[[Vorab: Schaafs Erfolge (in Kombination mit Allofs) sind unbestritten, da wurde sehr sehr viel richtig gemacht; die "nackten Fakten", also Platzierungen des letzten Jahrzehnts, sowie Titel und diverse Finaleinzüge sprechen für sich.
Mit vergleichsweise geringen Mitteln wurden etliche CL-Teilnahmen etc. erreicht, ansehnlicher, offensiver Fussball gespielt.
Da muss ein jeder den Hut ziehen.
Von dieser fantastischen Basis, die da geschaffen wurde, zehrt der Verein in gewisser Weise immer noch, läuft aber m.Mn. Gefahr, langsam aber deutlich den Anschluss zu verpassen.
Damit meine ich nicht mal , sich ständig tabellarisch o.Ä. zu verbessern (was ja auch irgendwann kaum noch möglich ist), aber dass man mit einem klaren Konzept für die Mannschaft und seine Entwicklung agiert (Allofs und Schaaf zusammen), diese entwickelt
mit einem Ziel vor Augen, wie man mit welchen Spielern in welchem System spielen will. Was aber eine Kurskorrektur, wenn es denn wirklich nicht funktioniert, nicht ausschliesst.]]
Ich knüpfe hier mal an, um dann mehr ins Allgemeine hineinzugehen.
Bei vielen von den Pleiten mit 4 und mehr Gegentoren in jüngster Vergangenheit kam stets der Hinweis von einigen Usern, dass die Spieler einfachste, grundlegende Tugenden vermissen haben lassen, Anfängerfehler machen usw., und dass Schaaf da ja nicht viel Einfluss drauf hat o.Ä.
Warum aber passiert dies mit durchwechselndem Personal, und in einer Frequenz wie bei kaum einer zweiten Mannschaft, die den Anspruch hat, unter den ersten 5 (bzw. 6) der Liga zu sein.
Die eine Konstante ist da nunmal der Trainer(stab).
Mir stößt da bei Werder viel zu sehr (gerade von den Verantwortlichen) der Verweis auf grundlegende Dinge auf, die vermeintlich - so wie die Kommentare dann jeweils klingen - außerhalb der eigenen Kontrolle liegen; wo jedoch in der Tat das Gegenteil der Fall ist.
Beispiel: Schaaf sagt sehr oft nach einer Pleite, Dinge wie bspw. "wir sind nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen", "wir hatten uns mehr vorgenommen", "wir haben nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten", "wir wollten heute mehr anbieten, das ist uns nicht gelungen"...usw.
Das klingt alles sehr schicksalhaft, aber es sind doch alles Dinge, die mit der (professionellen) Einstellung, Leidenschaft, unbedingtem Siegeswillen zu tun haben.
Die immergleichen wiederkehrenden Kommentare nach den wiederkehrenden Pleiten nach gleichem Schema weisen irgendwie auf Hilflosigkeit hin bzw. machen nicht gerade Hoffnung.
Jetzt werden einige sagen, "was soll Schaaf sonst sagen" - das kann ich auch nicht im Detail beantworten, aber evtl. mehr auf das jeweilige Spiel an sich eingehen, und nicht eine Rhetorik verwenden, die indirekt andeutet, dass man es mit Faktoren außerhalb seiner eigenen Kontrolle zu tun hat. (z.B. "wir sind nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen" - passiv)
Und ja, es stimmt, eigentlich ist es auch relativ unwichtig, was der Trainer nach einem Spiel sagt (wenn auch nicht unwichtig, schliesslich hat alles eine Wirkung, gerade auch auf die Spieler !), wenn denn in der Praxis dann an den Fehlern und Schwächen gearbeitet würde mit sichtbarer Tendenz zum Besseren.
So aber bleibt der Nachgeschmack, dass Schaaf tatsächlich, sehr vereinfacht gesagt, "so denkt und handelt, wie er spricht".
