Unter Schaaf haben wir eben gerade nicht gekontert, sondern den anderen unser Spiel aufgezwungen. Und zwar mit Mitteln, die heute für den Fußball guter Mannschaften allgemein charakteristisch sind. So hatten wir mit Ernst und Lisztes zwei Spieler, die sehr früh auf den Gegner draufgegangen sind und nach Fehlern wurde schnell und steil auf Ailton gespielt. Sicherlich, 2004 war der Fußball insgesamt noch nicht so schnell wie 2014 und schneller als 1994, die "Trainingsmethodik" schreitet ja voran.
Dem würde ich im großen Ganzen zustimmen.
Bis auf Kleinigkeiten. Dass wir nicht gekontert haben, ist so natürlich nicht richtig, es hängt aber eng mit "das Spiel aufzwingen" zusammen. Und da stimme ich Dir wieder zu, dass es 2004- 2006 zumindest größtenteils geklappt hat. Gegenteiliges war auch nicht Gegenstand meiner Aussage.
Und deshalb sage ich ja, das steht dort nicht. Ich möchte es (oder muss wohl sogar) zur besseren Erklärung mit Selbstzitat versuchen..
Die Außenverteidiger stehen wie anno Werder zu tief, was im selben Zusammenhang die aggressive Idee des hohen Pressing` s ad absurdum erscheinen lässt. Da dürften fast zwangsläufig große Abstände in den Halbräumen klaffen, was schon bei uns reihenweise, allerspätestens hinten die AV` s regelmäßig dumm aussehen ließ. Zumal auf Ordnung Im Mf weniger Wert gelegt wird. Zudem erzielst Du so zwar mit vielen Leuten vor dem Ball im letzten Spielfelddrittel eine relativ gute Passquote, aber in der Mitte kaum und hinten gar keine. Wie denn auch.
Ja, es hat einst geklappt, als Werder in der Liga noch über Micoud mit Ailton kontern konnte, weil die Gegner höher (die Werder noch nicht ernst genug nahmen), gleichzeitig die Balleroberung in den Halbpositionen effektiv und das Umschaltspiel schnell war. Das nahm kalkuliert Druck von den Außenbahnen.
Als die Gegner sich besser auf Werder einstellten, hat Schaaf nach der Winterpause 05/06 die aggressivere Vorwärtsverteidigung eingeführt, mit einer Abwehrkette, die trotzdem nahezu auf gleicher Höhe agierte.
Um den generellen Zusammenhang der beiden Absätze mit dem Beispiel der AV`s ging es mir.
Du aber greifst einzelne Sätzchen heraus, kreierst daraus eine Pauschalaussage, das mag passieren, wenn man sich nicht die Mühe macht, aber Du behauptest danach auch noch, Du hättest zur Kenntlichkeit entstellt und das kommt mir dann doch irgendwie rein provozierend im Sinne des Foren-Mainstreams rüber. Dass Paul Tergat oder mabo einen derartigen Kontext nicht verstehen (ich frage mich zudem gerade, wann ich wo geschrieben hätte, wir hätten überzeugender Weltmeister werden müssen), kann ich nachvollziehen und werfe es den Usern auch nicht vor. Dir allerdings kann ich das so einfach nicht abnehmen.
Du kannst bzw. konntest seinerzeit mit tiefen AV`s spielen, wenn einerseits die Balleroberung konsequent ist und im selben Zug nach Balleroberung schnelles Vertikalspiel durchs Zentrum gelingt.
Aber, und in dem Punkt bin ich überhaupt nicht bei Dir, eine solche Spielweise finde ich eben heute nicht mehr ausreichend oder gar charakteristisch für erfolgreiches Spiel, wenn es wie nach Schaafscher Maxime
über den oder die einzelnen, präsenten Strippenzieher vorgetragen werden soll. Es ist viel schwerer geworden, vertikal so durch die Mitte zu kommen. Die Ausnutzung von Spielfeldbreite und noch mehr Spielfeldtiefe als gesamtes Team ist doch seit 2004 eindeutig effizienter geworden, und zwar in beide Richtungen. Speziell das mannschaftliche Verschieben zum Ball bei hohem Laufaufwand aller.
Deshalb wundere ich mich über eine Herangehensweise, die halben Räume preiszugeben in der Hoffnung, es werde im Mf funktionieren, zu allem Überfluß auch noch mit möglichst vielen Offensiven vorne zu pressen bzw. Überzahl schaffen zu wollen und zu allem Überfluß wird weniger auf ordnende, raumhaltende Kräfte gesetzt, sondern auf (Offensiv-) Individualismus. Genau das hat sich aber bei Werder von Jahr zu Jahr drastischer überlebt.
Übrigens liegen wir hinsichtlich dessen, dass sich ein Trainer nicht verbiegen darf, sondern seine Spielidee, seine Philosophie weiterverfolgen sollte, nah beieinander. Das darf nur mMn nicht in Verkennung sich allgemein verändernder Umstände und daraus resultierender Erfahrungen (Probleme) passieren. Die wirklich guten Trainer haben sich stets dadurch ausgezeichnet, dass sie ihre klare Linie beibehalten und trotzdem in bestimmten Bereichen variieren können, die den Mix aus beidem am besten hinbekommen. Es waren seltenst die, die ausschließlich ihren Kopf durchsetzen wollen, weil erworbene Prinzipien einzig auf längst vergangenen Erfolgen basieren. Das ist der Eindruck, den ich bis dato von TS in Frankfurt habe und nichts anderes war Grundtenor meines Beitrages.
Der Kritik an bzw. über TS bezüglich nicht erfolgter Veränderungen dreht sich lediglich darum, daß er wie schon bei Werder auch bisher in Frankfurt kaum den Anschein erweckt, aus den von ihn falsch gemachten "Dingen" die richtigen Lehren zu ziehen und somit diese Teile seiner Arbeitsweise zu ändern.
Eben. So war das gemeint.
TS hat bei Werder verändert (auch das hab ich übrigens geschrieben btw. 2006), zuletzt auch in seiner letzten Hinrunde und dadurch spielerisch neue, bessere Ansätze geschaffen. Aber das waren eben nur sekundäre Ansätze, vorbei an den Hauptproblemen der Vorjahre, in denen wir nicht daran gescheitert waren, dass Werder nur zu wenig angeboten hat.