Da gab es allerdings durchaus wichtige Themen. Und die Bekanntgabe der Nr.1 war weit vor der WM. Ich fand´s halt einfach eine Schande für die Tagesschau soetwas nebulöses wie die Nr.1 bei der WM als erste Meldung zu bringen.
Wobei die Tagesschau und Sportjournalismus für mich eher nicht wirklich zusammen gehören - dass in einer generellen Nachrichtensendung über Sport informiert wird, logisch. Und wie die Themenreihung aussieht, hängt von der Nachrichtenlage ab, von der vermeintlichen Wichtigkeit des Themas, von der Laune des CvD, was weiß ich. Dieser Einzelfall definiert eher die generelle Ausrichtung von Nachrichtensendungen im dt. Fernsehen heutzutage und weniger die sportjournalistische Qualität.
Da gibt es ganz andere Kategorien, von denen hier ja schon einige angesprochen worden sind, wobei immer einzuschränken bleibt, dass Sportjournalismus nicht gleich Sportjournalismus ist, genausowenig wie sich realistisch gesehen generell über "die Politiker" oder "die Bayern" herziehen lässt.
Ich nenne mal einige Beispiele: Die großen Patzer des Möchtegernsportsenders Sport1 vom vergangenen Dienstag sind hier ja bereits genannt worden, das darf für meine Begriffe einem Sender, der sich insbesondere dem Fußball verschrieben hat, nicht passieren. Wenn doch, dann doch bitte auch mit seriöser Korrektur. Die Nummer mit Rafinha und Toni ist sonst nämlich nicht nur peinlich, sondern Falschinformation. Allerdings ziehen sich diese Fehler durch das gesamte Nachrichtenangebot bei Sport1, ob im TV oder online. Leider habe ich persönlich den Eindruck, dass es online ohnehin keine wirklich vernünftige Plattform gibt, die seriös und hintergründig aus der Welt des Sports berichtet (11Freunde schließe ich mal aus, weil es mir um Sportjournalismus generell geht und nicht um den rein fußballspezifischen). Weder Sport1, noch Spoxx, noch Eurosport stellen mich da wirklich zufrieden.
Bei den Tageszeitungen ist das was anderes, je nachdem, für welche man sich zu entscheiden pflegt. Bei der BILD ist zwar meist nicht alles wahr und noch öfter alles halb so wild, aber wer sich von der populistischen Meinungsmacherei nicht blenden lässt, kann auch aus den vier Seiten Sport einen gewissen Informationsgehalt ziehen. Die Sportteile kleinerer Regionalblätter sind meist eh nur aus Agenturmeldungen zusammengebaut, die lesen sich so weg, ohne dass es in den Hintergrund geht. Die Sportteile der Überregionalen, wie FAZ und SZ, sind nach wie vor meine bevorzugten Zeitungsteile. Ich war auch lange Jahre der Überzeugung, dass es in Deutschland durchaus den Markt für eine reine tägliche Sportzeitung gibt, aber online und dieses abschreckende Beispiel hier
http://www.der-sport-tag.de/html/index.html haben dem sicherlich ein für allemal einen Riegel vorgeschoben. Den Sport-Tag hab ich mir einmal gekauft, ein stümperhaft zusammengestelltes, miserabel "gelayoutetes" Stück Papierverschwendung.
Letztlich noch Sportübertragungen im Fernsehen, gerade in den ÖR und bei Eurosport. Wenn man´s unkritisch-enthusiastisch haben will, nimmt man Eurosport. Bei den ÖR wundert mich immer wieder, wie man sich nach außen den seriösen, hinterfragenden Anstrich gibt (den man z.B. mit dem Ausstieg aus der TdF-Berichtererstattung eindrucksvoll zu untermauern gedachte), der aber in unzähligen Interviews und Berichten, die einzig und allein der Heroisierung oder der Buckelei dienen, konterkariert wird. Das ist aber weniger "den" Sportjournalisten vorzuwerfen, sondern eher Marktstrategien. Die Journalisten sind da auch nur ausführendes Element einer vorgegebenen Linie. Es macht ja auch mit Sicherheit den Kollegen von Sport1 oder Sky keine große Freude, siebenmal in einem Spiel auf Gewinnspiele oder Abos hinweisen zu müssen.
Achja, Sky. Haben den Schuss nicht gehört, seit 15 Jahren nicht. Aber auch das kein Vorwurf an die Journalisten, sondern an die Geschäftsführung. Ich brauche genau 0 Semester BWL oder Medienmanagement, um den Leuten zu erklären, was sie alles falsch machen...
Fazit: Gibt ein paar Perlen (das hier auch schon genannte Sport inside oder auch die durchaus gut zu schauende Portrait-Reihe Sportclub Stars im NDR, feuilletonistische Sportteile in der Tagespresse, ab und an sogar Highlights in der Liveberichterstattung (dafür eignet sich Radio meiner Meinung nach am besten, die Leute sind jedenfalls mit einer gewissen, nachvollziehbaren Emotion ausgestattet und beschreiben meist sehr angenehm, was sie sehen, anstatt einen mit 70minütigen Zahlenkolonnen verbal zuzumüllen), leider aber auch viel Mittelmaß und gesteuerten Blödsinn. Wer was wissen will, findet´s aber meist, denke ich.