Die Finanzmärkte bringen die Wirtschaft ins Straucheln, die Bürgerinnen und Bürger, vor allem die mit mittlerem und niedrigen Einkommen müssen durch das anberaumte Sparpaket die Zeche zahlen. Pharmaindustrie, Ärzte, Apotheken und Krankenhausbetreiber lassen die Kosten im Gesundheitswesen explodieren und nur wenige Wochen nach dem Sparpaket werden schon wieder die Bürgerinnen und Bürger, vor allem die mit mittlerem und niedrigen Einkommen, zur Kasse „gebeten“.
Um Mißverständnisse vorzubeugen: unser Gesundheitssystem ist eines der besten in der Welt, so daß es auch etwas Kosten darf und muß und leider gibt es Menschen, die dieses System schamlos ausnutzen. Aber: unsere Bundesregierung hat nicht Courage, die Verursacher der Kosten in die Pflicht zu nehmen, sondern schröpft stattdessen die Verbraucher, weil sie sich von den Lobbyisten (in diesem Fall Ärzteschaft, Apotheker und der Pharmaindustrie) massiv beeinflussen läßt: Warum können die Krankenkassen mit Ärzten, Kliniken etc. keine Einverträge schließen, um die Spreu vom Weizen zu trennen zu können? Warum ist der Mehr- und Fremdbesitz von Apotheken – wie in anderen EU-Ländern schon lange selbstverständlich – nicht gestattet, um mehr Wettbewerb zuzulassen? Warum wird die Kassenärztliche Bundesvereinigung verschont, wenn sie trotz ausreichender Quantität ihrem Auftrag, einer vernünftigen Verteilung der Ärzte zwischen Stadt und Land, nicht nachkommt? Warum gibt es keine Positivliste für die Medikamente mit einem nachgewiesenen therapeutischen Nutzen zu angemessen Kosten, damit auch nur diese von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden? Warum werden die Privatversicherten, die i.d.R. über höhere Einkommen verfügen, nicht in die Pflicht genommen?
Diese „Gesundheitsreform“ ist wieder einmal ein Nachweis der Lobbyistenpolitik der Regierung von Union und FDP und selbst die regierungsfreundliche Arbeitgeberschaft warf der Regierung Wortbruch vor, denn „die gplante Erhöhung des Arbeitgeberanteils widerpsricht nicht nur dem Koalitionsvertrag, sondern auch den jüngsten Zusagen der Koalitionsparteien, die Arbeitskosten nicht weiter zu erhöhen“ (Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt) und stoßen damit – wenn auch mit anderen Argumenten – in seltener Einigkeit mit den GEwerkschaften ins gleiche Horn. Ähnlich äußert der Spitzenverband der Krankenkassen, die bei Ärzten und Krankenhäusern ein Sparpotential von 2 Mrd. € sehen, womit die Belastung für die Versicherten niedriger hätten ausfallen können.
Es ist unfaßbar, das die Politik statt auf die Kostenbremse zu treten, der breiten Masse der Bervölkerung immer tiefer in die Tasche greift.