Wir haben jetzt zwei gute bzw. ein gutes und ein sehr ordentliches Spiel gemacht. Fand den Auftritt in Leverkusen besser als den gestrigen. Wir haben sehr wichtige sechs Punkte geholt. Dass in diesem Kader das Potential hierzu steckt, war aber auch schon vorher bekannt, da wir immer mal wieder Lichtblicke hatten. Das Problem ist vernünftige Leistungen konstant abzurufen. Wir werden auch dann sicher nicht jedes Spiel gewinnen, aber wir würden nicht über diese Gegentorflut sprechen dund vor allem wären wir nicht in dieser extremen Abstiegsgefahr. Das Tabellenbild sieht im Moment ganz gut für uns aus. Vor allem, wenn die heutigen Spiele noch gut für uns ausgingen.
Der zu Saisonbeginn zusammengestellte Kader ließ eine Platzierung im gesicherten Mittelfeld vermuten, wenn die wenigen Leistungsträger gesund und fit bleiben würden. Dass der Kader extrem dünn besetzt war, war von Beginn an genauso klar, wie die Erkenntnis, dass deshalb nicht viel passieren dürfte, um den Erfolg nicht zu gefährden. Dass es knappwürde, wenn etwas passiert (siehe unten), war von Beginn an bekannt.
Leider zeigte sich im Lauf der Hinrunde, dass der di Santo-Ersatz Johansson verletzt verpflichtet wurde und nur eine Handvoll Spiele für Werder bestreiten konnte. Der "Notverkauf" Pizarro, der uns durch seine Klasse, seine positive Energie, seine Werder-Verbundenheit derzeit aus dem größten Schlammassel schießt, brauchte die gesamte HInrunde, um in Form zu kommen. Wären er oder Johansson von Beginn an fit und wettbewerbsfähig gewesen, befände sich Werder heute sehr wahrscheinlich in höheren Tabellenregionen als aktuell.
Hinzu kamen Verletzungen und Fitnessrückstände von Bargfrede, Junuzovic, Garcia u.a., die durch den dünn besetzten Kader zu keiner Zeit der Hinrunde adäquat kompensiert werden konnte.
Die Ergänzung des Kaders zum Winter war mehr als zwangsläufig. Die aktuelle Konkurrenzsituation, von der Werder derzeit profitiert, besteht erst seit ca. 6 Wochen. Ein Zeitraum, in dem man durchaus vielversprechend aufgetreten ist.
Aber durch sind wir noch lange nicht. Das hat nicht zuletzt eben mit VS zu tun. Jeder kann Fehler machen, aber man sollte aus dem Fehler lernen und den Fehler dann bitte nicht wiederholen. Dies ist aber etwas, was VS bisher nur sehr bedingt getan hat. Natürlich ist das in gewisser Weise auch eine Systemfrage, aber eben nicht allein. Dennoch war schon lange zu sehen, dass sich die Mannschaft in einem 4 - 1 - 4 -1 deutlich sicherer fühlt. Warum da immer wieder so viel dran herumexperimentiert wurde ist mir nie klar geworden. Die Lauf- und Passwege bauen leider eben immernoch häufig auf Zufalle auf. Wir hatten jetzt zwei Gegener, die uns ein wenig mehr Räume gelassen haben als Mannschaften wie Darmstadt und Ingolstadt. Letztendlich wird abzuwarten sein, ob und wie wir es denn irgendwann mal hinbekommen auch gegen gut gestaffelt stehende Gegner uns Räume zu verschaffen. Das ist in meinen Augen eines der größten Mankos.
Selbstverständlich sind wir noch nicht durch. Und das hat vor allem mit der Psyche im Leistungssport zu tun. Der Trainer macht bei Wrrder nicht mehr Fehler als z.B. der Geschäftsführer Sport auch. Die Verantwortung der schlechten Hinrunde allein ihm anzulasten, ist und bleibt realitätsfremd.
Der Trainer hat im Laufe der HInrunde mehrere Spielsysteme ausprobiert, von denen keines zuverlässig gut funktionierte. Dazu gehörte auch das 4-1-4-1, das uns zuletzt zwei Erfolge in Serie bescherte. Kurz vor Weihnachten hat man im Punktspiel gegen den 1. FC Köln mit diesem System nicht überzeugt, weil z.B. ein Ujah als einziger Stürmer über weite Teile des Spiels in der Luft hing. Der Erfolg hängt ohnehin weniger von der gewählten Ausrichtung als von der Fitness der Akteure, deren Psyche und dem Spielverständnis untereinander ab. Eine einzige Veletzung eines Spielers in einem dünn besetzten Kader kann dafür sorgen, dass ein bevorzugtes System nicht mehr funktioniert.
