Wer liesst denn noch heutzutage?

@werderlpz
Selbstporträt - Helene Beltracchi , Wolfgang Beltracchi
Deine Empfehlung.

Da hatte dieser gute Mann ja ein pralles Leben, alter Schwede. Da er mein Baujahr ist, konnte ich manches aus seiner Jugend gut nachempfinden, und bewegte mich später doch auch ein wenig außerhalb der Norm. Gott sei Dank, oder sollte man sagen "leider", nicht ganz so bewegt.
 
„Isenhart“ von Holger Karsten Schmidt von 2011. Das war noch vor seiner Krimizeit mit dem autistischen Leander Lost („Lost in Fuseta“, wurde auch verfilmt. Geschrieben unter dem Pseudonym Gil Ribeiro). Dies halt ein spezieller Mittelalterkrimi. Gefällt mir gut bisher.
 
Das Buch KAI von Raymond Unger sollte man unbedingt gelesen haben, einem dystopischen Thriller, in dem die Nutzung von KI in den Bereichen Biotechnologie, Klimaforschung und Sicherheitspolitik in eine globale Katastrophe mündet, in der die Freiheit des Einzelnen nichts mehr zählt.

Wer hat sich nicht darüber gewundert, wie bereits 1949 Erich Arthur Blair (George Orwell) einen so präzisen Roman wie 1984 schreiben, oder ein Aldous Huxley bereits 1932 etwas so Bahnbrechendes wie Schöne neue Welt verfassen konnte. Nahezu ein Jahrhundert früher, als es nun bei uns im täglichen Leben langsam, aber sicher ankommt.

Das o.g. Buch ist wirklich sehr lesenswert und könnte schon sehr bald ziemlich real werden. Schon einmal von der Fulda Lücke (Fulda Gap) gehört, nein, ja dann einfach das Buch lesen und verstehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Lese gerade „In den Häusern der Anderen“ Spuren deutscher Vergangenheit in Westpolen. Von Karolina Kuszyk.
Sehr interessant und kurzweilig geschrieben. Teilweise skurril aber auch nachdenklich. Beschreibt auch das Schicksal der Vertreibung. Habe das mal in einem Buchladen in Berlin gesehen und mir gekauft!
Nachdenklich vor allem, wie es sein muss, die Heimat von jetzt auf gleich das Zuhause verlassen zu müssen und (fast) nichts mitnehmen zu können. Und wahrscheinlich nie mehr zurückkehren zu können.
Oder die andere Seite. Dir wird das Haus oder Wohnung zugewiesen und es ist voller Erinnerungen und Besitz von Menschen, die du nicht kennst.
Das Buch ist von einer polnischen Autorin(heute 48 Jahre ), deren Eltern eine Wohnung zugewiesen bekamen, und so aus eigener Erfahrung berichten konnte.
Es ist frei von Politik , was ich begrüße. Sie befasst sich und sprach mit vielen Menschen. Finde es lesenswert
 
Weil es wieder akut wird und viele Menschen keine Ahnung haben, was genau der Sozialismus, Bolschewismus, Kommunismus bedeuten, wie diese Formen zu unterscheiden sind und welche gravierenden Folgen sich hieraus ergeben, empfehle ich folgendes Buch:

"Der Todestrieb in der Geschichte: Erscheinungsformen des Sozialismus"

Das Buch "Der Todestrieb in der Geschichte: Erscheinungsformen des Sozialismus" von Igor R. Schafarewitsch ist eine tiefgreifende, kritische Analyse des Sozialismus als historisches und ideologisches Phänomen. Der russische Mathematiker und Dissident vertritt die These, dass der Sozialismus nicht nur ein politisches oder wirtschaftliches System sei, sondern Ausdruck eines „Todestriebs“ – einer zerstörerischen Kraft, die auf die Aufhebung von Individualität, Familie, Religion und Privateigentum zielt und letztlich den Tod der Menschheit als Ziel verfolge.

