Das gnadenlose Nicht-Berücksichtigen von Spielern, ohne einen aus Fansicht triftigen Grund, hatte in der Vergangenheit Methode.(...)
Andere Spieler indes genießen Narrenfreiheit. Prinz Poldi ohrfeigt den Capitano, rennt seit Monaten wie Miroslav Klose auch seiner Form hinterher und darf immer wieder ran. (...)
Zurück zu Frings. Der vermutete nämlich stets, dass nicht einzig und allein sportliche Entscheidungen zählen würden. Schart Joachim Löw also tatsächlich ein Team von Ja-Sagern um sich und geht unbequemen Diskussionen mit verdienten Leistungsträgern aus dem Weg? Will er mit Michael Ballack und einem Haufen Jungspunde die WM in Angriff nehmen? Der Kicker jedenfalls um einmal messbare Werte zur Hand zu nehmen bescheinigt Torsten Frings von allen deutschen Mittelfeldspielern in dieser Saison die beste Durchschnittsnote. Nur Toni Kroos ist besser, spielt aber einen offensiven Part.
Thomas Hitzlsperger hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, Simon Rolfes war dauerverletzt und sammelte bisher mit Leverkusen kaum internationale Erfahrung. Auch Bastian Schweinsteiger hinkt hinterher, überzeugt nur selten im Nationaldress wie beispielsweise gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Doch nochmal: Auch das war ein Freundschaftsspiel gegen einen harmlosen Gegner. Was also spricht tatsächlich gegen den Haudegen Torsten Frings?
Mangelnde Physis ist ein dehnbarer Begriff. Sicher ist, der Bremer ist nicht mehr der schnellste, der dynamischste. Aber sind tatsächlich sieben bis neun Mittelfeldspieler im WM-Kader besser als Torsten Frings? Und wie definiert Joachim Löw sein Leistungsprinzip? Gewiss, der Bundestrainer wird uns hier nicht seine Philosophie erklären. Interessieren würde es mich aber schon sehr. Und mit mir Millionen Fans, die vom WM-Titel träumen.