Da hat einen der letzte Urlaub vor der Weihnachtshysterie, der Frühherbsturlaub, um dem deutschen 17Grad und Sprühregen-Wettervorhersagen Sarrazin-Terrorherbst zu entkommen, auf die kleine, liebenswerte Kykladeninsel Antiparos verschlagen, die einen Urlaub zumindest Mitte September sowas von rechtfertigt, einen mit Sonne wie in der Türkei und Wind wie in der Ägais üblich belohnt - und dann kommt man wieder und findet sich vor lauter Bahnhofs- und Integrationsdebatten kaum noch zurecht.
Ein Segen, wenn man dann in der nächstbesten Buchhandlung über das Buch zum Thema stolpert:
Beim Griechen
von Alexandros Stefanidis (Journalist mit "griechischem Migrationshintergrund", gebürtig aus Karlsruhe, derzeit Autor beim SZ-Magazin), ist das perfekte Stück Gegenliteratur zu Sarrazins kruden Thesen.
Der Mann schreibt in seinem Buch, das weder Sachbuch noch Roman ist, sondern vermutlich beides und deswegen so gut, die Geschichte seiner griechischen Familie im (westdeutschen) Deutschland der 60er-bis 2000er nieder. Anfang der 70er hat seine Familie in Karlsruhe ein griechisches Restaurant eröffnet - und in diesem spielt sich alles, was die Integrations- und Ausländerdebatten, aber auch die bundesdeutsche Gesellschaft und Politik bis heute prägt, ab. Stefanidis formt damit nicht nur ein Schicksalsporträt sogenannter "Gastarbeiter"familien, sondern hält den Deutschen gleichzeitig sowas von geschickt den Spiegel vor, dass man selbigen nicht mehr lesen mag.
Stefanidis ist mir im letzten Jahr mit einem bemerkenswerten Artikel in der SZ zur Hochzeit der Griechenlandkrise zum Thema Griechenland/Verschuldung/Mentalität etc. aufgefallen und mit einer noch viel bemerkenswerteren Replik auf diesen seinen eigene Artikel im SZ-Magazin vor ein paar Wochen.
Das Buch hat mich an diversen Stellen zum Lachen gebracht und an vielen noch mehr zu Tränen gerührt und eines hat es mir nur zu deutlich vor Augen geführt: Wir können als Deutsche nicht immer von allen ausländischen Mitbürgern Integration, Integration, Integration fordern, wenn wir selbst davor am meisten Angst haben. Eine brilliante Familien-, Vater-Sohn-, Integrations-, Griechen- und Deutschlandgeschichte, die wir alle jeder Maybritt-Illner-Beckmann-Kerner-Plasberg-Diskussion vorziehen sollten.
Jamas!
Absolute Empfehlung. Würden wir hier werten: 10/10