Ein zentrales Argument ist, dass Sozialismus nicht erst mit Marx beginnt, sondern bereits in der Antike (z. B. bei Platon) und in mittelalterlichen Ketzerbewegungen (wie den Katharern oder Wiedertäufern) vorweggenommen wurde. Besonders hervorgehoben wird das Inka-Reich als eine der perfektesten Verkörperungen des sozialistischen Ideals, gekennzeichnet durch fehlendes Privateigentum, staatliche Kontrolle aller Lebensbereiche und fehlende individuelle Initiative – was letztlich zu dessen militärischer Ohnmacht gegenüber den spanischen Eroberern führte.

Schafarewitsch war im Übrigen mit Alexander Solschenizyn befreundet, demjenigen, der den Klassiker Der Archipel Gulag schrieb, was das sowjetische Lagersystem als einen über die gesamte Sowjetunion verteilten Archipel, eine abgeschlossene Inselwelt der Unterdrückung und Entmenschlichung bezeichnet.

Wie falsch der Kommunismus liegt, die mehrere 100 Millionen ermordeten Menschen und viele andere Dinge werden hier bestens beschrieben.

Wer hier einsteigt, sollte das Kommunistische Manifest folgen lassen, Marx verstehen und sehen, wie diese Gesellschaft in ihr Unglück abdriftet.
 
Weil der Kommunismus nicht nur eine sehr lange Vorgeschichte hat, sollte man sich mit der "Fabian Society" beschäftigen.

Die Gesellschaft gilt als die älteste politische Denkfabrik Großbritanniens und hat maßgeblich zur Entwicklung der Labour Party beigetragen, die 1900 gegründet wurde. Viele ihrer Mitglieder, darunter George Bernard Shaw, H. G. Wells, Sidney und Beatrice Webb, sowie später Ramsay MacDonald, Clement Attlee, Tony Blair und Gordon Brown, spielten entscheidende Rollen in der britischen Politik. Die Fabian Society fördert den demokratischen Sozialismus, der soziale Eigentumsverhältnisse innerhalb einer demokratischen Verfassung anstrebt, und hat über die Jahrzehnte hinweg durch zahlreiche Publikationen wie die „Fabian Essays in Socialism“ und Tracts zur Gestaltung öfflicher Politik Einfluss auf soziale Reformen ausgeübt, darunter auch die Schaffung des National Health Service. In den 1920er Jahren wurde die Gruppe durchgehend einflussreich in den Kreisen der Labour Party, und die Young Fabian Group, gegründet 1960, dient seitdem als wichtiges Netzwerk für jüngere Aktivisten. Die Organisation ist bis heute aktiv und widmet sich aktuellen Themen wie Armut, sozialer Gerechtigkeit und den Auswirkungen des Brexit.

George Orwell hat sich von der Fabian Society schnell gelöst nachdem er feststellte, dass diese kommunistische Fraktion - Wolf im Schaftspelz - eugenische Bestrebungen hatte. Ein guter Einstieg in das Thema ist das folgende Buch:

Fabian Society - English version

Fabianer bestimmen maßgeblich das Weltgeschehen, denken langfristig und haben ihr eigenes Fenster in der LSE (London School of Economics).

Auf dem Fenster sind Sidney Webb und Shaw dargestellt, die gemeinsam eine neue Welt auf einem Amboss formen, unter einem Emblem eines Wolfes in Schafswolle, das die graduelle Herangehensweise der Fabian Society an soziale Veränderung symbolisiert. Neben den Hauptfiguren sind auch andere prominente Fabianer wie H. G. Wells, Annie Besant, Emmeline Pankhurst, Leonard Woolf und Mrs. Boyd Dawson abgebildet.

