Entschiedener Einspruch!
Das Problem ist nicht die "Vorgabe", sondern das, was nach einer Niederlage hier daraus gemacht wird.
Schaaf hat nicht gesagt "Wir werden Meister!", sondern ist nach den Zielen gefragt worden. Was aber soll man nach fünf CL-Teilnahmen in Folge und einem Dauerabonnement auf die ersten drei Plätze anderes sagen als "Wir wollen natürlich den Titel holen!" ...????
Soll er sagen "Sooo gut sind wir diesmal nicht!" ...??
Oder "Kein Kommentar!" ...??
Nach Werders Bilanz der letzten Jahre ist es eine Selbstverständlichkeit, weiter um den Titel mitspielen zu wollen. Als eine von vier oder fünf Mannschaften, die das auch für sich reklamieren. Es wäre töricht gewesen so zu tun, als könne man nach einer Vizemeisterschaft diesmal KEIN Wort um den Titel mitreden. Wer hätte das verstehen sollen? Wie soll man sich als Mannschaft fühlen wenn der eigene Trainer sagt "Gut, wir waren jetzt Vizemeister, aber für ganz oben wird es wohl nicht reichen." Ist das die Mentalität, die uns weiterbringt?
Schaaf und Allofs haben meines Wissens nie gesagt "Wir sind besser als die anderen!", was meinetwegen ein Anlaß für lautes Murren hier gewesen wäre. Die Wortwahl war immer "Es muss unser Anspruch sein, um den Titel mitzuspielen!"
Was ist daran problematisch? Es IST unser Anspruch, und wir WERDEN um den Titel mitspielen. Nach den SPielen in Mailand und München und auch phasenweise gegen Hoffenheim wäre es Unsinn so zu tun, als seien wir eine Mannschaft, die zwischen 5 und 8 landet, aber nicht mehr. Warum geben hier scheinbar immer nur die schlechten Spiele Aufschluss über Werders wahre Leistungsfähigkeit, aber nicht die Gala-Vorstellungen? Sind die Zufall?
Hier wird so getan, als hätte man als Fan Regressansprüche an Werder, weil sie uns doch die Meisterschaft versprochen haben und nun nur auf Platz 7 stehen. Ich verstehe nicht, warum hier beinahe niemand versteht, dass es in Fußball immer um ein Gesamtergebnis ALLER Spiele geht. Als wir 1993 Meister wurden, waren wir nach sieben Spielen auf Platz 9 (kann man bei Fußballdaten.de nachschauen), und als wir den Europacup gewonnen haben, gab es die ganze Rückrunde hindurch vorher "Rehhagel raus!"-Rufe, wenn ich mich recht entsinne.
Hier wird immer die Kritik an EINEM Spiel verwechselt mit dem unstillbaren Drang, sich zu ereifern, grundsätzliche miese Tendenzen zu erkennen und sofort durch einschneidende Konsequenzen zu beseitigen: System neu, Trainer weg, Kapitän auf die Tribüne setzen, Mannschaft durchmischen.
Würden wir so verfahren, dann wären wir jetzt wahrscheinlich auf der Stufe von Kaiserslautern oder Fortuna Düsseldorf. Und nicht, wie hier manche meinen, auf der Stufe von Manchester United.
@ Linienrichter Jablonski:
Ich glaube, ich bin weitgehend der falsche Ansprechpartner für deine Klagen und Unterstellungen. Weder verteidige oder fordere ich "Regressansprüche" an den Verein. noch gehe ich bei der Beurteilung von Werder nur von schlechten Spielen aus, noch halte ich die guten für Zufall. Insofern kann ich schwer auf deinen "Einspruch" antworten, weil ich mich durch ihn nicht wirklich angesprochen fühle.
Was die Zielvorgabe betrifft, sehe ich es so:
Zunächst mal muss man unterscheiden zwischen dem, was intern und dem, was öffentlich geäußert wird. Das muss nicht das Gleiche sein. relevant in diesem Zusammenhang ist nur, was nach außen gebracht wird.
Natürlich gehört Werder zu den Mannschaften, die aufgrund der letzten Platzierungen mit einer Meisterschaft liebäugeln können.
Das kann man selbstverständlich auch nach außen tragen.
