Öhmm, da frage ich mich aber gerade, wer hier eine Brille auf hat? Es ist ein einziger User (nämlich Sylar), der dem Posting von DrottnarsRiket zustimmt. Oder habe ich mich verzählt?
Nein, und ich stimme auch dem Contra-Beitrag von Blacki zu.
Wenn man den Beitrag von Drottnarsriket so liest könnte man meinen, Werder steht auf P15 mit zwei Punkten Vorsprung auf den letzten Tabellenplatz. Kurioser Weise ist man trotz einer für Werder in den letzten 20 Jahren nicht untypischen Niederlagenserie in der ersten Hälfte der Rückrunde immer noch 6. und kann immer noch 4. werden - vorausgesetzt man schafft einen ebenfalls nicht Werder-untypischen Kraftakt zum Schluss der Saison.
Was das Posting von Drottnersriket noch unverständlicher macht ist die Tatsache, das etliche andere Spitzenmannschaften ebenfalls eine ähnliche Talsohle durchlaufen haben oder da noch mittendrin sind. Bevor die Bauern gestern Schützenhilfe von ihrem Exspieler bekommen haben, der schon in der Hinrunde seine vorherige Mannschaft so eingestellt hatte, das sie viele Tore bekam, waren sie mehrere Spieltage lang torlos incl Niederlagen. Meister Dortmund freut sich über einen glücklichen Punkt in Augsburg, Gladbach verliert in Nürnberg bei sehr schlechtem Spiel und wirkt beim anschließenden Unentschieden gegen Abstiegskandidat Freiburg einfallslos, Schalke ist momentan auch von der Rolle und Leverkusen verliert nicht nur hoch in Barcelona, sondern auch bei den grauen Mäusen aus der Autostadt.
Nur Werder, der kleine Verein mit dem viel zu kleinen und viel zu teuren Stadion, mit der Stadt die so pleite ist, das sie seit 40 Jahren nicht helfen kann, der kleine Verein mit den viel schlechteren Möglichkeiten und einer durch lange CL-Jahre und unvermeidbar viel zu hohe Spielergehälter klammen Kasse, dieser "David" des deutschen Goliath-Fussballs soll gerade in einer Zeit schwieriger "Umbrüche" in der Mannschaft erfolgreichen Zauberfussball nach Bestellung spielen.
Natürlich kann man etliches kritisieren und viel von dieser Kritik stimmt auch, nur darf man dabei die realistischen Möglichkeiten nicht verkennen. Und die sind eben so, das man nur mit einem Wunder die lange Phase des großen Erfolgs weiter hätte verlängern können. Das nach der Pleiten-Vorsaison die im Umbruch befindliche, stark verjüngte Mannschaft in der "erweiterten" Spitze halbwegs mithält ist als positiv zu werten.
Außerdem kann man TS alles Andere vorwerfen, das er planlos spielen lässt. Wer sowas behauptet, dem fehlt Sachverstand, weil er das gespielte System nicht erkennt.
Die Kritik, das er talentierte Spieler zu wenig entwickeln würde, vermag ich nur teilweise zu unterschreiben. Dies liegt aber nicht an mangelnden Fähigkeiten von TS, sondern daran, das er auf einem sehr anspruchsvollen, schwierigen System beharrt, bei dem junge unerfahrene Spieler es sehr sehr schwer haben zu glänzen. Allerdings beweisen diese Saison bisher vor allem Hartherz und Trybull, das man sich auch trotzdem nach vorne spielen kann. Kroos schafft es gerade nach einem langen Tief zurück in den Kader. Es geht also doch.
Eine treffendere Kritik zielt dahin, das dieses System sehr kompliziert ist und gerade den jungen Spielern, die keine Stars sind, m.E. zuviel abverlangt und die Ursache für die stereotypen Spielzüge und die vielen Unkonzentriertheiten ist. Treffende Kritik ist auch, das man die erfolgversprechenden "einfachen" Dinge zu wenig beachtet (Standards !) wenn man schon das interessante System des Trainers nicht durchbringt.
Vertikaler, schneller spielen, Konter- und Umkehrspiel verbessern (ruhig auch mal nach intelligent gespielten Befreiungsschlägen) und im "Gewusel" den öffnenden Diagonal- oder Vertikalball spielen sind zusammen mit der drastischen Verbesserung der Standards die kommenden Aufgaben.
TS wird daran zu messen sein, inwieweit er das schafft.