Hammering out a new world – the Fabian Window at LSE
 
Zuletzt bearbeitet:
Hab mal mein Wohlfühlgenre, Science Fiction, verlassen und lese gerade Thriller. Etwas leichtere Kost, von daher auch etwas flotter. Hab zb zuletzt mal drei Fitzeks gelesen und freue mich gerade auf Der Gott des Waldes von Liz Moore. Finde den Anfang vielversprechend.
 
Ein weiterer Beweis dafür, wie sehr der Kultur(!)staatsminister Bücher liebt:


Mal abgesehen davon, dass ein analoges Buch (oder sonstiges Printmedium) etwas „bewahrenswerteres“ ist als ein Satz Druckdaten. Weiß der Mann, was die Langzeitdatenspeicherung in Repositorien kostet?
 

Die Reise unserer Gene: Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren von Johannes Krause und Thomas Trappe

Migration und Wanderungsbewegungen sind keine Phänomene der Neuzeit: Seit der Mensch den aufrechten Gang beherrschte, trieb es ihn aus seiner Heimat Afrika in die ganze Welt, auch nach Europa. Bis vor Kurzem lag diese Urgeschichte noch im Dunkeln, doch mit den neuen Methoden der Genetik hat sich das grundlegend geändert. Johannes Krause, einer der führenden Experten auf dem Gebiet, erzählt gemeinsam mit Thomas Trappe, was uns die Gene über unsere Herkunft verraten: Gibt es „Urvölker“? Wann verloren die frühen Europäer ihre dunkle Haut? Welche Rolle spielte die Balkanroute in den vergangenen 40 000 Jahren? Eine große Erzählung, die zeigt: Ohne die Einwanderer, die über Jahrtausende aus allen Richtungen nach Europa kamen und immer wieder Innovationen mitbrachten, wäre unser Kontinent gar nicht denkbar.

Wer sich als Hobbybiologe, Genetiker, Anthropologe für die Geschichte der Menschheit interessiert, der ist hier sehr gut aufgehoben. Ein wenig Wissen über das menschliche Genom ist empfehlenswert, aber ansonsten kommt man auch als Laie gut durch dieses sehr interessante Buch. Johannes Krause war im Team des Nobelpreisträgers Svante Pääbo, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und ein ebenfalls herausragender Fachmann auf diesem Gebiet.

Kurzweiliges Buch und eigentlich ein Muss für jeden interessierten Menschen.
 
Weil es wieder akut wird und viele Menschen keine Ahnung haben, was genau der Sozialismus, Bolschewismus, Kommunismus bedeuten, wie diese Formen zu unterscheiden sind und welche gravierenden Folgen sich hieraus ergeben, empfehle ich folgendes Buch:

"Der Todestrieb in der Geschichte: Erscheinungsformen des Sozialismus"

Der Autor dieses Buches demonstriert vor allem eines: eine bemerkenswerte begriffliche Unschärfe, die man sich bei einem solch elementaren Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts keinesfalls leisten darf. Sozialismus, Kommunismus und Bolschewismus werden von ihm kurzerhand in einen Topf geworfen – etikettiert als „Sozialismus“ –, ohne jede Differenzierung, ohne jedes Verständnis für historische und theoretische Feinheiten zu zeigen.

Dabei ist die Unterscheidung alles andere als akademische Haarspalterei. Sozialismus bezeichnet einen weiten Ideenraum, der auf mehr soziale Gleichheit und eine andere Verteilung von Macht und Eigentum abzielt. Kommunismus hingegen ist eine spezifische, radikalere Ausprägung dieses Denkens, maßgeblich geprägt durch die Schriften von Karl Marx. Und der Bolschewismus? Der war keine Theorie wie Sozialismus oder Kommunismus, sondern eine konkrete politische Bewegung, die im Zuge der Oktoberrevolution unter Führung von Wladimir Iljitsch Lenin in Russland die Macht ergriff – und dabei ein System etablierte, welches auf die Alleinherrschaft einer kommunistischen Partei hinauslief und in die Gründung der Sowjetunion mündete.

