Um dem ganzen mal etwas Struktur zu verschaffen: Der ÖRR in Deutschland leidet an einer Art Geburtsproblem und hier mMn. an zwei Stellen:
1. Der Grundversorgungsauftrag
2. Die Konkurrenzsituation
Punkt eins ist nirgendwo so richtig definiert und demzufolge immer wieder Grund für teils auch sehr polemische Attacken.
Punkt zwei ist die Dualität aus ARD und ZDF. Vermutlich hat man es nach 1945 für eine gute Idee gehalten, wenn man bei der Schaffung von unabhängigen Medienanstalten eine gewisse Konkurrenzsituation schafft. So richtig Sinn ergibt das aber mMn. nicht, da beide Sendeanstalten grundversorgt sind. Womit wird nun aber der Vergleichswert gemessen? Mit der Quote. Nur ist eben genau das etwas, das eigentlich den Priven "vorbehalten" sein sollte (wenn der Michel nackte F-Promis auf ner einsamen Insel sehen möchte, es findet sich offenkundig immer eine private Sendeanstalt, die mit der Werbung dazwischen gutes Geld verdient). Und der Quote wegen produzieren nun beide Sendeanstalten teils vergleichbare Formate und man darf natürlich fragen, ob man da nicht was optimieren kann (am Angebot!).
Denkbar wäre es also, ggf. an der Redundanz etwas zu verändern und sich mehr an der BBC zu orientieren, nach dessen Vorbild der ÖRR immerhin geschaffen worden ist. Und vor allem, den Grundversorgungsauftrag schärfer zu definieren. Wenn man das aber macht, dann losgelöst von Kampfbegriffen die am Ende des Tages doch nichts anderes tun, als Antidemokraten in ihrem Bestreben zu helfen. Denn wenn wir uns anschauen, von welcher Seite BBC, ORF und ÖRR unter Feuer stehen, dann sind das immer die gleichen Akteure nur mit anderen Namen. Die Ukip/Brexiteers und BoJo in England. Die FPÖ und ihre Anhänger in Österreich. Die Rechtspopulisten (und teils auch sog. Liberale, häufig Gelb angemalte Blaue) in Deutschland. Was sie eint, ist, dass sie unabhängigen Journalismus nicht ertragen. Was da seit einiger Zeit mit der BBC passiert, sollten wir sehr genau im Auge behalten! Und wenn wir über Reformen des ÖRR sprechen, dann sollten wir das nicht jenen überlassen die offenen Diskurs nicht ertragen und vor allem sollten wir ihre Begriffe nicht verwenden. Denn so reden wir ihnen das Wort und das war es, was ich gestern per tl;dr-Einzeiler ausdrücken wollte.