Der Kader ist so besetzt, dass er in den beiden Youngsters Grillitsch und Eggestein quasi nur zwei Spieler umfasst, die als dringend ntwendiger Ballverteiler fungieren könnten. Diese Personalenge und die mangelnde Erfahrung der beiden Protagonisten bedingen u.a., dass man auswärts anders auftreten muss als zuhause, was allein schon dauernde Wechsel zwischen mindestens zwei Systemen erfordert. Einen dringenden Bedarf im Sturm erst spät, einen ebenso dringenden Mittelfeld seit mehreren Transferperioden überhaupt nicht behoben zu haben, ist das größte Manko in dieser Saison.
Was die Breite des Kaders angeht und die fehlende Alternativen, da wiederhole ich mich zwar ungerne, aber da hat sich VS selbst kastriert. Ob man das nun wahr haben will oder nicht. Gerade in der Defensive. Wenn Spieler, weil sie mal eine Formschwäche haben, gleich gänzlich aussortiert werden, dann muss man das halt auch als Trainer verantworten. Luki zu behalten und Caldi gehen zu lassen, war nach allem was man im Sommer mitbekommen hat, die Entscheidung von VS. Das Caldi neben der IV auch die LV ordentlich besetzen kann, haben wir hier schon erleben dürfen. Busch ist für mich ein anderes Beispiel. Ja, er tut sich in der dritten Liga im Moment schwer, aber ich denke, dass das bei ihm hauptsächlich eine Kopfsache ist.
Der Kader hatte auch schon in der Hinrunde deutlich mehr Potential. Die nächsten drei Spiele sind jetzt für uns einfach, da die Erwartungshaltung nicht all zu groß sein dürfte und man aus den spielen gegen die Bauern und den BVB wohl auch tatsächlich nichts minehmen wird. Wichtig wir sein, wie wir uns dort präsentieren.
VS hat imho hier nur eine Zukunft und kann Werder nur dann weiterhelfen, wenn er seine Fehler endgültig nicht mehr wiederholt. Derzeit sehe ich nicht wie das auf Dauer erfolgreich sein soll. Eine konstant positive Entwicklung ist seit dem Wechsel von RD auf VS ist einfach nicht zu beobachten.
Potential = im besten Fall zur Verfügung stehende Möglichkeiten, Entwicklungsfähigkeit kann selbstverständlich nur dann abgerufen werden, wenn das dafür vorgesehene Personal zur Verfügung steht. Ist dieses Personal verletzt, liegt das Potenzial unverschuldet brach. Über die Situation im Kader während der Hinrunde, siehe oben!
Zu Caldirola: Der hatte hier eine sehr schwache Vorsaison und wurde verliehen, um Spielpraxis auf hohem Niveau zu erhalten und ihm die Entwicklung bei einem anderen Verein zu ermögichen. Die Entscheidung ihn nach Darmstadt zu verleihen, war deswegen nachzuvollziehen, weil in Vestergaard, Galvez und Lukimya drei nominell mindestens gleichwerige Innenverteidiger zur Verfügung standen. Dass zwei von ihnen anhaltend schwächeln würden (Galvez und Lukimya) war nicht abzusehen, hätte andererseits bei Caldirola, dem ja genau das in der Vorsaison auch pssierte, auch der Fall sein können. Die Leihe war so geshen keinesfalls ein Fehler und kann deshalb auch kaum als Grund für die schwache Leistung der Mannschaft während der Hinrunde gelten.
Zum OM: Einem Eggestein als vermeintlichem Ballverteiler im OM hat ein Grillitsch schon früh in der Saison ganz offensichtlich den Rang abgelaufen. Den Verzicht auf Eggestein kann man bedauern. Ihn als fatale Fehlentscheidung des Trainers darstellen kann man wohl aber nur, wenn man selbst tagtäglich im Training zugegen ist und die Leistungen der einzelnen Protagonisten kennt. Andernfalls wäre es nichts anderes als eine Unterstellung.
Zur Entwicklung: In sportlicher Hinsicht war eine solche in der Amtszeit des aktuellen Geschäftsführers Sport zunächst stark rückläufig, bis sie sich irgendwann unter Skripnik auf niedrigem Niveau stabilisert hat. Das "Entwicklungsproblem" bei Werder ist nicht der Trainer.