Wer das „Kommunistische Manifest“ gelesen hat, weiß – oder sollte zumindest wissen –, dass Marx darin jedoch keine Parteidiktatur vorschwebte. Seine Vorstellung zielte auf ein Proletariat, das als Klasse ein eigenes revolutionäres Bewusstsein entwickelt und kollektiv die Macht übernimmt. Lenin jedoch misstraute dieser Selbstermächtigung. In seiner Sicht war die Arbeiterklasse dazu nicht in der Lage; sie müsse von einer straff organisierten Partei geführt werden. Das Ergebnis dieser Verschiebung ist historisch hinreichend bekannt: Aus der Idee einer Herrschaft der Arbeiterklasse wurde in der Praxis die diktatorische Herrschaft über sie. Dass kommunistische Regime dennoch den Anspruch erhoben, im Namen des Proletariats zu handeln, gehört zu den langlebigsten Widersprüchen des 20. Jahrhunderts – und zu jenen Punkten, die ein Autor kennen sollte, bevor er große Begriffe allzu beiläufig durcheinanderwirbelt.
 
Der Autor dieses Buches demonstriert vor allem eines: eine bemerkenswerte begriffliche Unschärfe, die man sich bei einem solch elementaren Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts keinesfalls leisten darf. Sozialismus, Kommunismus und Bolschewismus werden von ihm kurzerhand in einen Topf geworfen – etikettiert als „Sozialismus“ –, ohne jede Differenzierung, ohne jedes Verständnis für historische und theoretische Feinheiten zu zeigen.

Dabei ist die Unterscheidung alles andere als akademische Haarspalterei. Sozialismus bezeichnet einen weiten Ideenraum, der auf mehr soziale Gleichheit und eine andere Verteilung von Macht und Eigentum abzielt. Kommunismus hingegen ist eine spezifische, radikalere Ausprägung dieses Denkens, maßgeblich geprägt durch die Schriften von Karl Marx. Und der Bolschewismus? Der war keine Theorie wie Sozialismus oder Kommunismus, sondern eine konkrete politische Bewegung, die im Zuge der Oktoberrevolution unter Führung von Wladimir Iljitsch Lenin in Russland die Macht ergriff – und dabei ein System etablierte, welches auf die Alleinherrschaft einer kommunistischen Partei hinauslief und in die Gründung der Sowjetunion mündete.

Wer das „Kommunistische Manifest“ gelesen hat, weiß – oder sollte zumindest wissen –, dass Marx darin jedoch keine Parteidiktatur vorschwebte. Seine Vorstellung zielte auf ein Proletariat, das als Klasse ein eigenes revolutionäres Bewusstsein entwickelt und kollektiv die Macht übernimmt. Lenin jedoch misstraute dieser Selbstermächtigung. In seiner Sicht war die Arbeiterklasse dazu nicht in der Lage; sie müsse von einer straff organisierten Partei geführt werden. Das Ergebnis dieser Verschiebung ist historisch hinreichend bekannt: Aus der Idee einer Herrschaft der Arbeiterklasse wurde in der Praxis die diktatorische Herrschaft über sie. Dass kommunistische Regime dennoch den Anspruch erhoben, im Namen des Proletariats zu handeln, gehört zu den langlebigsten Widersprüchen des 20. Jahrhunderts – und zu jenen Punkten, die ein Autor kennen sollte, bevor er große Begriffe allzu beiläufig durcheinanderwirbelt.

Schön, dass das jetzt eine Buchbesprechen werden wird. Habe heute Abend keine Zeit mehr, morgen gibt es dann die ganze Wahrheit. Marx hat übrigens gar nicht das "Kommunistische Manifest" geschrieben, der hat lediglich seinen Namen darunter gesetzt.
 
