Die überwältigende Mehrheit der (oft sehr jungen) Fans und die Presse hat keinerlei Geduld. Spieler, die noch 3 Spiele zuvor zerrissen wurden oder die man vor 3 Spieltagen nicht als tauglich für die Startelf empfand, werden über den grünen Klee gelobt, wenn sie dann einmal saugut sind oder eine Bude machen. Oder umgekehrt wird zB. ein Talent wie Hartherz, das nach dem ersten sauguten Spiel unglaublich gehyped wurde, jetzt schon zerrissen. Alles hier nachzulesen.
Sehe ich anders. M. M. n. (auch aus der Erfahrung des Lesens in anderen Foren) sind es nicht die sehr jungen Fans, die ihre Meinung wie die Fahne im Wind drehen, sondern einfach die Gruppen oftmals schon fast gegensätzlicher Meinung, die sich durch die jeweligen Ergebnisse bestätigt fühlen und diese dann kund tun. Gerade bei Hartherz ist es doch so gewesen.
Und Geduld? Worauf? Es ist ja nicht so, dass man einen Umbruch und Mittelmaß als Ziel gesetzt hatte. Man hatte das Ziel EL ausgegeben und auch stetig Richtung CL geschielt. Was mit diesem Kader auch zweifellos das Ziel sein muss. Und die grds. Kritik an Schaaf ist doch nun wirklich keine Neue. Nur hat man damals von der Pro-Seite auf die Erfolge verwiesen. Jetzt ist es (ich weiss, Du bist kein "Pro", argumentierst aber hier in die selbe Richtung) eine Frage der Geduld.
Das man im Zeitraum 2005-2009 mit einem damals superteuren und superguten Kader keine einzige Meisterschaft und nur einen DFB-Pokaltitel geholt hat, diese supertolle aber dafür überraschender Weise supererfolglose Periode kritisiere ich stärker als die Tatsache, das Werder nach Jahren der ungesund hohen Spielerbezahlung, ziemlich leerer Kassen und der durch eine saumäßige Pleitensaison verschärfte Krise jetzt mal wieder in einer wahrscheinlich mehrjährigen Umbruchphase steht, in der es eben für ein paar Jahre keinen absoluten Spitzenfussball zu sehen gibt -oder nur einzelne saugute Spiele.
In der Saison 05/06 zahlte man 44,5 Mio und 08/09 bereits 62,5 Mio. Der Ertrag erhöhte sich aber auch um schlappe 46 Mio (!). Da wären wir wieder bei der Geldfrage. Wo isses denn geblieben? Eine GmbH & Co. KG, die derartig rasend die Einnahmen gesteigert hat, dürfte nicht in so eine Situation geraten. Wie sagte Born noch? Man stand finanziell 2009 auf Betonfüßen. Man könne zwei Jahre ohne internationalen Fussball überstehen. Wäre Werder insolvent gegangen, wenn Real nicht Ende August noch Özil geholt hätte und Rosi das goldene Tor in der CL-Quali gemacht hätte? Wenn man sich überlegt, dass 05/06 die Personalkosten bei 60 % und 09/10 bei 50 % der Ertragserlöse lagen, dann frage zumindest ich mich, wie das sein kann.
Wie oft genug gesagt, waren die Ziele der Führung andere (also wenn wir mal davon ausgehen, dass Platz 6 nicht erreicht wird). Weiterhin ist es ja eben so - wie oft wurde es von Allofs beschworen (?) - dass Werder vom sportlichen Erfolg abhängig ist. Wie soll sich Werder denn Übergangsjahre erlauben? Wie will man denn dann die heutigen Talente halten, wenn man nicht die entsprechenden Einnahmen hat? Die Situation wie 03/04 wird es heute nicht geben. Selbst wenn man (mal) die CL erreichen würde, wären man finanziell nicht mehr wie nach 03/04 an den meisten anderen Vereinen vorbei. Ich bin mir auch sicher, dass KATS niemals mit solchen Umbruchphase kalkuliert haben. Planung war wie gesagt die EL.
Man kann dem kleinen SV Werder mit all seinen begrenzten Möglichkeiten nicht vorwerfen, das man nicht ständig die Spitzengruppe halten kann. Das schafft nunmal nur der FC Bayern und niemand sonst. Und man kann von der sportlichen Leitung in diesem hammerharten Geschäft nicht erwarten, stets gleich erfolgreich zu sein. Kein einziger Manager kann das leisten. Außer, wenn man wie in Barcelona, Madrid, Mailand oder München Geld (fast) keine Rolle spielt und man sich teure Stars en masse zusammen kaufen kann, wenn einem nichts Anderes mehr einfällt.
Sei mir nicht böse, aber ich kann diese Argumentation nicht mehr hören. Werder war finanziell in der Phase ab 2004 nicht klein. Im Gegenteil...dass Werder vom sportlichen Erfolg abhängiger ist als einige andere Vereine, ist klar. Aber so viele Vereine sind das nun auch nicht und vor allem Werder hatte Erfolg. Über viele Jahre. Wozu dies? Um dann nach einer Saison knappe Kassen zu haben?
Sieht so "wir machen nichts unseriöses" aus? Wenn man nach den regelmäßigen Steigerungen der Umsatzerlösen bis 2011 um knapp 50 % (Stand 2010) oder in absoluten Zahlen um 60 Mio Euro (25 Mio mehr Personalkosten), dann hätte ich gerne einen Ansatz, wie das sein kann. Allofs Ansatz war jedenfalls mal den Verein zu entwickeln. Dieses wurde 2011 eingestellt. Meine These ist eben Herr Lemke, der nach dem Rücktritt von Stolberg das uneingeschränkte Kommando scheinbar übernommen hat. Sollte dies weiter der Fall sein, dann brauchen wir nicht über Übergangsjahre, sondern über Mittelmaß und eher Abstiegskampf als EL sprechen.
Ich schreibe schon wieder zu viel. Aber wie gemeint. Werder muss sich hinterfragen. Und wenn man die Ziele über 2 Jahre tatsächlich deutlich verpassen sollte, dann muss man imo weniger in der Mannschaft suchen, sondern bei KATS und natürlich weitergehend beim AR.
Die so oft gebrauchte Aussage, dass man nachhaltigen Erfolg nicht erwarten könne, geht imo an der Realität vorbei. Auch wie diese Aussage oftmals gebracht wird. Wir sind nicht der FC Bayern, wir sind so klein, "puhhu"...welches privatwirtschaftliche Unternehmen könnte sich solche eine Denkhaltung leisten. Ein Ex-Chef von mir hätte gesagt:"Ich erwarte einen Lösungsvorschlag und keine Erklärung!"...und so ist es ja nun mal auch.


