Wie auch immer, Hellmann ist schon einer der kompetenteren Sportjournalisten, wie sicherlich auch hier einige wissen. Der haut sich nichts aus "Effekthascherei" raus.
Mag sein. Ich stehe solchen journalistischen "Nachbetrachtungen" von Spielen halt grundsätzlich skeptisch gegenüber. Da wird mir allgemein zuviel in die Köpfe von Verantwortlichen (hier: Schaaf) reingelegt und es ist nunmal schlicht der einfachste Weg, sich nach solchen Spielen über taktische und personelle "Fehlgriffe" auszulassen. Da unterscheidet sich der Journalist oder Experte nicht vom Forenschreiberling, lässt man das Honorar mal beiseite. Andererseits verstehe ich's ja auch. Worüber will man sonst sprechen, wenn nicht über vermeintlich naheliegende Dinge.
Eigentlich wollte ich ursprünglich nur auf die Schaafsche taktische Ausrichtung gestern hinaus, die scheinbar nicht nur ich so rein überhaupt nicht verstanden habe. Das Bayern die größere individuelle Klasse hat, ist eine Sache, aber Schaaf hat mit seiner Aufstellung und der damit verbundenen taktischen Marschroute sicherlich auch seinen Anteil an der gestrigen Vorführung seitens der bestens aufgelegten Bayern.
Das komische ist: Vor dem Spiel habe ich Aufstellung und taktische Ausrichtung (also die, welche ich gelaubt habe, herauszulesen) verstanden, nach dem Spiel war ich geneigt, sie nicht zu verstehen. Da habe ich mich dann wieder an vor dem Spiel erinnert.
Freilich sind das Allgemeinplätze und Phrasen, die ich jetzt äußere, aber ich finde sie sinniger, als eine hätte-wäre-wenn-Diskussion, wie sie hier geführt wird.
Ich gehe davon aus, dass Schaaf sich bewusst und mit Hintergedanken für eben diese Aufstellung entschieden hat und davon ausging, dass sie funktionieren kann. Ebenso gehe ich davon aus, dass Schaaf die Mannschaft entsprechend vorbereitet hat. War es nun Schaaf's "Fehler", dass es nicht funktioniert hat? Zwischen einem Fehler und dem Nichtfunktionieren einer Idee gibt es für mich eben einen Unterschied, wenn auch nur einen feinen. Aber entscheidenden, was die nachträgliche Beurteilung von Schaafs gestriger "Leistung" angeht.
Ich behaupte übrigens, dass taktisch gestern gar nichts zu gewinnen war. Die Bayern haben in der Rückrunde zu einem nahezu perfekten Fußball gefunden und dies gepaart mit ihrem "Lauf" und der individuellen Klasse (und Erfahrung!) wichtiger Akteure lassen für mich den Schluss zu, dass für Werder gestern nur mit Glück und Fußballgott oder einem überragenden Tag aller Akteure etwas zu holen gewesen wäre, aber nicht mit Marin oder ohne Borowski oder wasweißich für einer Aufstellung und taktischen Ausrichtung.
Bei aller unzweifelhaft vorhandenen Klasse in unserem Kader - dafür reicht es dann eben doch (noch) nicht. Diese 1:1 Spielervergleiche sind dann auch sinnlos, weil ein Özil eben noch lange nicht die Erfahrung und Reife eines Robben hat. Und ein Marin schon gar nicht. Und da habe ich noch nichtmal Rüberü auf dem Zettel. Ebenso macht es keinen Sinn, Frings und den Bargfrede in seiner ersten Profiaison mit Bommel und Schweini zu vergleichen, die beide die bisher beste Saison ihres Lebens spielen und Teil eines nahezu perfekten Mittelfeldes geworden sind. Dieses Bayern-Mittelfeld ist überragend in der Zusammenstellung und der derzeitigen Form der Akteure. Da kann man dann auch mal festhalten, dass unser "Kindergarten" mit Erzieher Frings und Lahmarsch Boro noch lange nicht soweit ist, egal was Schaaf da wie aufstellt.
Und wenn's hier um Schaaf geht, werd' ich nicht müde, zu betonen, was der aus dem Weggang von Diego und dem Ende von Baumi mit den vorhandenen Akteuren plus Marin und Bargfrede in dieser Saison geschaffen hat. Und da ändert das gestrige Spiel nichts dran.