Schön, dass das jetzt eine Buchbesprechen werden wird.
Es liegt mir fern, ein Buch noch tiefer besprechen zu wollen, weil dazu fehlt mir leider die Zeit. Doch mein Impetus bleibt: Der Autor verwechselt Sozialismus, Kommunismus und Bolschewismus und stopft sie in einen Topf unter dem Etikett „Sozialismus“. Das ist so falsch, wie z.B. Konservatismus, Nationalismus und Identitäre Bewegungen unter der Rubrik „Konservatismus“ zu subsumieren. In der Geschichts- oder Politik-Abitur-Klausur würde so etwas gnadenlos scheitern. Denn beides zeugt von mangelndem Verständnis historischer und theoretischer Feinheiten und kann keine fundierte Grundlage für Sachbücher liefern. Stattdessen wirkt es bzw. würde es wirken wie gezielter Confirmation Bias, der jeweils eine bestimmte Klientel bedienen will, für die Differenzierungen und Verständnis für historische / gegenwärtige sowie theoretische Feinheiten bestenfalls untergeordnete Rollen spielen.
 
Es liegt mir fern, ein Buch noch tiefer besprechen zu wollen, weil dazu fehlt mir leider die Zeit. Doch mein Impetus bleibt: Der Autor verwechselt Sozialismus, Kommunismus und Bolschewismus und stopft sie in einen Topf unter dem Etikett „Sozialismus“. Das ist so falsch, wie z.B. Konservatismus, Nationalismus und Identitäre Bewegungen unter der Rubrik „Konservatismus“ zu subsumieren. In der Geschichts- oder Politik-Abitur-Klausur würde so etwas gnadenlos scheitern. Denn beides zeugt von mangelndem Verständnis historischer und theoretischer Feinheiten und kann keine fundierte Grundlage für Sachbücher liefern. Stattdessen wirkt es bzw. würde es wirken wie gezielter Confirmation Bias, der jeweils eine bestimmte Klientel bedienen will, für die Differenzierungen und Verständnis für historische / gegenwärtige sowie theoretische Feinheiten bestenfalls untergeordnete Rollen spielen.

Du bekommst heute die entsprechende Replik, denn offensichtlich hast Du Dich weder mit dem Buch beschäftigt, noch besitzt Du genügend Hintergrundwissen, das werde ich entsprechend korrigieren.
 
Habe ich angefangen, ging aber gar nicht für mich, nur das 1. Kapitel gelesen.
Okay, Geschmackssache. Ich fand es richtig klasse. Derzeit „Faust I und II“ von einem gewissen Goethe. Der Mann kann was, man wird noch von ihm hören. So, der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen. Indes ihr Komplimente drechselt, kann etwas Nützliches geschehen.
 
Der Autor dieses Buches demonstriert vor allem eines: eine bemerkenswerte begriffliche Unschärfe, die man sich bei einem solch elementaren Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts keinesfalls leisten darf. Sozialismus, Kommunismus und Bolschewismus werden von ihm kurzerhand in einen Topf geworfen – etikettiert als „Sozialismus“ –, ohne jede Differenzierung, ohne jedes Verständnis für historische und theoretische Feinheiten zu zeigen.

Dabei ist die Unterscheidung alles andere als akademische Haarspalterei. Sozialismus bezeichnet einen weiten Ideenraum, der auf mehr soziale Gleichheit und eine andere Verteilung von Macht und Eigentum abzielt. Kommunismus hingegen ist eine spezifische, radikalere Ausprägung dieses Denkens, maßgeblich geprägt durch die Schriften von Karl Marx. Und der Bolschewismus? Der war keine Theorie wie Sozialismus oder Kommunismus, sondern eine konkrete politische Bewegung, die im Zuge der Oktoberrevolution unter Führung von Wladimir Iljitsch Lenin in Russland die Macht ergriff – und dabei ein System etablierte, welches auf die Alleinherrschaft einer kommunistischen Partei hinauslief und in die Gründung der Sowjetunion mündete.

