Raute und 4-2-3-1 sind keine Philosophien, sondern eine ausgesprochene Nebensächlichkeit, die in diesem Thread vollkommen überbewertet wird. Man kann mit beiden (und noch mit ca. 15 anderen taktischen formationen) das umsetzen, was ich für Schaafs "Philosophie" halte, nämlich schnell und offensiv orientiert zu spielen. Gerade in Schaafs Philosophie ist es egal, wie man das System nennt, da sein System gerade nicht auf hoher Positionstreue basiert. Leute, die glauben, dass es mit dem 4-2-3-1 besser wäre, haben, so hart muss man es leider sagen, von Fußball keine Ahnung. Als ob es darauf ankäme, wo man einen Namen auf der taktiktafel aufmalt.
Sorry, aber das ist doch völliger Schwachsinn...
Du denkst also es ist im Endeffekt egal ob man mit 4 oder 5 Mittelfeldspielern spielt oder mit Dreierkette oder mit Libero??
Ich kann in Ansätzen schon verstehen was du sagen willst und vielleicht ist das in der reinen Grundidee nicht mal ganz verkehrt, aber zu sagen dass jemand der zwischen einer Raute oder einem 4-5-1 einen Unterschied erkennt keine Ahnung von Fußball hat, das ist schon der größte Knaller den ich seit langem gelesen habe!
Ich häng hier mal ne m.M.n interessante Analyse aus dem Spielformationsthread an die jemand aus dem Internet gezogen hat. Da hat irgend ein völlig ahnungsloser Journalist ausführlich die unterschiedlichen Spielsysteme aus dem Schalke-Werder Spiel verglichen...
"Bremen. Werder Bremen befindet sich in einem Dilemma: Trotz einer guten Rückrunde, bei der am Ende der fünfte Platz heraussprang, ist die Stimmung an der Weser gedrückt. Die 0:5-Niederlage im Topspiel auf Schalke war der Schlusspunkt einer traurigen Auswärtsserie: Zuletzt gab es ein 0:5 in Gladbach, ein 1:4 in München und nun diese Schlappe. Bremen ist zwar punktetechnisch nahe an der Spitzengruppe, doch im direkten Vergleich scheinen sie meilenweit entfernt von der Konkurrenz.
Die Probleme der Mittelfeldraute
Das Bremer Problem ist vor allem ein taktisches: Thomas Schaafs 4-4-2 System mit Mittelfeldraute stößt gegen die Top-Teams an seine Grenzen. Das Gastspiel in Gelsenkirchen legte dies wieder einmal offen. Gegen Teams, die ein Fünfermittelfeld aufbieten, haben die Bremer mit ihrem Vier-Mann-Mittelfeld ein numerisches Defizit. Gerade in Punkto Ballkontrolle können sie gegen große Teams nicht mithalten.
Die größte Schwächen zeigt das Bremer System auf den Außen: Da die Mittelfeldspieler allesamt zentral stehen, muss die Breite im Offensivspiel durch aufrückende Außenverteidiger erzielt werden. Gegen München und Gladbach rückten diese oft auf und hinterließen hinter sich eine lückenhafte Dreierkette. Die Gegner bedankten sich dafür mit pfeilschnellen Kontern über die Außen.
Gegen Schalke wollte Schaaf es offensichtlich besser machen und schickte mit Prödl einen defensiv orientierten Rechtsverteidiger auf das Feld. Doch auch diese Taktik ging nach hinten los: Die Außenverteidiger Schalkes hatten durch diese tiefe Rolle keinen natürlichen Gegenspieler. Dieses Loch ist schön auf der Spielfeldgrafik zu erkennen. So fand speziell Linksverteidiger Fuchs direkt hinter der Mittellinie Freiräume für Flanken aus dem Halbfeld vor, von denen er sonst nur nachts träumt. Nach Flanken waren die Bremer im Zentrum anfällig, und so fiel das 1:0 nach einer Hereingabe Jurados. Bereits zuvor hatte Schalke zwei große Möglichkeiten nach Flanken.
Bremer im Mittelfeld immer in Unterzahl
In der Folge änderte Bremen ihre Spielweise: Die zwei Halbspieler in der Raute rückten weiter nach außen, um die Schalker Außenverteidiger zu decken. Hierdurch blieb aber oft Raul, der zusammen mit Pukki leicht hängend hinter Raul agierte, im Halbraum frei, er fand besser und besser ins Spiel. Der Angriff, den er zum 2:0 einnetzte, wurde von ihm selbst aus dem Zentrum eingeleitet. Die Glanzleistung des Spaniers war in erster Linie Bremer Verschulden, sie ließen ihn im Zentrum zu oft ungedeckt. Zuerst die Außenverteidiger ungedeckt, dann Raul egal, wie Bremen ihre Strategie im Mittelfeld drehte, die numerische Überzahl des Schalker Tannenbaum-Systems (4-3-2-1 mit fünf Mittelfeldspielern) konnten sie nicht kontern.
Auch offensiv machte sich diese Unterzahl bemerkbar: Bremens Spiel war durch die fehlende Breite darauf ausgelegt, den Spielaufbau durch die Zentrale zu suchen. Hier hatte Schalke mit drei Spielern vor der Abwehr, inklusive dem tiefstehenden Jones, die totale Kontrolle. Der nominelle Zehner Trinks fand so überhaupt nicht statt, auch Pizarro und Rosenberg waren aus dem Spiel genommen. Werder hatte so praktisch keine Anspielmöglichkeiten im letzten Drittel.
Schalke kontert eiskalt
In der zweiten Halbzeit waren es dann drei Konter, die eine normale Auswärtsniederlage zu einer Demontage werden ließen. Bremens Verteidiger agierten nicht flink genug gegen Schalkes brutal-effektive Konter. Sobald in den letzten Auswärtspartien die Abwehrreihe nach einem Rückstand aufrückte, öffnete dies Tür und Tor für gegnerische Gegenstöße.
Trotz einer guten Ausgangslage für die Rückrunde kann bei Bremen von Festtagsstimmung keine Rede sein. Die Mittelfeldraute, an der Thomas Schaaf eisern festhält, offenbarte große Schwächen gegen Top-Teams. Gegen Gegner aus dem Tabellenkeller sind die Vorteile der Mittelfeldraute ersichtlich (zwei Anspielmöglichkeiten in der Spitze, vier Spieler im Zentrum plus zwei aufrückende Außenverteidiger, effektives Pressing möglich), in Spitzenspielen kommen vor allem die defensiven Probleme zum Tragen. Mit dieser Formation, so scheint es, kann der Angriff auf die Champions-League-Ränge nicht gelingen."