Die Idee, diese Mannschaft einem anderen Trainer anzuvertrauen, birgt wesentlich mehr Risiken, als Chancen. So weiß man halt, was man hat - einen Trainer, mit großem Sachverstand, der mit allen Abläufen im Verein vertraut ist, der das Vertrauen der gesamten GF und des AR auf seiner Seite hat. Ideale Voraussetzungen, langfristig zu arbeiten und langfristig angelegte Konzepte umzusetzen, ohne gleich alles in Frage gestellt zu bekommen. Ob dies alles mit einem neuen Trainer ad hoc möglich ist? Nein.
Damit stellst Du allerdings eine Job-Garantie aus, die nach meinem Dafürhalten in diesem Geschäft unangemessen ist.
Noch mal: Was denkst Du denn, warum nach Rehhagel kurz aufeinander vier Trainer scheiterten? Weil sie alle zu schlecht waren? Ja, könnten wir meinen, wenn wir uns den weiteren Verlauf der Trainerkarrieren der Genannten
nach Werder anschauen.
Auf der anderen Seite erinnere ich zum Beispiel mal daran, dass de Mos als einer der ersten BL-Trainer mit Werder die Viererkette einführte und mit Hany Ramzy und Junior Baiano sogar die richtigen IV`s zur Verfügung hatte. Dass Uli Borowka zum AV ungeeignet, generell die Mannschaft in ihrer Spielweise wenig flexibel war, führe ich auf Otto zurück.
Das zeigt erstens, dass der Verein aufgrund einer langen Trainerperiode seinerzeit nicht vorbereitet war (U.H. aus M. hat das damals erkannt und sich auf diese Weise eines unliebsamen Konkurrenten auf Jahre entledigt) und zweitens, dass es nicht zwangsläufig gut sein muss, wenn ein Trainer zu lange in nur einem Verein arbeitet. Unabhängig von den Erfolgen. Es ist kein Gesetz, dass TS noch 5 oder 10 Jahre Coach bleibt, denn er kann bspw. auch abgeworben werden.
Natürlich birgt dies mehr Risiken, auch ich glaube an eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass es nach Schaaf eher bergab, denn bergauf geht. Andererseits sollte ein Verein aufpassen, diese Risiken nicht selbst in ungeahnte Höhen zu treiben, wie bspw. die Nach-Rehhagel-Ära zeigt. Deine Frage beinhaltet sicherlich nicht grundlos den Beisatz "ad hoc möglich?".
Und das was Du sagst mit "idealen Vorraussetzungen", die andere nicht hätten, Vertrauen usw. ist exakt die Bequemlichkeit, die nicht selten der Anfang eines Niedergangs ist. Klar, das Festhalten an Bewährtem ist sehr menschlich und keineswegs falsch. Und bei Werder ist es nun mal so, dass irgendwann in den 70ern falsche Entscheidungen getroffen wurden, was in einem Abstieg mündete, woraufhin eine lange Ära in den 80ern bis Mitte 90er den Beweis antrat, dass Kontinuität in diesem Verein hervorragend funktioniert. Danach ähnlich wie in den 70ern wieder eine Phase bis eine neue lange Ära zum zweiten Mal den vergleichbaren Gegenbeweis antrat, dass dies wohl das Beste für Werder ist bzw. sein könnte.
Dennoch sehe ich auch die Chancen, die zudem mMn nicht vergleichbar mit 95 einzuordnen sind. Denn a) denke/ hoffe ich, dass der Verein diesmal besser vorbereitet wäre, b) hat sich seither viel verändert, bspw. in der Spielerfluktuation sowie den finanziell erreichbaren Mitteln, und c) ist Werder nach wie vor ein attraktiver Standort für Trainer. Und gute Trainer gibt es meinen Eindrücken nach inzwischen deutlich mehr als noch in den 90ern bis Anfang der 00er.
Das ist ein Grund, warum ich wie eingangs vor zwei Tagen erwähnt eine Vertragsverlängerung Schaaf`s nicht als MUSS ansehe. Ein anderer wäre angesprochener Trend, der spätestens in dieser Spielzeit eine klare Aussage geben sollte.