Wer das „Kommunistische Manifest“ gelesen hat, weiß – oder sollte zumindest wissen –, dass Marx darin jedoch keine Parteidiktatur vorschwebte. Seine Vorstellung zielte auf ein Proletariat, das als Klasse ein eigenes revolutionäres Bewusstsein entwickelt und kollektiv die Macht übernimmt. Lenin jedoch misstraute dieser Selbstermächtigung. In seiner Sicht war die Arbeiterklasse dazu nicht in der Lage; sie müsse von einer straff organisierten Partei geführt werden. Das Ergebnis dieser Verschiebung ist historisch hinreichend bekannt: Aus der Idee einer Herrschaft der Arbeiterklasse wurde in der Praxis die diktatorische Herrschaft über sie. Dass kommunistische Regime dennoch den Anspruch erhoben, im Namen des Proletariats zu handeln, gehört zu den langlebigsten Widersprüchen des 20. Jahrhunderts – und zu jenen Punkten, die ein Autor kennen sollte, bevor er große Begriffe allzu beiläufig durcheinanderwirbelt.

Es ist erstaunlich, wie Salonkommunisten einem Mann wie Igor Schafarewitsch unterstellen, dieser habe grundlegende Begriffe / Unterscheidungen nicht verstanden und bediente sich hierbei einer begrifflichen Unschärfe. Deshalb ist es offensichtlich notwendig, einige Informationen über diese Person mitzuliefern, um die Groteske des ihm vorgeworfenen Mangels an Sachverstand widerlegen zu können. Im weiteren Verlauf werde ich aus Vereinfachungsgründen, seinen Namen mit IRS (Igor Schafarewitsch) abkürzen.

Zur Person:

Zunächst einmal war IRS ein weltweit anerkannter Mathematiker (Zahlentheorie, algebraische Geometrie), Lenin‑Preisträger und Begründer einer bedeutenden sowjetischen Mathematikschule. In den 1970er Jahren wurde er zu einer wichtigen Figur der sowjetischen Dissidentenbewegung und arbeitete mit der von Andrei Sacharow gegründeten Menschenrechtsgruppe zusammen. Sein Buch über den Sozialismus (The Socialist Phenomenon, dt. „Der Todestrieb in der Geschichte“) entstand als regimekritische Schrift, die zunächst im Ausland erschien und von Alexander Solschenizyn in dessen Harvard‑Rede 1978 ausdrücklich zitiert wurde.

Seine These vom „Todestrieb“ des Sozialismus/Kommunismus stützt auf drei Säulen: intellektuelle Hochqualifikation (Mathematiker, Denker), persönliche Erfahrung mit dem sowjetischen System und der Dissidentenszene, sowie ein stark religiös‑orthodox geprägter normativer Hintergrund. IRS war ein prominenter Dissident und enger Mitstreiter Alexander Solschenizyns (Archipel Gulag), letzterer "Kenner" der Gulags (Russische Konzentrationslager), dort lange inhaftiert und ebenso wie IRS, bestens mit den Nuancen vertraut.

IRS besaß profunde Kenntnisse über den Sozialismus und subsumierte grundsätzlich Bolschewismus/Kommunismus als ein historische Extrem‑Beispiele dieser größeren Kategorie (Sozialismus), statt die sowjetische Terminologie (Sozialismus = Zwischenstadium, Kommunismus = Endstadium) zu übernehmen.

Zum Inhalt:

IRS interpretierte den Sozialismus nicht primär als ökonomische Theorie, sondern als wiederkehrendes „Erscheinungsmuster“ in der Geschichte, das auf die Negation des Individuums und letztlich auf Selbstvernichtung der Gesellschaft hinausläuft. Er verband diese Muster mit einem „Todestrieb“: Sozialistische Ideale seien von einem unbewussten Drang zur Auflösung von Mensch, Persönlichkeit und Schöpfungsordnung motiviert.

