Dass ausgerechnet bei Werder das Trainerteam zu wenig täte, um die Spieler und ihre Fähigkeiten zu fördern, halte ich für eine abenteuerliche These. Ich sehe es eher so: Wenn Wesley es hier nicht packt, dann kann er nur noch in einer unterklassigen Liga anheuern und vielleicht in Brasilien ein Star werden. Das Problem, das Schaaf mit ihm hat, ist eben, dass er die taktischen Anweisungen eben nicht umsetzt und somit auf die vielen Versuche, ihm die Basics beizubringen, nur unzureichend reagiert.
Du kannst es ja gerne für eine abenteuerliche These halten, ich vermute dennoch eher das Problem in den taktischen Anweisungen als in deren Umsetzung.
Die Frage ist doch beispielsweise, warum ein Wesley bei bekannten Defiziten ausgerechnet DEN Sechser gibt, gegen einen motivierten Zweitligisten. Wesley durfte das damals schon ein paar Mal in der Vorbereitung spielen, mit gleichem Ergebnis.
Wesley ist von den fussballerischen Anlagen her sicherlich vielseitig einsetzbar, vom Kopf her allerdings nicht. Es ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass Schaaf Wesley als Rauten - Sechser einsetzte, weil er bekanntermaßen Eigenverantwortung und Eigeninitiative von den Spielern auf dem Platz erwartet (dazu passt, dass TS offenbar gerne den Gegner in der Vorabanalyse außen vor lässt in der Hoffnung, dass seine Protagonisten auf dem Rasen im Verlauf einer Partie das Spiel selbst lesen und lernen und wenn` s dann überhaupt nicht geht, greift er wie gegen Köln oder in Augsburg ein) und auf dieser Position in so einem System zeigt sich sehr gut, ob er dazu imstande ist.
Ich glaube, dass das die falsche Herangehensweise bei einem Spieler wie Wesley ist, der sich auf diese Weise kaum entwickeln kann und wird, weil er klare Richtlinien braucht, ergo einen vorgegebenen Handlungsrahmen. Oder ein System mit Nebenleuten, die leiten und führen und klarer Aufgabenteilung. Es muss ihm zunächst taktisches Rüstzeug mit auf den Weg gegeben werden, damit er irgendwann in diesen Dingen BL-Niveau erreicht. Du bringst einen Spieler nicht "in die Spur", wenn Du ihn nicht annähernd gemäß seinen Fähigkeiten einsetzt, sondern überforderst ihn unnötig. Aufgabe eines Trainers ist es, eine funktionierende Mannschaft mit einem Kader von 18 Spielern zu formen und insbesondere in Testspielen sowohl im System, als auch in den einzelnen Positionen eben das zu probieren, was am erfolgversprechendsten ist.
Es reicht dann eben nicht, einen talentierten Spieler auf komplizierter Position auf den Platz zu stellen und sich mal anzusehen, ob er sich irgendwie reinfindet. War das in BS Lustlosigkeit, dass er so viele Fehlpässe spielte, oder weil ihm schlicht Übersicht und Intuition fehlen? Beging er so viele Stellungsfehler und sah danach dumm aus, weil er lustlos ist, oder weil Spielauffassung und Umschaltvermögen schon von den (ungebildeten) Anlagen her und Unterstützung als Sechser fehlten? Für mich sind das eben
auch wichtige Fragen, aber in der Bewertung, die so zu lesen und zu hören ist, geht`s offenbar nur um Einstellung und Einsatzfreude.
Einen wie Wesley musst Du erstmal auf einer Position in einem System einsetzen, die er leichter begreift und umsetzen kann. Was Schaaf da fordert, ist mMn der zweite Schritt vor dem ersten, mit dem erwartbaren Ergebnis. Im Übrigen ist Bargfrede ein vergleichbares Beispiel.
Damit liegt der Schluss nahe, dass Schaaf auf solche Spieler nicht viel Lust hat, wenn sie`s nicht schnell genug selbst begreifen/ sich selbst antrainieren und wenn sie (irgendwo verständlich) irgendwann resignieren und daher zusätzlich Einstellung vermissen lassen, war`s das eben. Leichte Zweifel an dieser Vorgehensweise bleiben. TS` Art der Spielerförderung geht offensichtlich sehr viel von Intelligenz und erwachsenen Leuten aus.
Die Frage ist also eher die, gerade angesichts der Entwicklung vieler Spieler der letzten Jahre, ob tatsächlich die Basics trainiert oder wirklich versucht werden, beizubringen oder schon vorrausgesetzt werden.