Hallo zusammen,
nachdem ich ja vor einigen Monaten mal in diesem Thread vorbeigeschaut hatte (und dachte, dass ein Jim Beam Honey evtl. ein guter Einstieg wäre), hat mich das Thema nun wieder gepackt.
Nach ein bisschen Einlesen in die Materie hat nun der erste Whisky Einzug gehalten, es ist der Glenmorangie 10 geworden. Dieser ist vielfach als guter Einstieg angepriesen worden, so dass ich mich für diesen entschieden habe. Umso erfreuter war ich zu lesen, dass dieser auch dieeter empfohlen wurde.
Nun zur Verkostung: Ich gehe mal davon aus, dass die Profis unter uns hier schon alle mit diesem Whisky in Kontakt gekommen sind. Daher spare ich mir Anmerkungen zu Konsistenz und Farbe, besonders weil mir hier auch (noch) Vergleichsmöglichkeiten fehlen.
Der erste Schluck hat also gestern den Weg ins Glas gefunden (in Ermangelung eines Nosing-Glases habe ich ein Grappa-Glas genommen). Dadurch, dass mir dieser Whisky vielfach über den Weg gelaufen ist, hatte ich schon eine bestimmte Erwartung: Vor allem Aromen von Zitrusfrüchten, gefolgt von Vanille und Mandel und sogar Anklänge von Kokos haben Kenner hier bereits herausgeschmeckt und -gerochen.
Bei der ersten Geruchsprobe ist mir in erster Linie Vanille in die Nase gestiegen, und tatsächlich auch ein leichter Hauch von Kokos. Zitrusfrüchte konnte ich dafür überraschenderweise nicht entdecken (auch beim zweiten und dritten Mal Riechen nicht).
Der erste Eindruck im Mund war eher ernüchternd. Ich erwartete die oben beschriebenen Aromen auch im Ansatz zu schmecken, stattdessen hatte ich aber nur Holz im Mund. Nicht besonders ausgeprägt, aber es war das einzige und dominante Aroma. Ein zweiter kleiner Schluck ließ dann noch ein paar Aromen im Hintergrund aufleuchten (besonders im Abgang), aber für mich zu diesem Zeitpunkt nicht weiter definierbar.
Ein kleiner Schluck war nun noch im Glas übrig, aber ich musste dieses für ca. 10 Minuten beiseitestellen, um noch etwas zu erledigen. Zurück am Platz habe ich dann noch mal eine tiefe Nase genommen und konnte nun neben Vanille (Kokos habe ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr wahrgenommen) eine schöne süssliche Note herausriechen, die aber mehr an Honig als an Früchte erinnert hat. Im Mund waren nun mehrere Aromen deutlicher herauszuschmecken, trotzdem für mich noch zu diffus, um diese richtig zu benennen.
Nach ca. 45 Minuten Pause habe ich mir dann ein weiteres Glas gegönnt. In der Nase hatte ich nun neben Vanille auch einen schönen Geruch von Mandel und - man staune - die so oft erwähnten Zitrusfrüchte waren wahrnehmbar. Am Anfang schwächer, mit jeder Minute etwas ausgeprägter. Im Mund machten Sie nun endlich auch eine Vielzahl von Aromen breit, und Vanille/Mandel ließen sich dabei auch deutlich herausschmecken.
Alles in allem war es trotzdem ein bisschen ernüchternd, ich hatte mir doch ein größeres Feuerwerk an Aromen versprochen. Allerdings habe ich auch schon lange keinen hochprozentigen Alkohol mehr getrunken und bin eher das Aromenspektrum von Weinen gewohnt. Und auch wenn der Whisky "nur" bei 40% liegt, gehe ich mal davon aus, dass die Schärfe des Alkohols (das habe ich ganz vergessen zu erwähnen: so weich, wie oftmals beschrieben, fand ich den Whisky übrigens nicht) zunächst die eine oder andere Geschmacksknospe betäubt hat.
Würdet Ihr bei dem vergleichsweise geringen Alkoholgehalt daher zum Mischen mit ein paar Tropen Wasser raten? Aus meiner Sicht liegt der Alkoholgehalt dafür eigentlich zu niedrig. Wenn es allerdings hilft, den Gaumen an den Alkohol zu gewöhnen sowie ein paar mehr Aromen herauszukitzeln, wäre das eventuell mal eine Maßnahme.
Gerne würde ich zum Vergleich auch noch einen weiteren Whisky ausprobieren. Ich habe hier den Glendronach Revival 15 Years im Auge. Würdet Ihr diesen für Anfänger und als Kontrast zu dem Glenmorangie empfehlen?
Last but not least: Ich habe mich in Bremen bei Whis(e)y & More zu einem Seminar inkl. Verkostung angemeldet, Termin ist der 05.09. Ist zufällig auch jemand von Euch anwesend?