Wer liesst denn noch heutzutage?

@violante
Habe ich dich mit meinem Hinweis auf den ruheraum verschreckt? Ich hoffe nicht. Oder bist du auf dem dortigen Sofa (sehr kuschelig im Übrigen) in einem Palaver zwischen Edgar Poe und Ernest Hemingway über amerikanische Whiskeysorten hineingeraten :-) ?

Hm. Ich halte mich zur Zeit ein wenig zurück, weil ich gerade fürchterlich faul bin und einfach nur die ersten Ferientage genieße. Was heißt: Lange schlafen, essen, interessante Artikel aus den alten kicker-Heften ausschneiden, fernsehen und... wieder schlafen. :o Hin und wieder lese ich auch, aber noch nicht die Bücher, die ich eigentlich möchte. Weil meine Mutter ihre Effi Briest noch nicht rausgerückt hat. Und den Steppenwolf muss ich erst noch bestellen gehen. :cool:
Ich begnüge mich im Moment mit leichteren Dingen, vornehmlich Jugendliteratur. Die übrigens angeblich nicht die schlechteste ist. Meine Mutter meinte einmal, dass sie früher nicht so viel gute Literatur gehabt habe.
Ich habe so an die, sagen wir, bei 500 hab ich aufgehört zu zählen... also jedenfalls relativ viele Bücher und viele davon hat sie gelesen.
Ich kann gerne, was das angeht, mal so meine derzeitigen Favoriten nennen:

Markus Zusak - Die Bücherdiebin
Schon von werder-w empfohlen (allerdings die englische Variante). Hatte ich auch schon im alten Forum wärmstens angepriesen. Kleines Mädchen zur Zeit des Nationalsozialismus, das ihre Liebe zu Büchern entdeckt. Wunderschön.

Siobhan Dowd - Ein reiner Schrei
Eine Geschichte aus Südirland, 1984. Ich zitiere aus dem Klappentext:
Südirland, 1984 - seit ihre Mum gestorben ist, muss Shell sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Und eigentlich auch um sich selbst. Die zarte Freundschaft mit dem jungen und idealistischen Pater Rose bringt Licht in ihren Alltag. Aber der Klatsch der Gemeinde erstickt diese Beziehung bald und Shell vertreibt sich nun die Zeit mit ihrem Schulkameraden Declan. Als der nach Amerika verschwindet, bleibt Shell allein zurück - und schwanger. Niemand scheint dies zu bemerken, noch nicht einmal ihr Vater. Doch Shell ist nicht die Einzige, die ein Geheimnis hütet. Und plötzlich steht sie im Mittelpunkt eines Skandals, der nicht nur die kleine Gemeinde, sondern ganz Irland erschüttert.

Für Romantiker sicherlich die "Bis(s)"-Trilogie (man wartet auf den vierten Teil :rolleyes:) von Stephenie Meyer. Ein Mädchen, das sich in einen Vampir verliebt.

Für Fantasy-Fans die "Anders"-Bücher von Hohlbeins, die "Bartimäus"-Trilogie von Jonathan Stroud.

Für Geschichts-Liebhaber z. B. die Romane von Rainer M. Schröder. Eigentlich immer nach dem gleichen Muster gestrickt, aber Geschichte ganz gut aufgearbeitet. Ich habe ansonsten vor allem viel zum Nationalsozialismus gelesen.

Mein Repertoire ist groß. :) Falls also jemand ein Jugendbuch im Schrank stehen hat und nicht genau weiß, ob es sich lohnt... könnte sein, dass ich es schon gelesen habe. ;)
Bei den anderen Diskussionen, die hier so laufen, kann ich leider nicht mitreden. Viele "Erwachsenen-Bücher" habe ich noch nicht gelesen. Meine Mutter wälzt sich vor allem durch die historischen Romane.

Was ich im Übrigen auch mag, ist Krabat von Otfried Preußler. Soll ja auch bald in die Kinos kommen, allerdings bin ich bei Literaturverfilmungen meistens ziemlich kritisch.

Edit: Schönes Buch auch: "Drachenläufer" von Khaled Hosseini. In der Schule gelesen und gar nicht doof. ;)
 
Schmolle:

Sendung ist unnerwechs! Feedback erwünscht, wenn auch nicht zeitnah!

(Also "erwünscht" schon, aber nicht, wenn du Dich deshalb in Stress begibst!)


LG, hans :knutsch:
 
@koschi
Lesen und Stress? Nimmer!
Zeitnahes Feedback im Gandalf`schen Sinne darfst du von mir erwarten. Und dann mal sehen, was ich dir zusende.
 
@Schmolle:

Ich werde Werbung für die Linken hier machen. Falls uns Oskar Ministerpräsident wird, bleibt Bundesdeutschland vielleicht von ihm verschont.

