Hätte die offensivere Variante was gebracht? Man weiß es nicht - ich bezweifel es angesichts der Kontrolle und Ordnung im Mittelfeld der Bayern.
Klar - kann man natürlich nicht wissen, ob damit mehr herausgesprungen wäre als ein 0:4 (mit Tendenz zum 0:6). Vielleicht hätte man mit ein wenig mehr Offensive ja 0:8 verloren - mag schon sein.
Wenn ich an das Heimspiel gegen die Bayern zurückdenke - das sah gaaaanz anders aus. Da hat man z.T. regelrecht Harakiri gespielt, ins Offensiv-Horn geblasen, als gäb's kein Morgen, Abdenour gegen Robben aufgeboten - und ? Was kam raus ? Ein 2:3 mit Tendenz zum 2:5 aber durchaus auch Möglichkeiten zum Ausgleich. Und zu der Zeit waren die Bayern schon obenauf und Werder hatte gerade eine eher wackelige Phase.
So offensiv brauchte es gestern sicher nicht sein. Aber wenn man die Bayern Abwehr gleich gar nicht beschäftigt, Pizarro verhungern lässt, Özil einen wichtigen Partner für ein schnelles Spiel in die Spitze nimmt, dann braucht man sich halt nicht zu wundern, wie wahnsinnig souverän die ach soooo tollen Bayern das gemacht haben (eine "taktische" Meisterleistung" ...). Das Traurige ist doch, dass die sich überhaupt nicht zu verausgaben brauchten, weil sie keinen Deut gefordert wurden. Man hat in den paar Szenen, wo man mal in Strafraumnähe auftauchte, doch gesehen, dass die Bayern-Abwehr alles andere als sattelfest ist. Aber wenn man die nicht fordert !? Die beiden alten Männer zusammen schaffen es dann doch, den einen Stürmer halbwegs im Griff zu haben.
Ich breche hier nun schon seit längerem stets die Lanze für unseren Coach und ich halte jedwede grundsätzliche Kritik an seiner Arbeit in den letzten Jahren für völlig daneben - aber: machchmal baut eben auch er Mist - und gestern hat er da ziemlich das Maximum an Mist gebaut, was ich mir bei dem vorhandenen Personal und den Möglichkeiten vorstellen kann.
Also: Grundsätzlich 100% Thomas Schaaf, aber 100% Mist gebaut gestern.
Damit muss es dann aber natürlich auch wieder gut sein. Er wird daraus sicher seine Lehren ziehen und ich hoffe mal ganz stark, dass er jetzt nicht auf die Idee kommt, Marin künftig regelmäßig zur "Jongliermasse" zu machen (das hat er in Gladbach ausreichend kennen gelernt).
Es ist sicher (für die eigene Psyche) einfacher, die Bayern jetzt zur "Übermannschaft" hochzujubeln, als den Finger in die - jedenfalls für mich offensichtlichen - Wunden zu legen. Es ist dabei sicher auch ein wesentlicher Unterschied, ob man sich das Spiel im TV angeschaut hat oder live dabei war - incl. 200+ Euro teuerem Wochenend-Reisepaket. Der "Frust-Faktor" wird tendenziell bei den "Reisenden" etwas höher einzuschätzen sein.