Schaaf hat gegen Hannover genauso spielen lassen, wie Mick immer behautet und das sonst oft zu Unrecht. Man hat einem geschwächten Gegner, der hinten anfällig ist, auf einfältige weise in die Karten gespielt und hätte klar in Rückstand geraten müssen. Anstatt richtig draufzugehen und gegen einen Gegner, der am Donnerstag noch gespielt hat, auch die nötige Härte reinzubringen, hat man Hannover einfach laufen lassen. Das war fahrlässig und nur dank Sokratis, Wiese und der Blindheit von Hannover haben wir gewonnen. Dass man mit einem 3:0 im Rücken auch mal drei flüssige Angriffe hinbekommen hat, ist dagegen nun wahrlich kein Wunder.
Sehe ich komplett anders. Den "Schlüssel" für die vielen guten bzw. gefährlichen Situationen von 96 sehe ich in einer verständlichen Unsicherheit bei Prödl einerseits (die er aber schon in den letzten Minuten der 1. HZ abstellte, in der 2.HZ war er weitestgehend souverän) und vor allem unerklärlichen Lauf- und Aufmerksamkeitsfehlern des MF.
Es waren gestern erstens extrem viele leichte Ballverluste dabei, es wirkte so als wenn die Spieler mit den Köpfen total woanders gewesen wären. Und zu diesen Ballverlusten durch Unkonzentriertheiten kamen dann noch Schlafmützigkeiten vor allem der beiden MF-Halbspieler beim Zulaufen von Räumen, die der Gegner dann dankend nutzte. Das es bei sovielen Fehlern im eigenen Aufbauspiel und unerklärlichen Ballverlusten bei eigener Offensivorientierung zu gefährlichen Szenen für 96 kommen würde, war bei deren starkem Konterspiel so klar wie Kloßbrühe.
Der Rest liegt ganz einfach darin begründet, das H96 zusammen mit Gladbach das wohl schnellste Umkehrspiel der Liga spielt und dafür auch die schnellen Leute dafür hat. Weiter dazu kommt, das in meinen Augen sowohl Ya Konan als auch der noch durch Krankheit geschwächte Abdellauoe überdreht haben, die waren dann in der 2.HZ ziemlich platt.
Ich hatte übrigens auch nicht den Eindruck, das man gestern "auf Zufall" gespielt hat. Man hat erkennbar anders gespielt, auffällig war vor allem, das man nicht ein einziges Mal so ein dichtes Gewusel gebildet und das man auch nicht so stark einen Schwerpunkt auf einer Seite gebildet hat.
Rosi war mit seinen Laufwegen zB. zwischendrin so etwas wie ein "Kreisläufer" im Handball. Ich hatte insgesamt den gefühlsmäßigen Eindruck, das TS nicht nur (ausnahmsweise ?) Standards trainiert hatte, sondern die Mannschaft gezielt auf die Spielweise des Gegners eingestellt hatte.
Das wird durch die Statistik-Daten bestätigt, die um nur ein Beispiel zu nennen überraschender Weise nahezu Gleichstand beim Ballbesitz ergaben, was immer der Fall war, wenn Werder den Schwerpunkt auf eine an den Gegner angepasste Taktik gelegt hatte.
Was mir auffällt ist die Tatsache, das diese Spiele ganz überwiegend zu den erfolgreich absolvierten zählen und dann fragt man sich, warum das nicht durchgängig gemacht wird - das Gleiche gilt für die vorher seit Langem unerträglich schlechten Standards.