Weil unter Rehhagel die AV (rechts Schaaf, links Otten) sehr oft mit ins Angriffsspiel einbezogen wurden, sollte man davon ausgehen, daß unser Coach es schon bringen sollte, so daß es entweder an seiner Kommunikation oder eben an den Spielern hapert.
Ich vermute eher an seiner Idee vom Fussball in Kombination mit seiner Erfahrung als Spieler. Letztlich wissen wir gerade seit Rehhagel, wie "schön" und "unberechenbar" konsequentes Spiel über Außen wirklich ist. Nicht selten war das direkt gruselig und schrecklich anzusehen und rang manchmal dem Gegner nur ein mäßig angespanntes Gähnen ab.
Das Problem ist mMn nicht, dass Schaaf`s Idee vom Fussball unmodern wäre, ich denke eher, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Das Problem ist nur, dass die Spieler generell mit zu viel eigener Verantwortung auf dem Rasen überfordert werden, wo möglicherweise ein definierteres System mit klarerem Schema angebrachter wäre.
Da wir aber nun mal unbedingt ein gebenedeites System zu spielen beabsichtigen, frage ich mich angesichts der Eindrücke - und das nicht erst seit dieser und letzter Saison - ob TS es verpasst, zuallererst die Grundlagen, die wichtigen Vorraussetzungen für sein "System des kreativen Chaos" zu vermitteln (oder zu trainieren?).
Denn was nützt allein die Idee, den Gegner mit variablem Positionsspiel, ständigem Rochieren, unberechenbaren Laufwegen verwirren zu wollen, wenn jeder zweite Ball zum Nebenmann drucklos, unpräzise oder gehoppelt statt flach gepasst gespielt wird, sich die halbe Mannschaft zu wenig oder viel aber dennoch schlecht bewegt, sich demzufolge kaum einer freizulaufen weiss, die Raumaufteilung permanent unökonomisch ist. Allzu oft ist es doch genau das, was bei uns Spielfluss und Tempo verhindert, was es dem Gegner leicht macht, unser Spiel zu verteidigen. Deshalb sind wir auch nicht selten auf Individualaktionen angewiesen, die zu Torchancen oder Toren führen.
Im Kontext passt das, was Karlotto zu unserer Spielanlage sagt, die "es kaum mal erlaubt, Spieler in Situationen zu bringen, in denen sie zum Abschluss kommen". Beispielsweise wird ja nun oft genug über den übertriebenen Eigensinn Marin`s philosophiert, Systeminkompatibilität etc. Aber wie oft schafft es die Mannschaft, Marin durch schnelle Positionswechsel, Kreuzen, kluges Verschieben derart gute Zuspielmöglichkeiten zu liefern, dass er abgeben MUSS? Mir persönlich sind in den letzten drei Spielen genau zwei Szenen aufgefallen, eine in Hannover und eine gegen DO, in denen Marin eine solche Zuarbeit der Truppe ignorierte, ansonsten gab es das nicht.