Wir sind den Irrsinn hier ja gewohnt... ein bißchen Oskar mehr oder weniger haut keinen mehr um. Was tut man nicht alles für gute Nachbarschaft...
 
Werbung für die Linken, in meinem Thread? Neeeeeeeeeeee
Oskar gehört in den Kindergarten, den Swingerklub oder nach Guantanamo - oder alles drei zusammen.
Muß man nicht bewerben - der schreckt auch so ab
:D
 
Es gibt auch eine ganz hervorragende "Krabat"-Trilogie von Jurij Brezan.

Kleiner Gruß aus der alten Heimat! :knutsch:

Ich hab's gleich mal gegoogelt. :tnx: Klingt gut, zunächst aber habe ich nun endlich den Steppenwolf hier liegen. Auch der stand bei meiner Mutter im Regal, was mir nicht bewusst war. So stelle ich denn die Effi hinten an. ;)

Und ich habe im Übrigen noch drei weitere schöne Bücher hier vor mir liegen. Zum einen
Der mechanische Prinz von Andreas Steinhöfel. Steht drauf, dass es ein Bestseller sein soll. Na dann. Auch was für Deprimierte, denke ich. Kann ich zum Glück nicht richtig beurteilen. :) Ein Buch über das "egalste Kind der Welt", das mit Hilfe eines magischen Tickets seine Einsamkeit bekämpfen kann.

Außerdem LAB 47 - Gefahr aus dem Labor von Malcolm Rose. Ein Thriller über Rassismus, biologische Waffen usw. Sehr spannend!

Und Ein ungezähmtes Leben von Mark Spragg. Es geht um einen schlagenden Ex-Freund, ein kleines Mädchen und seinen Großvater, eine Männerfreundschaft zwischen zwei alten Herren. Um Sex natürlich, ums Verzeihen und natürlich um die Liebe. Eine junge Frau flieht mit ihrer Tochter vor dem schlagenden Ex-Freund. Da sie nicht weiß, wohin, führt ihr Weg sie schließlich zum Vater ihres toten Mannes. Er ist gar nicht erfreut darüber, findet aber mehr Gefallen an dem kleinen Mädchen, als ihm lieb ist.
Mir gefällt vor allem der Stil des Autors. Ohne Schnörkel, geradeheraus, ohne viel Gefühlsduselei. So heißt es:
"Spraggs Stil ist nüchtern und prägnant, die Dialoge rar und lakonisch. Spragg setzt dem einfachen Leben fernab der städtischen Zivilisation ein Denkmal. Er verklärt nicht, sondern schildert einfach, wie es ist."
Schönes Buch!

Und nun ran an den Steppenwolf. :D
 
Liebe Literaturgemeinde!

Da lese ich mich seit vielen, vielen Jahren quer durch die Bandbreiten der Literatur. Leichte Kost, schwere Kost, gute und schlechte Bücher – nichts ist vor mir sicher. Oft lasse ich mich von Dritten inspirieren, meistens geht es gut.

(Selbstlobmodus ein): Es gibt sogar Menschen die behaupten, ich kenne mich in der Literatur ein wenig aus. (Selbstlobmodus aus).

Jedoch weiß ich jetzt nicht mehr weiter. Ein Buch bringt mich nämlich zur Verzweiflung:

„Ulysses“ von James Joyce.

Knapp 1000 Seiten Meisterwerk, so die einschlägige Meinung.

Ich finde keinen Zugang zu diesem Buch. Nach spätestens 20 Seiten schmeiße ich entnervt das Buch in die Ecke und fange ein paar Tage später wieder von vorne an.

Ich bitte daher um stichhaltige Argumente, warum ich dieses Buch unbedingt gelesen haben muss.

Vielen Dank im Voraus an die Gemeinde! :tnx:
 
@Niedersachse:

"Dann habe ich es hinter mir" hört sich an, als habe man eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt vor sich.

Jedenfalls weiß ich jetzt, dass ich mit meinem "Problem" nicht alleine bin. ;)
 
Es gibt in meinen Augen nur ein einziges: Du kannst mit Fug und Recht sagen: "Ich habe es hinter mir!"

GWG Niedersachse

:tnx: Ich habe das Buch selbst nicht gelesen, aber meine ehemalige Deutschlehrerin (von der ich und viele andere viel halten) meinte, sie hätte sich nicht wirklich damit zurechtgefunden. Deshalb ein neues Argument:
Du kannst vor anderen damit angeben, es (zumindest) gelesen zu haben! :cool: Und vielleicht verstehst du es ja sogar. Dann kannst du erst recht angeben. :D
Wahrscheinlich sagen diejenigen, die es toll finden, das sowieso nur, um anzugeben. Ich jedenfalls habe noch nicht so viel Gutes darüber gehört.
Ach du Schande. Hast du das mal gegoogelt bzw. bei Wikipedia nachgeguckt? Guckst du hier: Gilbert-Schema. Na dann viel Spaß. :p
 
@frimaire
Dann muß ich Orwells Originalworte darüber, daß er den Kommunismus im allgemeinen und die UdSSR im Speziellen mit Farm der Tiere aufs Korn nahm, falsch verstadnen haben :D
"Napoleon" steht für Stalin, Schneeball für "Trotzki". Sagte er selber.
Aber ich will nicht Haarespalten.

