@Tyson
Selbstverständlich hatte er hier zuletzt Misserfolg. Ich halte diesen aber teilweise für erklärbar. Erstens hat sich hier über die Jahre eine Betriebsblindheit eingestellt, die auch Schaaf erfasst hat. Zweitens ist es Allofs nicht mehr gelungen, die richtigen Leute für Werder und Schaaf zu verpflichten. Und drittens sind seine Ansichten, welche Spieler er vielleicht gebrauchen kann und welche nicht so sehr, vielleicht manchmal nicht die besten. Dafür braucht es eben ein gutes Team, einen kreativen sportlichen Leiter und gute Scouts, Leute, die Impulse setzen. Das ist immer ein Teamergebnis und da haben im sportlichen Bereich, angefangen mit allofs, einige extrem "underperformt", wie man auf Neudeutsch zu sagen pflegt. Viertens wirkte Schaaf auf mich in den letzten Jahren angespannt, nervös, fast schon ausgebrannt. 14 Jahre ununterbrochene Trainertätigkeit in der Bundesliga ist eine enorme psychische und physische Belastung.
In Frankfurt hat er dafür ein neues Umfeld und andere Menschen, mit denen er arbeiten kann und muss. Ob das besser hinhaut, muss sich erst noch zeigen, das ist klar.
Aber abgesehen von seinen weniger erfolgreichen Jahren ist Schaaf für mich in der Tat ein "Wundertrainer", denn Werders Erfolg, den er hier entscheidend mitaufgebaut hat, war ein kleines Wunder, dass ohne die Person Schaaf und ohne seine Idee von Fußball gar nicht möglich gewesen wäre. Jahrelang waren wir damit der Konkurrenz voraus. Und deswegen glaube ich auch fest daran, dass er in Frankfurt etwas entwickeln kann. Ob das gelingt, wird von vielen Faktoren abhängen, aber er scheint das wichtigste zurückgewonnen zu haben: Eine gewisse Gelassenheit. Jupp Heynckes war als Trainer nie bekannt als ein großer Innovator oder soetwas, aber er hat in dem Moment seinen Misserfolg, den er zwischenzeitlich hatte, hinter sich gelassen, als er zu einer gewissen Lockerheit fand, als er sich entspannt hat. Wenn Schaaf das auch gelingt, dann ist er ein großartiger Trainer, der sicherlich noch ein "Alterswerk" zu vollbringen hat. Ich wünsche ihm dazu alles Gute.