Es geht auch nicht um Schuldzuweisungen. Aber so wie ich das sehe, versucht Allofs grad seinen Job zu machen, und Lemke verweigert ihm das Werkzeug.
Lemke ist für Allofs erreichbar. Für Hickel muss er nicht erreichbar sein, zumal dessen wirtschaftspolitische Ansicht allgemein bekannt ist. Ob der schuldenorientierte Ansatz von Hickel für Werder der richtige ist, sei mal dahin gestellt.
Lemke ist Politiker und versucht wie alle Politiker seinen Kopf durchzusetzen ohne ihn zu riskieren.
Ein Politiker-Verhalten wäre es, wenn Lemke sich im Aufsichtsrat für die Freigabe von nicht vorhandenen Geldern einsetzen würde. So macht er etwas, was für Politiker absolut untypisch ist: Eine unpopuläre Meinung zu vertreten und sich in die Rolle des Sündenbocks zu begeben.
Es ist doch das Unpopulärste überhaupt, Spielerverpflichtungen zu verhindern. Deshalb kann ich auch den Blödsinn nicht mehr hören, dass es ihm nicht um die Sache gehen würde. Lemke hat Allofs und Schaaf in der sportlichen Krise immer den Rücken gestärkt. Der Aufsichtsrat hat den Wolf-Transfer genehmigt, obwohl die Geschäftsführung das auch im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens eingereichte Budget bereits überzogen hatte. Zudem möchte der Aufsichtsrat Allofs einen neuen Vertrag anbieten. Auch das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass Mainz und Hannover zuletzt mit viel weniger Geld sportlich mehr Erfolg hatten. Und schließlich besteht der Aufsichtsrat nicht nur aus Lemke, sondern auch noch aus fünf weiteren Mitgliedern. Dass die alle keinen eigenen Kopf haben sollen, halte ich für eine böswillige Unterstellung.
Abgesehen davon sollte man sich auch mal fragen, aus welcher Ecke manche Gerüchte lanciert werden, z.B. das Gerücht, dass der Aufsichtsrat Allofs ein Ultimatum für Vertragsverhandlungen gestellt hätte. Diese Gerüchte stammen mit Sicherheit nicht von Allofs und auch nicht von Lemke. Wenn man dann sieht, mit wem KNB in der Vergangenheit gut zusammengearbeitet hat, kann man sich den Rest zusammenreimen.
Und wie bitte soll man kreativ EINKAUFEN, wenn der Lemke KEIN GELD für Einkäufe locker macht, es sei denn man verkauft vorher Spieler....
Natürlich gibt es sportliche Notwendigkeiten, es gibt aber auch finanzielle Notwendigkeiten. Und wenn kein Geld da ist, kann man auch kein Geld locker machen, es sei denn, man macht Schulden. Die Genehmigung eines Haushaltsplans ist neben der Besetzung der Geschäftsführung die Hauptaufgabe des Aufsichtsrats.
Diese Saison fehlen ca. 25 Mio. Euro an CL-Einnahmen und anders als in den Vorjahren gibt es diesmal auch keine nennenswerten Transfererlöse. Das ist so, als ob einem Unternehmen zwei "Hauptauftraggeber" wegbrechen würden. Normalerweise muss ein solches Unternehmen Personal abbauen und einen radikalen Sparkurs fahren. Werder hat den Kader aber weitestgehend zusammengehalten und sich noch mit Ekici, Wolf und Schmitz verstärkt. Die meisten Spielerverträge, die zu CL-Zeiten abgeschlossen wurden, laufen aber weiter. Der Verein ist also schon finanziell ins Risiko gegangen. Die Frage lautet nicht, ob Werder ins Risiko gehen soll, sondern wie viel Risiko vertretbar ist.
Ich würde die Verpflichtungen von Sokratis und Ignjovski aus sportlicher Sicht auch absolut befürworten und halte sie auch für "kreativ". Aber weil man sich in letzter Zeit einige Reinfälle wie Carlos Alberto leistete, sind die Möglichkeiten auf dem Transfermarkt ohne Verkäufe nun mal eingeschränkt. Und da nicht nur Werder, sondern die halbe Bundesliga und zahlreiche Klubs aus dem Ausland sparen müssen, ist es zurzeit auch alles andere als einfach, Spieler zu verkaufen. Das ist keine schöne Situation, aber Werder hat nun mal keine Gelddruckmaschine wie Leverkusen (wurde in den letzten beiden Jahren von der Bayer AG mit über 100 Mio. Euro unterstützt) oder Wolfsburg. Und auch andere Vereine wie z.B. der HSV können auf dem Transfermarkt derzeit nicht das umsetzen, was sportlich notwendig wäre.