Vieles wurde hier schon geschrieben, was ich nicht im Detail wiederholen will. Ich stimme aber im Großen und Ganzen überein, was bspw. die folgenden Stichpunkte angeht:
- Zweifel, ob Schaaf taktisch auf der Höhe ist, Festhalten an der Raute trotz wahrscheinlich besserer Eignung des "Spielermaterials" für andere Systeme
- generell zu sehr "köcheln im eigenen Sud" bei Werder bzw. sportlichen Leitung und Trainerstäbe, dadurch dass über Jahre die Positionen fast durchgehend von Ex-Werderspielern etc. besetzt sind - dadurch möglicherweise keine internen, fruchtbaren Reibungen und Diskussionen, bzw. fehlende Inspirationen und Einflüsse von aussen, keiner "tut dem anderen weh" oder redet ihm rein, etc. (vgl. "große Werderfamilie")
Stichwort Betriebslindheit
- eklatante, seit Jahren andauernde bzw. nach kurzen gefestigten Phasen stets wiederkehrende Defensivprobleme mit einfach zu vielen Gegentoren,
für eine Mannschaft, die den Anspruch hat, international spielen zu wollen.
Was ich aber besonders vermisse, ist, eine klar erkennbare Struktur im Zusammenwirken von Allofs und Schaaf.
Dass für die Offensive Millionenschwere Spieler (teils mit bekanntnicht einfachem Charakter bzw. mit zweifelhafter Entwicklungsprognose in neuem Umfeld) gekauft wurden, während man den Eindruck hatte, in der Defensivabteilung wurde im Verhältnis eher "Flickschusterei" mit möglichst Schnäppchen betrieben, ist das eine.
(BTW: nichts gegen Talente und günstige Spieler mit viel Entwicklungspotzenzial, es könnte aber auch in diesem Bereich - gerade um der Defensive Stabilität zu verleihen - auch mal ein hochklassiger, international erfahrener Spieler verpflichtet werden, nach Abgängen wie bspw. Frings und Mertesacker...)
Wenn man (Schaaf) sich auf die Raute festlegt, dann sollte man auch entsprechende Spieler kaufen, die dazu passen.
Beispiel Wesley: er hat bereits als AV spielen müssen, und wohl auf so ziemlich jeder MF-Position, und es ist immer noch nicht klar, welche Rolle er eigentlich einnehmen soll.
Beispiel Arnautovic: zuletzt vermehrt als 2. Sturmspitze, war aber sofern ich mich entsinne, auch schon auf den Halbpositionen zu finden, sowie aussen
Beispiel Marin: seine stärksten Spiele hatte er wohl als als offensiver Aussen damals noch neben Özil. Unter Schaaf vermehrt als 10er in der Raute aufgestellt, was nicht gerade das gelbe vom Ei war.
Beispiel Ekici: m.E. sollte er ganz klar den neuen 10er in der Raute geben. eine Rolle, die weder Hunt noch Marin ausreichend gut ausfüllen konnten. Zumal auch beide nicht genug Torgefahr erkennen liessen.
Ich denke, dass auch Ekici - im Regelfall heutzutage bearbeitet von den zwei 6ern des Gegners, nicht der Spieler mit den speziellen Fähigkeiten ist, die hier notwendig sind, um das Spiel (mitzu-)gestalten und gleichzeitig stets selbst torgefährlich zu werden (vgl. Özil, Diego, Micoud - die damals auch noch nicht immer zwei 6ern gegenüberstanden)
Ich denke er kann ein wichtiger Spieler werden, aber als #10er wird er es sehr sehr schwer haben, die notwendige Offensivpower zu entwickeln, um Werders Spiel an frühere Zeiten anknüpfen zu lassen.
Anders gesagt hängt bei Werders Raute (zu) viel von der Brillianz und Effizienz des 10ers ab, während bei einer offensiven 3er Kette (z.B. in einem 4-2-3-1) der Schwerpunkt mehr auf die Aussen verlagert wird, bzw. werden kann, so dass der Gegner sich nicht mehr verstärkt darauf konzentrieren kann, den 10er auszuschalten.
