dem durchschnittlichen ALG II Empfänger in der Bundesrepublik besser geht als einem Arbeiter in der damaligen DDR.
Das das marktwirtschaftliche System unbestritten auch "Superreiche" hervorbringt ist auch ganz gut. In den meisten Fällen haben sich diese Leute das auch hart erarbeitet.
Und ein Gesundheitssystem, das auf maximalen Wettbewerb ausgerichtet ist, kann ich beim besten Willen nicht gut finden.
Nicht das Gesundheitssystem ansich, sondern das Versicherungssystem. Wobei es eine von allen Versicherungen anzubietende Basisiversicherung zu einem Basistarif geben muss.
Nur grundsätzlich muss man sich doch eine Versicherung aussuchen können, die zu meinen Bedürfnissen passt. Ein kleines Beispiel: Ich bin Brillenträger. Meine KV zahlt mir für ne anständige Brille in Deutschland keinen Cent. Was übersetzt heißt, dass ich für eine gute Brille gerne mal bis zu 600 Euronen los bin. Daher kaufe ich meinen Brillen seit ein paar Jahren immer wenn ich in Jordanien bin. Dort zahle ich zum vergleich für eine Brille gleicher Qualität umgerechnet 50 Euro. Für einen Jordanier ist das nicht weniger als die 600 Euronen für mich. Worauf ich aber eigentlich hinaus will: Ich hätte gerne eine Krankenversicherung, die mir alle zwei Jahre ne neue Brille bezahlt als irgendwelche Volkshochschulkurse im Qui Qong (weiss nicht wie man das schreibt) oder Tai Chi.
In einem wirklich wettbewerblichen System könnte ich mir neben den Basisleistungen, die die großen Gesundheitsrisiken absichert, die Module dazu buchen, die ich für mich als wichtig erachtet.
Unsere alte KV hat zu Beginn des Jahres einen Zusatzbeitrag erhoben. Folglich haben wir die Kasse gewechselt. Wir haben uns also mal umgeschaut und die Leistungen der Versicherungen mit einander verglichen. Die Unterschiede sind so marginal, dass sie kaum erwähnenswert sind. Das ist Käse. Und so ne blöde Mitgliederzeitschrift brauch ich auch nicht. Alles Geldverschwendung.
Und genau diese Wahlfreiheit erreiche ich erst dann, wenn ich die heutigen GKVen und PKVen für alle öffne und in einen Wettbewerb, um die Versicherten stelle, dann werden sie sich nämlich was gescheiteres einfallen lassen, um mich als Kunden (der Begriff Mitglied für GKVen ist schon bescheurt) zu gewinnen. Die Basisbasicherung bekomme ich bei allen Versicherungen zu gleichen Tarif.
Ich zähle Dinge wie Gesundheitssystem, Wasserversorgung, ÖPNV, Rentenversicherung etc. zur öffentlichen Daseinsvorsorge, die der Staat kontrollieren muss und nicht profitmaximierende private Unternehmen.
Das sehe ich ein bisschen anders. Infrastrukturnetze sollten im Eigentum des Staates bleiben. Das hat strategische Bedeutungen. Wer das Netz nutzt, dass sollte der Wettbewerb entscheiden. Was die ÖPNV angeht, so ist Beispielsweise die BSAG eines der ineffzientesten Unternehmen, wenn man den Euro/Leistungseinsatz zu grunde legt. Warum schreibt man das ÖPNV Netzt nicht alle 10 Jahre neu aus, so dass sich verschiedene Anbieter auf das Netz bewerben können?
Rentenversicherung braucht man doch auch nichts mehr zu sagen. Das deutsche Rentensystem ist nicht mehr funktionsfähig, weils die demographische Entwicklung völlig ausser Acht gelassen hat. Auch hier wäre es richtiger eine steuerlich finanzierte Grundabsicherung zu haben. Und alles andere wird Privat vorgesorgt. Hierbei kann man es auch wieder jedem selbst überlassen, wie ers denn gerne haben möchte.