Naja - irgendwie komm es mir in Bremen so vor, wie Dortmund vor 3 Jahren, wo Klopp nach dem verlorenen Derby diesen Eierspruch aufgesagt hat.
Damals war auch das Dortmunder Team noch zu Naiv! Wir haben mE derzeit ein ähnliches Problem mit den jungen Hüpfern.
Mit dem feinen, aber nicht unerheblichen Unterschied, dass Klopp es nach und nach aufgebaut, Leute wie Tinga oder Frei aussortiert, weil die nicht ins Konzept passten und System wie Philosophie je nachdem variiert hat, bis er die richtigen Spieler und die richtigen Mittel fand. Ebenso ist Schaaf damals vorgegangen und ähnlich erfolgreich. Aber das ist nicht nur lange her, das Problem ist, dass hier kein neuer Trainer mit neuen Ideen fungiert, sondern einer, der einen Fussball spielen lassen will und eine Philosophie verfolgt, die mit diesem Personal kaum umsetzbar ist. Und deshalb bringt uns auch die Zusammensetzung des Kaders bestenfalls sekundär was.
Schaaf will Spieler auf dem Rasen sehen, die eigenständig agieren, Lösungen finden und daran wachsen bzw. lernen und sich entwickeln. Schaaf ist damit der totale Gegenentwurf zu Magath. Ich halte aber beides im jeweiligen Extrem für nicht zukunftsfähig.
Ich sehe die Schaaf`sche Vorgehensweise inzwischen arg an ihre Grenzen stoßen. Es fehlt mMn heuer im grossen Ganzen die Spielergeneration, die mit zu viel übergebener Verantwortung das richtige oder überhaupt etwas anfangen kann. Die Forderung nach Erwachsenenfussball ist schön, bleibt aber reine Romantik, wenn da eine Truppe mit hauptsächlich unreifen Buben auf dem Platz steht. Die Zeit der vielen Strassenfussballer, die in einem solchen "Selbstlernprozeß" aufgehen, scheint vorbei. Zudem arbeitet diese Philosophie deutlich dem allgemeinen Trend entgegen, der diese, gewissermaßen unmündigen Disziplinfussballer aufnimmt und in einem klaren "Rahmenplan" verhacktstückt, damit die Aufgabenteilung und Vorgaben auf dem Rasen stimmig sind. Und unter anderem deshalb haben z. Bsp. die Bedeutung der Laufleistung in Verbindung mit den "richtigen" Wegen auf dem Platz oder die Bedeutung der Spieleröffnung/Spielbeschleunigung von Torwart, IV oder DM extrem zugenommen. Es müssen sich alle einbringen und es wird immer schwerer bzw. fast unmöglich, dass reine Individualleistungen heute noch Kollektivleistungen schlagen können.
Daher sehen wir Woche für Woche eine Truppe, die aus Spielern besteht, die alle für sich eine gewisse Qualität haben, um im Team erfolgreicher zu sein als sie es sind und womöglich besser spielen könnten, als sie es tun, aber aufgrund eines verfehlten Konzeptes, zu wenig Einfluss von aussen extrem unkreativ rumstolpern. Eine Truppe, die wirkt wie ohne Plan in die Schlacht geschickt, wo der Spieler nicht weiss, was der Nebenmann tut, wo deshalb jeder für sich immer erst eine individuelle Idee produzieren muss, was ständig Tempo und Raumgewinn kostet. Ich glaube fast, wir sind die Mannschaft der Liga mit der schlechtesten Balance. Wollen wir tiefer stehen, geht das gegen die ein andere individuell schwächere Mannschaft insofern gut, dass wir wenig Dinger kassieren und eins mehr schiessen, die Restchance auf Fussball nach vorne oder ein paar Torchancen aber gänzlich verloren, da wir aufgrund der üblichen, schlechten Raumaufteilung und zu grossen Abstände nicht in der Lage sind, organisiert zu pressen und zur Ballseite korrekt zu verschieben. Dadurch ist die Möglichkeit zur Balleroberung gering und wenn doch mal gelungen, folgt dem obendrein ein mieses Konterspiel. Wollen wir dem Spiel einen Stempel aufdrücken, ist hinten Slapstick angesagt und es klingelt nicht selten gnadenlos im Kasten. Aus den selben Gründen.
Das alles ist eineindeutig Schaaf`s Handschrift, hat zwar mit einer Mannschaft im Umbruch und vielen neuen Spielern zu tun, es ist aber vor allem eine grundsätzliche Sache. Und es ist nicht so, dass diese Phänomene erst seit gestern auftauchen, es sind genau die "Dinge", die schon in erfolgreichen Zeiten augenscheinlich waren, wo vieles entweder durch die generelle Kaderqualität oder intelligente Spieler kaschiert wurde. Die Theorie, dass die grossen Erfolge mehr dem "System Micoud-Baumann & Co." geschuldet waren, als dem "System Schaaf" wird immer mehr genährt.
Da ist es ja, was mich krank macht. Nicht der Tabellenplatz, nicht dass wir mal ein paar Spiele hoch verlieren, nicht die letzte Saison. "Dinge" wie Abstände, Laufwege oder Automatismen des einfachen Spiels einzuüben und wenigstens in den Grundtugenden zu verbessern, sind ganz sicher kein Hexenwerk, vor allem nicht für einen erfahrenen und hochbezahlten BL-Trainer und langjährigen Ex-BL-Spieler. Aber es ändert sich fast gar nichts oder in einem Tempo, welches dem schnellebigen BL-Geschäft nicht im geringsten Sorge trägt.