Kern seiner These war: Wenn sozialistische Prinzipien konsequent bis zum Kommunismus durchgesetzt werden, zerstören sie die Grundlagen menschlicher Existenz und laufen auf ein „Ende der Menschheit“ hinaus.

Es spielt keine Rolle, welche Spielart des Kommunismus in seinen Hauptformen (Marxismus, Leninismus , Stalinismus, Trotzkismus, Maoismus et al.) respektive Ausprägungen bisher in der Praxis zur Anwendung kamen, sondern um den hiermit nachweislich immer verbundenen (zwangsläufigen) Massenmord bis zur finalen Umsetzung, der Abschaffung des Menschen.

Inhaltlich entwickelt IRS eine Art Kontinuum, er bezeichnet den Sozialismus als einen Komplex von Ideen/Institutionen (Gleichheit, Kollektivismus, Feindschaft gegen Eigentum, Familie, Religion), der in vielen historischen Varianten auftritt. Kommunismus ist für ihn die konsequenteste, radikalste Ausprägung dieser Tendenzen: maximale Nivellierung, totale Vergesellschaftung, vollständige Unterordnung des Einzelnen unter das Kollektiv.

IRS lehnt sich explizit an Sigmund Freud an, der von einem Todestrieb im Individuum sprach, und überträgt das auf Gesellschaften. Seine Argumentationslinie:
  • Die genannten vier Konstanten zielen auf Auflösung der Person und der kreativen Differenzierung in der Gesellschaft.
  • Wenn Eigentum, Familie, Religion und Individualität zerstört werden, verbleibt ein mechanisches, kollektives, gleichgeschaltetes System ohne inneren Lebensimpuls.
  • In den historischen Beispielen enden sozialistische Experimente regelmäßig in Massengewalt, Verfolgung, wirtschaftlichem Ruin und teils Zusammenbruch ganzer Gesellschaften.
Daraus leitet er nicht nur eine Ideologie des Todes, sondern die These ab, dass ein vollständig durchgesetzter Kommunismus letztlich zur Selbstabschaffung der Menschheit führen müsse – entweder durch physische Vernichtung oder durch eine Entleerung des Menschseins, die das Menschliche im normativen Sinn zerstört.

Da Du ja keine Lust bzw. Zeit auf / für eine Buchbesprechung hast, belasse ich es bei diesen Ausführungen. Lies das Buch nochmals, darin sind so viele Perlen versteckt, die reichen für ein ganzes Leben.

By the way:

Das Kommunistische Manifest ist eine Auftragsarbeit des Bund der Kommunisten an Marx und Engels, wobei jedem bekannt war, dass die treibende Kraft und Ideengeber der Unternehmer Engels war und Marx, ein promiskuitiver Drec####k, lediglich als Galionsfigur einer größeren Sache diente. Es war sehr selten den eigenen Gedanken entsprungen, sondern ein Organisationsauftrag, nur Proletarier aller Länder, vereinigt euch und noch ein paar plakative Zitate sollen von ihm stammen.

Es führte zu weit das näher auszuführen, aber wenn man die Kette verfolgt, dann wäre eine Beschäftigung mit dem Bund der Kommunisten sinnvoll. Nur 3 Jahrzehnte später wurden die Fabianer gegründet (Buchempfehlung hatte ich bereits abgegeben) und in Deutschland entwuchs dann wieder etwas später, die Frankfurter Schule.
 
Habe ich angefangen, ging aber gar nicht für mich, nur das 1. Kapitel gelesen.
Nochmal dazu: mir fiel ein, dass ich am Anfang auch Mühe hatte und das Buch zur Seite legen wollte. Die Wiederbelebung Isenharts wird da als etwas Mystisches dargestellt, so wie es die Leute im Mittelalter halt empfunden haben müssten. Ich dachte auch: „Was ein Quatsch!“. Danach wird es aber besser, deutlich.
 
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