Solche Zielvorgaben werden ja mit Bedacht gewählt und an die Öffentlichkeit gebracht, um was zu transportieren. Und solche offensive Aussagen haben nun Vorteile - sie wirken selbstbewusst, sollen die Anhängerschaft mobilisieren und euphorisieren -, aber die Kehseite davon ist eben, dass man sich je nach Art (d.h. "Offensivität") einer solchen Aussage dann eben auch nicht ganz so wundern muss, wenn aus dem Ziel im Verständnis der Fans mehr ein Anspruch wird. Ähnliches gilt in anderer Weise für die Medien, speziell die Boulevardmedien. Da werden einem solche Äußerungen dann gern mal um die Ohren gehauen.
Dass das "falsch" ist, weil es die Äußerungen Werders missversteht, sehe ich genauso wie du. Aber es ist nunmal so, dass das, was jemand sagt (bzw. meint) nicht notwendigerweise das Gleiche ist wie das, wie es ankommt und verstanden wird. Vor allem, wenn es um unterschiedliche Interessen geht und wenn es eine ganze Branche gibt, die davon lebt, sowas zu verwursten und den Fans derart verwurstet zu servieren.
Ein Beispiel: Wenn ein Medienstar in der Öffentlichkeit ankündigt oder Andeutungen macht, demnächst zu heiraten und/oder ein Kind zu bekommen, ist das ja eigentlich völlig ok (da es wahr und ja auch schön ist), und vor allem selbstverständlich nicht rechtsverbindlich.
Und natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn er anschließend immer wieder damit konfrontiert wird oder wenn er, falls was dazwischenkommt, mit Diskussionen, Spekulationen und Fragen nach Ehekrisen, Unfruchtbarkeit, Zeugungsunfähigkeit, Scheidung usw. konfrontiert wird.
Dennoch war der Urheber u.U. nicht ganz gut beraten, da er die Wirkung seiner Worte auf eine bestimmte Zielgruppe (im Bekannten- oder Freundeskreis wäre das natürlich was ganz anderes) hinsichtlich möglicher Folgen nicht ganz richtig eingeschätzt hat.
Meines Wissens war die Aussage auch nicht, auch wenn das nur Nuancen sind, dass Werder um die Meisterschaft mitspielen wolle, sondern, dass man sich natürlich verbessern wolle, was nach einem zweiten Platz logischerweise nur die Meisterschaft meinen kann. Zudem erinnere ich mich an eine Bemerkung, dass es schon stark wünschenswert sein, mal wieder was "Anfassbares" (=Tropäe) zu gewinnen (sinngemäß). Das Selbstbewußtsein daran gefällt mir auch, aber es hat eben die erwähnten Begleiterscheinungen.
Ich selbst habe mit solchen Äußerungen nicht das geringste Problem, wenn es nicht zu bunt wird, da ich auf sowas eh nicht viel gebe, sondern mir selbst ein Urteil bilde, welche Ziele realistisch sind und welche Ansprüche bestehen müssen.
In dem Zusammenhang ist es natürlich albern, mir zu unterstellen, Werder solle lieber ankündigen, um Platz 5-9 mitzuspielen oder mindestens einschränken, der Titel sei nicht drin und man sei gar nicht so gut. Das habe ich nicht gesagt. Aber wenn man das Wort Titel ausdrücklich offensiv erwähnt, ist das was anderes, als wenn man, sachlich richtig, sagen würde, das Ziel sei, erneut unter den ersten Drei zu landen und sich für die CL zu qualifizieren (was ja einen Titel nicht ausschließt). Aber sowas hat natürlich weniger Signalwirkungund und klingt weniger aufgregend
Nun, wie dem auch sei, ich halte solche Äußerungen für eher Pipifax (und natürlich können sie kein wirklicher Grund für überzogene Ansüprüche sein) und keine wirkliche Diskussion wert; und problematisch (nicht: schlimm) finde ich sie nur hinsichtlich ihrer potentiellen Wirkung auf Medien und Fans, wo sie eine Art Bumerang-Effekt bekommen können, wie es ja gerade ansatzweise zu sehen ist. Natürlich kann man immer argumentieren, das hätte Werder nie so gesagt. Das tue ich je nachdem, was Werder alles für Äußerungen unterstellt werden ("Stürmerkracher vesprochen") auch. Auf der anderen Seite sollen solche Äußerungen ja Signalwrkung haben und man darf sich dann nicht beschweren oder zumindest nicht wundern, wenn sie einem in Krisenzeiten um die Ohren gehauen werden.
Was aber natürlich auch wiederum nicht so schlimm ist, denn sonst würde einem eben etwas anderes um die Ohren gehauen werden.
MFG dkbs