Ich schon.:)´- denn verstanden hast Du es mE wirklich nicht oder besser gesagt, willst nicht verstehen.

Zitat von Wikipedia:
Der Durchbruch gelingt ihm [i.e. Orwell] erst nach dem Krieg, fünf Jahre vor seinem Tod mit der 1945 erschienenen Fabel Farm der Tiere (engl. Animal Farm: A Fairy Story), die das Scheitern der russischen Revolution durch den Verrat des Stalinismus an den sozialistischen Idealen beschreibt. Wendungen aus dem Buch werden Gemeingut, so etwa alle Tiere sind gleich, doch einige sind gleicher. Das Buch wird sowohl in Europa als auch in den USA als Werk gegen den Totalitarismus und im direkt sich anschließenden Kalten Krieg gegen den Kommunismus vermarktet.

Ich denke, du kannst Orwell nicht instrumentalisieren, um mit deiner Art Weltbild hausieren zu gehen und den Kommunismus als Idee zu diffamieren - was Du bewusst tust, indem Du ihn mit dem Stalinismus gleichsetzt. Damit wirst Du Orwell als Person und seiner Intention als Autor nicht gerecht. Das ist echt unterste Schublade.
 
@frimaire
Dann hattest du recht mit Haarespalten - denn die Aufteilung in Sozialismus/Stalinismus/Leninismus und so ist mE noch weitergehend als wissentschaftlich. Aber hier ist nicht der Politikthread - das müßte in nem anderen Thread geklärt werden.
Schön aber, das die Quelle uns beiden Recht gibt! :beer:
Und ich will und werde keinen Autor "istrumentalisieren" wofür/für was/wo gegen? Wir vertreten Meinungen - jede ist willkommen! Ich will keinen "Umsturz" :D

Die "Weltherrschaftsidee" des "Kommunismus als Idee" ist mit dem Mauerfall und der Ermordung Ceaucescus mE gestorben. Und zwar ein für alle mal. Und damit würge ich die "Idee Kommunismus" hier als politische Diskussion ab. Im Zweifel bin ich - das hast du ja schlau erkannt :) - ignorant und verstehe den Autor natürlich überhaupt nicht (so wie du ihn verstehst).

Und ähmmmmmm "meine Art des Weltbildes" - interessant, von was du auf etwas, daß ich nicht zum besten geben werde, schließen kannst - ein Hellseher? Wie sind die nächsten Lottozahlen?
Oder:
"Herr Doktor, ich kann hellsehen!"
"Seid wann haben sie das?"
"Nächsten Donnerstag!"

Ergo: Mit Humor die Sache betrachten :beer:
 
Habe mir gestern Die Schachnovelle zu Gemüte geführt. Bin ja - wie ich schon erwähnte - in meiner Schulzeit in den Genuss gekommen, dieses Werk von Stefan Zweig analysieren zu dürfen. Und selbst der Zwang damals hat mir dieses Werk nicht zunichte gemacht, was schon wirklich etwas heißen will ;)

Vor einigen Jahren habe ich mir auch mal den Film dazu angeguckt, der mich aber wahrlich nicht begeistern konnte.

Recht kurz, aber absolut fesselnd. Die beklemmende Enge und der unausweichliche Weg in die Geisteskrankheit, die der Protagonist während der NS-Zeit in Gestapo-Haft erlebt, lassen einen lebhaft an dieser Tortur teilhaben.
Gut gewählte Worte, ellenlange und trotzdem verständliche Sätze. Das Buch ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert.


Habe heute mit Der alte Mann und das Meer begonnen und musste erstmal feststellen, dass es weit weniger "leicht" zu lesen ist ;)
 
Ach ja, die Schachnovelle. Wurde mir mal im Deutsch-Unterricht vom Lehrer kurz vorgestellt, hat mich interessiert und ich hab sie danach gelesen. Hat's was gebracht? Vielleicht. Die philosophischen Beobachtungen sind ganz anregend. Hat's Spaß gemacht? Eher nicht. So wie ich's in Erinnerung habe waren die Beschreibungen sehr detailliert und ermüdend. Fand ich damals zumindest so.
 
So... mit "1984" bin ich durch und ich hab jetzt Bock auf mehr Dystopien...

Gibts Empfehlungen? Ins Auge gefasst habe ich "Brave New World" und "Fahrenheit 451"

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