Bei unserem derzeitigen Spiel kommt das Spiel über Aussen zumeist über die AVs, die dann vom eigenen 16er zum gegnerischen laufen müssen, um zu flanken. Entsprechend gefährlich kann es bei schnellen Kontern des Gegners dann werden.
Ich verstehe nicht, warum man mit Spieler wie Marin und Arnautovic keine Flügelzange bildet, anstatt dass man versucht, sich durch die Mitte zu kombinieren (die der Gegner längst dicht gemacht hat), wofür zumindest derzeit einfach die Klasse fehlt und man sich die Zähne ausbeisst.
Dies ist nur ein Beispiel bzw. Vorschlag, und meine persönliche Meinung (wie der ganze Beitrag natürlich), aber dass es - auch offensiv, Stichwort: rausspielen klarer Torchancen - derzeit nicht gut funktioniert, ist ja nicht zu übersehen.
Ein ganz simples Beispiel: Bayern hatte Robben gekauft, mit dem klaren Ziel vor Augen, welche Position, welche Rolle dieser einnehmen sollte (Flügelzange mit Ribery bilden).
Für welche Positionen wurden exakt Wesley und Arnautovic (2 der teuersten Spieler überhaupt) verpflichtet? Man sucht immer noch nach der idealen Position? Kann man sich das bei derart teuren Einkäufen leisten, dass man monate-, ja, jahrelang herumexperimentiert?
Fast könnte man derzeit das gleiche auch noch für Marin sagen.
Oder z.B.: Es spielen offenbar fast immer nur Ekici ODER Marin.
Man lässt also - aufgrund der favorisierten Raute(?) - stets einen 5 oder 8 Millionen Mann auf der Bank (ähnliche Problematik Wesley, Arnautovic)
und es spielen Hunt oder Bargfrede z.B. stattdessen.
Ich habe überhaupt nichts gegen diese Spieler (gerade Hunt hatte Anfang der Saison bis vor kurzem eine starke Phase) und wenn sie besser spielen als andere, sollen sie spielen - aber irgendwie stimmt das Gesamtkonzept doch nicht, wenn man seine teuersten Einkäufe monate- oder jahrelang nicht richtig einsetzen kann oder will.
Dann müsste man wiederum hinterfragen, ob man das Geld nicht hätte anders investieren sollen/müssen.
Ich könnte noch mehr dazu schreiben, aber mein Beitrag hat wohl so schon eine beachtliche Länge. ;-) puuh
Nur noch ein Punkt:
es wird ja (gerade auch von den Verantwortlichen von Werder) gerne von in hohem Maße vorhandenem "Potenzial" bei den Spielern von Werder gesprochen.
Nur: warum wird dies von vielen Spielern nicht regelmässig abgerufen?
Siehe z.B. genannte Wesley, Arnautovic, Marin, Ekici...
unbestreitbar haben diese ihr Talent und Können bei vorherigen Vereinen, teils aber auch bei Werder (nur über keinen wirklich längeren Zeitraum) schon gezeigt. Nur warum hat man den Eindruck, dass sie (zu) oft hier unter ihren Möglichkeiten bleiben?
Hier muss man m.E. ganz klar den Trainerstab hinterfragen.
Bezügl. Marin hatte ich hier schon einmal etwas detaillierter etwas geschrieben:
http://forum.werder.de/showthread.php?5121-Marko-Marin&p=1925924#post1925924
Ich hoffe, dass sich aus den zweifellos vorhandenen Möglichkeiten, die in Werders Mannschaft stecken, noch in dieser Saison etwas geformt wird, was das so oft erwähnte Potenzial besser entfalten lässt.
Es beschleicht mich aber immer öfter der Verdacht, dass - bewusst oder unbewusst - eher nach dem Motto verfahren wird "wir arbeiten in Ruhe weiter wie bisher und es wird sich dann schon alles bessern"
Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und möglich ist vieles.